Lenzburg

    Schloss Hallwyl: «Herbstmarkt fast wie ein Familientreffen»

    Olivier Diethelm
    Olivier Diethelm

    Lenzburg,

    Am 17. und 18. Oktober dreht sich am Schloss Hallwyl alles um den Herbst. Das «Gmüeser»-Team zeigt die kulinarische und ökologische Vielfalt von Wildobst.

    Gmüeser
    Das «Gmüeser»-Team Thomas Urech und Martina Räber aus Hallwil sind schon seit vielen Jahren fester Bestandteil der Mosttage auf Schloss Hallwyl. Sie präsentieren neben ihrem Biogemüse auch verschiedene Wildobstarten aus eigenem Anbau. - Jasmin Ziegler

    Seit 15 Jahren gehört Thomas Urech, bekannt als «Gmüeser» aus Hallwil, zu den regelmässigen Teilnehmern der Mosttage auf Schloss Hallwyl. Für ihn und Lebensgefährtin Martina Räber ist der Anlass längst mehr als ein gewöhnlicher Markt.

    «Wir haben ein ziemlich beständiges Teilnehmerfeld. Jedes Jahr ist es fast wie ein Familientreffen », erzählt er. Die Veranstaltung sei stets sehr gut besucht und gerade auch für Familien attraktiv. Besonders die Kinder hätten Freude daran, mit der Handpresse ihren eigenen frischen Apfelsaft herzustellen.

    An ihrem Marktstand präsentieren die beiden biologisch angebautes Gemüse, hausgemachte Wildobstprodukte und eine feine Kürbissuppe. Ausserdem laden sie zur Degustation eines besonderen Saftes ein: einer Mischung aus Apfel, Kornelkirsche und Aronia.

    «Wir stellen auch die verschiedenen Wildobstfrüchte zum Probieren bereit. Die Leute fragen nach und so kommt man miteinander ins Gespräch.»

    Ein schwieriges Jahr für das Wildobst

    Seit 2017 kultiviert Urech neben verschiedenen Gemüsesorten auch mehrere Arten von Wildobst. Die robusten Gehölze haben den aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer insgesamt gut überstanden. «Die Bäume und Sträucher haben sich über die Jahre sehr gut verwurzelt », erklärt Urech.

    Dabei komme ihnen auch der tiefgründige Boden zugute. Ganz ohne Folgen blieb die Trockenheit allerdings nicht. Die Erträge fielen geringer aus, die Früchte blieben kleiner. Besonders bei den Aroniabeeren machte sich dies bemerkbar.

    aronia, apfelbeere
    Ganz ohne Folgen blieb die Trockenheit allerdings nicht. Besonders bei den Aroniabeeren machte sich diese bemerkbar. (Symbolbild) - Depositphotos

    «Aronia hat ohnehin ein intensiv herbes Aroma. Dieses Jahr sind die Beeren ein wenig bitterer geworden », sagt Urech. Verarbeitet wird das Wildobst von Martina Räber unter anderem zu Trockenfrüchten und Aronia-Apfel-Konfitüre.

    Sorgen hingegen bereitet ihm der Sanddorn. Eine Pilzkrankheit hat die Pflanzen stark geschädigt. Urech musste sie massiv zurückschneiden und hofft nun, dass wenigstens ein Teil überlebt und wieder austreibt.

    Mehr als eine besondere Frucht

    Der Wildobstanbau ist für Urech ein Herzensprojekt. Obwohl die Ernte aufwendig ist und die Erträge nicht immer üppig ausfallen, hält er an den besonderen Kulturen fest. Denn neben dem Geschmack liegt ihm vor allem deren ökologischer Wert am Herzen.

    Denn einheimische Wildobstgehölze bieten Vögeln, Insekten und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum. Urech möchte deshalb auch die Marktbesucher für naturnahe Bepflanzungen sensibilisieren.

    Schon im eigenen Garten lasse sich viel bewirken, etwa indem eine Thujahecke durch einheimische Sträucher ersetzt werde. «Das bedeutet für Flora und Fauna einen grossen Mehrwert», betont er.

    Besuchst du gerne Herbstmärkte in deiner Region?

    Diese Überzeugung verbindet ihn mit der Stiftung Kultur-Landschaft Aare-Seetal (KLAS), in deren Stiftungsrat er seit zwölf Jahren mitwirkt. Die Stiftung setzt sich für die ökologische Aufwertung der Region ein und organisiert gemeinsam mit Museum Aargau die Mosttage. Am Anlass informiert sie auch über laufende und neue Projekte.

    Ein Herbstfest für alle Generationen

    Am Wochenende vom 17. und 18. Oktober stehen auf Schloss Hallwyl wieder regionale Produkte, traditionelles Handwerk und der frisch gepresste Most im Mittelpunkt. Produzentinnen und Produzenten bieten Hochstamm- und Wildobsterzeugnisse sowie weitere Spezialitäten an. Die kleinen Gäste dürfen selbst an der Handpresse mithelfen.

    Für Unterhaltung sorgen die Musikgruppe Strello, Märchen von Edith Gloor jeweils um 11 und 13 Uhr sowie Schlossführungen um 11.30 und 14.30 Uhr. Dazu kommen Handwerk aus dem Seetal, ein Glücksrad und zahlreiche kulinarische Angebote. Auch der Landschaftsschutzverband Hallwilersee informiert über seine Anliegen.

    schloss hallwyl
    Das Schloss Hallwyl. - keystone

    Für Thomas Urech und sein Team ist die Teilnahme erneut eine Gelegenheit, Menschen für regionale Lebensmittel und die Vielfalt des Wildobstes zu begeistern. Und vielleicht entdeckt dabei mancher Besucher eine Frucht, die künftig auch im eigenen Garten einen Platz findet.

    Mosttage mit Herbstmarkt am Samstag und Sonntag, 17. und 18. Oktober 2026 (jeweils 10 bis 17 Uhr) auf Schloss Hallwyl in Seengen. Der Markteintritt ist frei, für den Museumsbesuch gilt eine Ermässigung von 50 Prozent.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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