Reverse Takeover: Börsengang durch die Hintertür
Ein Börsengang muss nicht immer durch einen klassischen IPO erfolgen. Eine Abkürzung bietet der so genannte Reverse Takeover. Dabei übernimmt ein bislang privates Unternehmen wirtschaftlich die Kontrolle über eine bereits börsenkotierte Gesellschaft.

Ein aktuelles Beispiel sind Perrot Duval und Infomaniak. Der Schweizer Cloud-Anbieter will über die seit 1905 kotierte Perrot Duval Holding an die SIX gelangen. Am (heutigen) Donnerstag haben die Perrot Duval-Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung diesem Schritt zugestimmt – auch für die Namensänderung in Infomaniak SA. Vorbehaltlich der Genehmigungen der SIX ist nun ein zügiger Handelsstart der neuen Aktien bereits in eine Woche geplant.
Bereits durchgeführt haben diesen Prozess die ehemalige Hochdorf-Gesellschaft HT5 und Centiel. Sie fusionierten im April 2026. Die bisherigen Centiel-Aktionäre erhielten damit die Mehrheit der Aktien der kotierten Gesellschaft, seit Mitte April wird nun Centiel an der SIX gehandelt.
Insgesamt bietet dieser «Shortcut» an die Börse viele Vorteile. Gegenüber einem klassischen IPO kann ein Reverse Takeover, kurz RTO, schneller und auch kostengünstiger sein. Auch ist der Prozess weniger von den herrschenden Marktbedingungen und der Platzierungsbereitschaft institutioneller Investoren abhängig.
Automatisch einfacher ist ein RTO aber nicht. So kann die Suche nach einem passenden Börsenmantel, die rechtliche und finanzielle Prüfung sowie die Strukturierung der Transaktion aufwendig sein. Zudem muss das Unternehmen auch bereit für den Kapitalmarkt und die Anforderungen mit Blick auf Rechnungslegung und Information der Investoren sein. Ein klassischer IPO bringt zudem unmittelbar neues Kapital ein, was über ein RTO nicht der Fall ist.






