Schüler schwänzen immer mehr nach dem Wochenende

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Am Freitag und Montag machen Schülerinnen und Schüler vermehrt blau. Davor schrecken sie auch wegen der Eltern nicht zurück.

Schule
Die Hemmschwelle, die Schule zu schwänzen, ist gesunken. (Symbolbild) - pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Schüler schwänzt am Freitag die Schule – und läuft seiner Lehrerin über den Weg.
  • Laut dem Lehrerverband treten Absenzen vor und nach Wochenenden gehäuft auf.
  • Ein Schulrechts-Experte stellt beim Schwänzen eine «gewisse Unverfrorenheit» fest.

Der Schüler läuft der Lehrerin direkt ins Messer. Es passiert an einem Freitagmittag kurz nach 12 Uhr beim Zürcher Albisriederplatz.

Die Lehrerin hat in der Migros gerade ihren Zmittag gekauft. Beim «Burger King» schlendert ihr ein Jugendlicher entgegen.

Die Lehrerin bleibt mit tadelndem Blick stehen. «Wenn du zu krank bist, um in die Schule zu gehen, geh nach Hause, dich erholen», sagt sie auf Schulhochdeutsch. Der Schüler bleibt erstaunlich entspannt.

Anstatt nach einer Ausrede für seinen Ausflug trotz Krankheit zu suchen, steht er zu seiner Schwänzerei. «Heute Morgen ist es mir so schlecht gegangen», behauptet er und setzt ein gequältes Gesicht auf. «Ja, dann geh jetzt nach Hause, dich erholen», antwortet die Lehrerin bestimmt und geht wieder ihres Weges.

Respektlosigkeit habe zugenommen

Die Hemmschwelle, die Schule zu schwänzen, ist gesunken. «Absenzen vor und nach Wochenenden sowie vor Ferienabschnitten treten gehäuft auf.» Kantonale Monitoring-Berichte zeigten entsprechende Hinweise.

Dies sagt Beat A. Schwendimann zu Nau.ch. Er ist Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).

Würdest du dich beim Blaumachen aus dem Haus trauen?

Manche Fälle landen bei der Fachstelle Schulrecht GmbH. «Ich kenne einen Haufen Fälle von Kindern, die am Freitag regelmässig nicht in die Schule gehen», sagt Schulrechtsexperte Peter Hofmann. «Andere kommen am Montagmorgen nicht aus dem Bett

Hofmann stellt fest, dass die Schülerinnen und Schüler beim Schwänzen eine «gewisse Unverfrorenheit und Frechheit» an den Tag legen. «Die Respektlosigkeit gegenüber der Schule hat zugenommen.»

«Gut situierte Familien»

Vor dem Blaumachen schrecken Schülerinnen und Schüler auch wegen der Eltern immer weniger zurück. «Schulen kommen vermehrt auf uns zu, weil Eltern mit ihren Kindern unentschuldigt verlängerte Ferien nehmen», sagt Peter Hofmann.

Früher habe es oft Schüler mit Migrationshintergrund betroffen, die Ferien im Heimatland verbracht hätten. «Heute sind es eher gut situierte Familien, die zum Beispiel 40 Tage in Griechenland Urlaub machen.»

Dank Remote-Work könnten sich die Eltern dies erlauben. «Die Kinder verlieren aber den Anschluss in der Schule.»

Hofmann empfiehlt Schulen deshalb, die unerlaubten Absenzen mit Bussen zu bestrafen.

Kürzlich verurteilte die Staatsanwaltschaft Zug ein Ehepaar aus Baar ZG zu einer Busse von je 450 Franken. Die Eltern hatten ihre Kinder für ein verlängertes Wochenende im Ausland krankgemeldet.

2025 kassierte eine Bündner Mutter eine Busse von 2000 Franken. Sie war mit ihren Kindern einen Tag vor Ferienbeginn verreist.

Wenn Schüler erwischt werden

Die Lehrerin in Zürich hat ihren Schüler hingegen in flagranti beim Schwänzen erwischt. Womit müssen Schülerinnen und Schüler in solchen Fällen rechnen?

Beat A. Schwendimann unterstützt die Reaktion der Lehrerin. Grundsätzlich habe sie professionell deeskalierend reagiert, sagt er.

«In einer ‹In-flagranti-Situation› im öffentlichen Raum ist eine öffentliche Massregelung oft kontraproduktiv.» Entscheidend sei jedoch, was danach folge.

Hand aufs Herz: Hast du schon mal blaugemacht?

Die Lehrperson muss den Vorfall laut Schwendimann zwingend protokollieren und im schulischen Rahmen aufarbeiten. Er verweist auf die Meldepflicht bei unentschuldigtem Fernbleiben.

Professionelles Handeln bedeute im geschilderten Fall, den Aufenthalt im Freien trotz vorgegebener Krankheit im Vier-Augen-Gespräch zu thematisieren. Auch müssten die Eltern informiert werden. «Bei Wiederholung ist die Schulleitung sowie gegebenenfalls der Schulpsychologische Dienst beizuziehen.»

Kommentare

User #4353 (nicht angemeldet)

Als SPler finde ich das voll ok. Über 50% pensum ist nicht zumutbar

User #4218 (nicht angemeldet)

Die ideologische Schulbildung ist eh unnütz.

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