Putzfrau: «ich will nicht, dass jemand noch einmal so etwas erlebt»

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Im Fall um mutmasslich ausgebeutete Putzfrauen in der Nobelferienregion Gstaad BE hat am Montag auch eine der klagenden Putzfrauen vor Gericht in Thun ausgesagt. «Ich möchte nicht, dass jemand nochmals so etwas erlebt», begründete sie ihre Motivation zur Klage.

Putzfirma
Im Fall um mutmasslich ausgebeutete Putzfrauen in der Nobelferienregion Gstaad BE hat am Montag auch eine der klagenden Putzfrauen vor Gericht in Thun ausgesagt. - pexels

Vor Gericht steht ein Paar und eine Tochter, die zwischen 2014 und 2020 in Gstaad Dutzende Frauen aus Serbien als Haushalts- und Putzkräfte ausgebeutet haben sollen. Menschenhandel, Wucher, Drohung und weitere Delikte werden der ebenfalls aus Serbien stammenden Familie vorgeworfen.

Sie habe in ihrer Gstaader Zeit vor allem mit der Mutter zu tun gehabt, schilderte die Privatklägerin am Montag vor Gericht. Diese verstehe sich als «grossartige Person», die alles richtig mache, ganz im Gegensatz zu allen anderen, die alles falsch machen würden.

Die Mutter habe sie immer wieder als nichts wert und unnütz beschimpft und wie einen Menschen zweiter Klasse behandelt. Der Mann habe sie korrekt behandelt. Die Tochter habe sie in ihrer Zeit in Gstaad nicht kennengelernt.

Sie habe bis heute Angst vor der Familie, namentlich vor der Mutter. Denn diese lebe in einer serbischen Stadt, die nicht allzu weit von ihrem Wohnort entfernt sei. Die Familie habe auch versucht, ihre Telefonnummer ausfindig zu machen, erzählte die Frau.

Die generelle Angst, Arbeit nicht gut genug zu machen, verfolge sie bis heute und sie frage an ihrer neuen Stelle immer wieder nach, ob alles korrekt sei. Beim kleinsten Hinweis auf einen Fehler habe sie Herzrasen und beginne zu zittern. Sie sei psychisch angeschlagen, schilderte die ehemalige Gstaader Putzkraft.

Für das Angebot in Gstaad habe sie sich entschieden, weil sie sich in einer finanziellen Notlage befunden habe. Soweit sie sich erinnere, seien ihr tausend Franken Lohn versprochen worden. Geld habe sie keines gesehen, nachdem sie die Stelle verlassen habe.

Kommentare

Weiterlesen

gratis
78 Interaktionen
«Gratis»
gotthard
26 Interaktionen
Auffahrt

MEHR AUS STADT BERN

Kapo Bern
4 Interaktionen
Bern
2 Interaktionen
Menschenrechte?