«Rattenplage kommt»: Liestal BL kämpft mit Müll-Chaos
Seit dem 1. Februar bleiben in Liestal BL Abfallsäcke mit alten Marken stehen. In Quartieren und auf Facebook kocht Der Ärger hoch.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit 1. Februar sind in Liestal nur noch die neuen Gebührenmarken gültig.
- Falsch frankierte Säcke werden stehen gelassen und mit einem orangen Kleber markiert.
- In einer Facebook Gruppe wird heftig diskutiert, manche fordern Kulanz, andere Härte.
«Muss man sich dann nicht wundern, wenn es wieder zu einer Rattenplage kommt.» Der Kommentar in einer Liestaler Facebook-Gruppe trifft einen Nerv.
Seit der Umstellung auf neue Gebührenmarken bleiben in Liestal BL Abfallsäcke liegen. Manche werden aufgerissen, Müll verteilt sich am Strassenrand, Containerplätze sehen plötzlich aus wie Problemzonen.

Die Stimmung kocht. In der Gruppe wird geschimpft, gespottet und gestritten. Die einen finden die Linie kleinlich. Andere werfen den Betroffenen Schludrigkeit vor und sagen, wer die Regeln missachtet, sei selber schuld.
Stadt erklärt den Auslöser und die harte Regel
Die Stadt Liestal sagt auf Anfrage von Nau.ch, das Problem habe einen klaren Grund.
«Seit 1. Februar sind nur noch die neuen Marken gültig.» Ab diesem Datum würden Säcke mit alten Marken nicht mehr mitgenommen.
Stattdessen gilt laut Stadt: «Seither werden die Säcke mit den alten Marken mit einem orangen Kleber versehen. Er weist darauf hin, dass der Sack nur mit einer gültigen Marke mitgenommen wird.»
Wie häufig das passiert, zeigt ein Blick in die Zahlen. «Von den über 7300 Haushaltungen haben in der ersten Woche gut 320 keine oder eine alte Marke verwendet.»
Auch beim Grüngut kämpft man noch mit der alten Verordnung. Die Stadt spricht hier von 46 stehengelassenen Containern in der ersten Woche, Tendenz abnehmend.
Online knallt es, Härte gegen Kulanz
In der Facebook-Gruppe bleibt die Stimmung trotzdem angespannt.
Eine Nutzerin schreibt: «Man müsste auch nicht so kleinlich sein seitens derer, die den Abfall einsammeln. Einfach mitnehmen statt aussortieren. Ist ja wie im Kindergarten...»
Andere halten dagegen und finden, wer falsch frankiere, solle die Konsequenzen tragen. Ein Nutzer schreibt: «Abfallsäcke mitnehmen und den Verursachern eine Rechnung stellen.»
Sonderfall sorgt für neuen Ärger, Stadt hat keine Lösung
Besonders viel Frust gibt es über Säcke, auf denen zwei alte Marken kleben. Denn: In den Kommentaren heisst es, das entspreche preislich ungefähr der neuen Marke.
Eine Nutzerin schreibt auf Baslerdeutsch: «Ich finde es himmeltraurig, dass sogar Säcke nicht mitgenommen werden, die zwei der alten Marken drauf hatten. Das entspricht ja dem Preis einer neuen.»
Die Stadt hält gegenüber Nau.ch fest: «Eine Regelung in diesem speziellen Fall wurde keine getroffen.»
Umtausch im Rathaus, Zeitdruck gibt es laut Stadt keinen
Wer alte Marken übrig hat, kann sie aber umtauschen. Die Stadt schreibt: «Die alten Marken können am Empfangsschalter im Rathaus umgetauscht werden.»
Und sie betont: «Man kann die alte Marke auch noch nächsten Monat oder Ende 2026 oder auch später umtauschen. Da besteht kein Druck.»
Warum der Umtausch nicht bei Verkaufsstellen möglich ist, begründet die Stadt so: «Beim Umtausch muss eine Verbuchung mit einer Einnahme und einer Ausgabe, also eine Gegenverrechnung stattfinden. In den Verkaufsstellen ist diese Verrechnerei mit der städtischen Abfallkasse nicht möglich.»
Keine neue Übergangsfrist, sonst fühlen sich andere geprellt
Eine zusätzliche Kulanzlösung will Liestal nicht. «Die Stadt hat bereits alle Haushalte informiert.»
Und Liestal begründet den harten Schnitt so: «Wenn die Stadt nun die Übergangsfrist ausdehnt, riskiert sie, dass sie unglaubwürdig wirkt.»
Zudem verweist sie auf die Solidarität im System. «Viele der ca. 7000 Haushaltungen, welche sich um neue Marken bemüht haben und damit das solidarische System stützen, fühlen sich dann geprellt.»
Was passiert mit den Säcken, die liegen bleiben
Die Stadt sagt, viele Betroffene reagierten rasch. «Die meisten Säcke werden von den Sackbesitzern zurückgeholt und mit einer gültigen Marke versehen.» Gleichzeitig räumt sie ein, dass nicht alle das tun. «Andere werden weiterhin stehen gelassen.»
Wer solche Fälle sehe, könne sich bei der Stadt melden.

















