Schweizer Pfarreien beten für Regen – «Jedes Gebet nützt»
Wegen der anhaltenden Trockenheit beten Schweizer Pfarreien für Regen. In Cham ZG wurden dafür sogar zwei Messen gefeiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Mehrere Schweizer Pfarreien reagieren auf die Trockenheit mit Gebeten und Fürbitten.
- In Cham ZG wurden auf Wunsch von Gläubigen zweimal Messen «Um Regen» gefeiert.
- In Zug gehört der Wettersegen zur Tradition – Pfarrer Reto Kaufmann warnt vor einem «magischen» Verständnis.
Die Schweiz lechzt nach Regen. Und mittlerweile wird dafür auch in Schweizer Kirchen gebetet.
Mehrere katholische Pfarreien nehmen die anhaltende Trockenheit in ihre Gottesdienste auf. Mal mit dem traditionellen Wettersegen, mal mit Fürbitten – und teilweise sogar mit einer speziellen Messe.
Gläubige wünschen sich Gebet für Regen
So etwa in Cham ZG. Dort kam der Wunsch direkt aus der Pfarrei. «In der Trockenzeit sind Leute von der Pfarrei auf mich zugekommen», erzählt Pfarrer Thomas Rey gegenüber Nau.ch. Sie hätten ihn gefragt, ob man für Regen beten könne.
Für Rey kein Problem.

«Ich habe gesagt: Ja gut, das können wir machen.»
In der Katholischen Kirche gibt es für solche Situationen bereits vorformulierte Gebete. Das Messbuch enthält Formulare für unterschiedlichste Anliegen – darunter auch für Regen, gutes Wetter oder eine gute Ernte.
Gleich zweimal spezielle Regen-Messe
In Cham kam das spezielle Messformular während der aktuellen Trockenheit bereits zweimal zum Einsatz. «Das ist eine ganz normale Werktagsmesse», erklärt Rey gegenüber Nau.ch.
Ungewöhnlich findet er das nicht. Bei Trockenheit werde eben um Regen gebetet. Bei zu viel Regen könne es umgekehrt auch eine Bitte um gutes Wetter geben.
Für Rey steht die Wirkung ausser Frage: «Ich bin überzeugt, dass jedes Gebet nützt.»
In Zug gehört Wettersegen ohnehin dazu
In Zug ist der Wettersegen fester Bestandteil der Gottesdienste zwischen Ende April und Mitte September. Unabhängig von der aktuellen Trockenheit.
«Es geht nicht darum: Morgen kommt jetzt der Regen», sagt Pfarrer Reto Kaufmann gegenüber Nau.ch. Der Segen dürfe nicht «magisch» verstanden werden. Vielmehr solle er bewusst machen, dass der Mensch trotz aller technischen Möglichkeiten von der Natur abhängig bleibt.

«Wir sind eingebettet in die ganze Schöpfung hinein», sagt Kaufmann. Und: «Wir haben nicht alles im Griff.»
Der Wettersegen soll deshalb vor allem sensibilisieren und zur Dankbarkeit anregen. «Wir dürfen wirklich dankbar sein. Wir haben genug. Mehr als genug.»
Weitere Pfarreien nehmen Trockenheit auf
Cham und Zug sind keine Einzelfälle. In Baar ZG wird die Trockenheit derzeit in Fürbitten thematisiert, wie kath.ch berichtet.
In Würenlingen AG hat Diakon Marcus Hüttner einen eigenen Wettersegen verfasst. Für einen Erntedank-Gottesdienst hat dort zudem eine Landwirtin aus dem Liturgie-Team Fürbitten zu Trockenheit, Regen und Ernte geschrieben.

Gebete für bestimmtes Wetter haben eine jahrhundertealte Tradition. Der Freiburger Liturgiewissenschaftler Martin Klöckener erklärte bereits 2022, dass es solche Bitten schon in der mittelalterlichen Liturgie gab. Teilweise fanden sogar Prozessionen für besseres Wetter statt.
Ganze Schweiz leidet unter Trockenheit
Aussergewöhnlich ist dagegen die aktuelle Trockenheit. Besonders gross sind die Niederschlagsdefizite im Mittelland und im Jura.
Über die vergangenen 90 Tage fielen dort teilweise nur 30 bis 45 Prozent der normalerweise erwarteten Regenmenge. Die angekündigten Niederschläge dürften die Situation laut Bund zwar etwas entspannen, aber nicht nachhaltig beenden.
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Doch immerhin: Ausgerechnet jetzt soll es endlich wieder nass werden.
Als Nau.ch am Donnerstag mit Pfarrer Rey spricht, ist für Freitag Regen angekündigt. Auf den Hinweis, dass es mit den beiden speziellen Regen-Messen damit vorerst reichen dürfte, stimmt er zu.
Die Gebete sind damit zumindest für den Moment erhört.
So klingt der Wettersegen
Pfarrer Reto Kaufmann verwendet in Zug unter anderem diese Form:
«Der barmherzige Gott segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter. Er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.
Er segne die Felder, die Gärten, die Gewässer und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.»







