Schlechte Vorzeichen aus Deutschland für die Wintersaison

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Deutschland,

Die Konsumzurückhaltung in Deutschland wird sich in diesem Winter mutmasslich auch auf die Schweiz auswirken. Erste Zeichen deuten auf weniger Gäste hin.

Wintersaison
Die Schweizer Skiorte dürften die Konsumzurückhaltung in Deutschland in dieser Saison spüren. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die deutsche Konsumzurückhaltung beeinflusst den Alpentourismus negativ.
  • In der Schweiz und Österreich deuten erste Anzeichen auf weniger DE-Gäste hin.
  • Derzeit wird das Geld demnach bei den Deutschen lieber auf die Seite gelegt.

Die anhaltende Wirtschaftskrise in Deutschland könnte in diesem Winter den bislang florierenden Tourismus in den Alpen bremsen. In der Schweiz und Österreich stellen die Gäste aus Deutschland in vielen Winterurlaubsorten nach wie vor die grösste oder zumindest eine der grössten Gruppen.

Eine Hauptursache ist nach Einschätzung von Ökonomen und Fachleuten die Verunsicherung der deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern, die ihr Geld derzeit lieber auf die Seite legen, als es auszugeben.

Skiferien besonders teuer

Vor allem Skiferien sind traditionell sehr teuer. Einer alten Faustformel zufolge kostet eine Woche im Skigebiet so viel wie drei Wochen Sommerurlaub. Nicht zuletzt wegen dieser hohen Kosten sparen etliche Menschen eher an den Winter- als an den Sommerferien.

Glaubst du, dass weniger Deutsche in die Schweiz kommen werden?

Das Reisevolumen schwanke weniger stark als die Ausgaben, sagt Dennis Utzerath, Tourismus-Fachmann der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). «Den Haupturlaub spart man in Deutschland nur sehr begrenzt ein. Die Leute wählen dann aber günstigere Ziele. Was leidet, sind die Kurzreisen, der Zweit- und Dritturlaub.»

Sommerferien haben oft Vorrang

Nach Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in der norddeutschen Stadt Kiel war bereits in den vergangenen beiden Jahren ein Trend zur Beschränkung auf eine Haupturlaubsreise im Jahr zu erkennen.

«Während in den Vorjahren von vielen Reisenden mehrere Urlaubsreisen oder zusätzliche Kurzurlaubsreisen unternommen wurden, wird nun häufiger Wert auf die eine Hauptreise gelegt, bei der sich die Reisenden dann auch etwas gönnen möchten und nicht zu sehr auf den Preis achten», sagt Tourismusforscherin Friedericke Kuhn. «Da der Ski-Urlaub häufig eine Zweitreise neben dem Haupturlaub im Sommer darstellt, lässt sich hier ein Rückgang vermuten.»

Schneemangel im Gebirge schreckte die Gäste bisher nicht ab

In den vergangenen beiden Wintern fehlte es in den Alpen zwar vielerorts an Schnee, doch keineswegs an Gästen. Das Schweizer Bundesamt für Statistik etwa meldete für Januar, Februar und März dieses Jahres im Vergleich zur Vorsaison einen kräftigen Anstieg der Logiernächte- Dazu trugen auch die deutschen Urlauberinnen und Urlauber bei.

Doch bei letzteren stehen die Zeichen in diesem Jahr – ganz allgemein und nicht nur im Urlaub – auf Sparsamkeit, obwohl viele Menschen wieder etwas mehr Geld in der Tasche haben. «Die Löhne sind in diesem Jahr stärker gestiegen als die Inflation», sagt Jürgen Michels, der Chefvolkswirt der BayernLB.

«Die Konsumentinnen und Konsumenten haben sich trotz höherer Realeinkommen aber zurückgehalten, die Sparquote ist gestiegen. Das mag widerspiegeln, dass die Haushalte zunehmend besorgt sind über die politische Lage, und dass auch die Sorge um die Arbeitsplätze hineinspielt.»

Auswirkungen auf die Schweiz und Österreich zu erwarten

Bei Reisen von Deutschland nach Österreich und in die Schweiz sei zu erwarten, «dass das nicht so gut wie im vergangenen Winter läuft», sagt BCG-Experte Utzerath. Der Buchungseingang in der Hotellerie war in den vergangenen Monaten nach Worten des Beraters schwach, allerdings ausgehend von einer starken Periode zu Jahresbeginn. Die Vorausbuchungen allein sind demnach auch kein zuverlässiger Indikator. Der Hintergrund: Etliche Menschen stornieren wieder, andere buchen kurzfristig um, und wieder andere entscheiden sich kurzfristig für oder gegen eine Reise.

Die Luftseilbahn Niederbauen.
Die Schweizer Skiorte müssen sich auf weniger Gäste gefasst machen. - Keystone

Unter den deutschen Hoteliers ist die Stimmung in diesem Herbst schlechter als in den beiden Vorjahren, wie den regelmässigen Konjunkturumfragen des Münchner Ifo-Instituts zu entnehmen. «Zum einen scheinen die Verbraucher dem Rückgang der Inflationsrate noch nicht so recht zu trauen», sagt Klaus Wohlrabe, der Leiter der Ifo-Umfragen. «Zum anderen wächst bei vielen die Sorge, ob der Arbeitsplatz noch sicher ist, deshalb wird etwas Geld zur Seite gelegt.»

Schlecht für die alpinen Urlaubsorte: Wieder mehr Fernreisen

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: «Während der Corona-Pandemie waren die innerdeutschen Ziele stark», sagt BCG-Tourismusfachmann Utzerath. «Genau die haben in diesem Jahr nicht sehr gut abgeschnitten. Auch in den benachbarten Ländern sieht es mauer aus.»

Die Ifo-Umfragen liefern ein klares Indiz, dass es die Deutschen wieder vermehrt in grössere Fernen zieht: Die Stimmung in Reisebüros und Reiseveranstaltern – die viele Reisen in Fern- und Überseeziele vermitteln – ist demnach erheblich besser als in der Beherbergungsbranche. «Denen geht es gut, das deutet darauf hin, dass eher Ziele im Ausland gebucht werden», sagt Ifo-Umfragechef Wohlrabe.

Kommentare

User #4781 (nicht angemeldet)

Auch für uns Schweizer ist Skifahren (speziell Familien) auch nur für 1Tag ein Luxusgut. Nicht alle verdienen genug um regelmässig Skifahren zu gehen geschweige denn Skiferien zu haben. Leider!

User #4607 (nicht angemeldet)

Auch ich als Schweizer kann mir diesen Luxussport für Wenige nicht mehr leisten. Ganz abgesehen von den Hotelpreisen.

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