Tod

Roman von Catherine Lovey über Leben, Tod und Nähe

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Bern,

Catherine Loveys Roman «Geschichte vom Mann, der nicht sterben wollte» philosophiert über den Sinn des Lebens, Einsamkeit und Freundschaft sowie den Umgang mit Krankheit und Tod.

Lovey
Die Schweizer Autorin und Journalistin Catherine Lovey. - keystone

«Es war einmal ein Mann, ein braver, kühner Mann, der nicht sterben wollte.» Wie ein Märchen beginnt der Roman der Autorin und Journalistin Catherine Lovey. Sie wurde 1967 in eine Bergbauernfamilie im Val d'Entremont im Wallis geboren und lebt heute im Kanton Waadt. Ihren fünften Roman – im Original: «Histoire de l'homme qui ne voulait pas mourir» – hat das Bundesamt für Kultur 2025 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Nun erscheint er in deutscher Übersetzung.

Dieser titelgebende Mann ist Sándor, ein Ungar im Exil, der an Krebs erkrankt ist. Erzählt wird seine Geschichte aus der Ich-Perspektive seiner Nachbarin, die auf derselben Etage seines Mietshauses wohnt. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein: Er ein weltgewandter Geschäftsmann; sie eine Umweltaktivistin, die gegen die Abholzung des Quartierwäldchens kämpft.

Dennoch lernen sich die beiden besser kennen, und die Beziehung geht schon bald «über eine einfache Nachbarschaftsbeziehung hinaus». Allerdings wiederholt gebremst von beiderseitigen Versuchen, nicht zu viel Nähe zuzulassen.

Zur Annäherung trägt auch eine mehrjährige Pandemie bei. Immer öfter besucht die Nachbarin Sándor in seiner Wohnung, «als für uns wegen der weiteren Ausbreitung eines Virus die ersten Wochen physischen Gefangenseins und eingeschränkter Sozialkontakte begonnen hatten».

Sándors Zustand verschlechtert sich derweil. Er will das nicht wahrhaben und plant weiterhin seine für ihn sehr wichtigen Geschäftsreisen ins Ausland. «Fast als ob die Sonne, die ihn wärmte, nicht dieselbe sei, die auch die anderen wärmt, oder der Regen, der ihn durchnässte, nicht derselbe Regen.»

Die Leserin und der Leser fühlen mit, wenn die Nachbarin hin- und hergerissen ist zwischen reflektierter Distanz und Gefühlen grosser Fürsorge: «War es an mir, ihn darauf aufmerksam zu machen und zu versuchen, ihn auf den Boden der Realität zurückzuholen?» Auch das Alleinsein verbindet die beiden: «Man kann mein Leben einsam nennen. So wie dasjenige des Mannes, der nicht sterben wollte.» Und allmählich wandelt sich etwas im Innern beider.

Erzählt wird dieser Prozess in 45 kurzen Kapiteln. Der gesamte Roman ist ein Gedankenstrom der Ich-Erzählerin, die immer wieder in langen, mäandernden Sätzen über Grundsätzliches im Leben reflektiert: Sinn, Einsamkeit und Freundschaft.

Die Autorin Lovey hat ihrem Roman ein Zitat des ungarischen Autors Sándor Márai vorangestellt, und mit dem Vornamen ihres Protagonisten spielt sie ebenfalls auf diesen Autor an, dessen Literatur Antworten auf genau diese Themen sucht.

Auch wenn die Geschichte von jenem Mann, der nicht sterben wollte, gerade nicht endet im Sinn von «... und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende», so bleibt doch der Eindruck von Akzeptanz und Dankbarkeit für all das Schöne, das war.*

*Dieser Text von Young-Sim Song, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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