Psychiater kritisiert «Übergriff der Politik auf Medizin»

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Zürich,

Der Psychiater und Politiker David Garcia Nuñez kritisiert scharf die Forderungen der Zürcher Gesundheitsdirektion zu Trans-Jugendlichen.

Trans-Jugendliche
Psychiater und Politiker David Garcia Nuñez lehnt die Forderungen der Zürcher Gesundheitsdirektion zu Trans-Jugendlichen ab. (Archivbild) - dpa

Der Psychiater und Politiker David Garcia Nuñez hat kein Verständnis für die Forderungen der Zürcher Gesundheitsdirektion zu Trans-Jugendlichen. Im Gespräch mit Keystone-SDA hat er Stellung genommen und kritisiert Natalie Rickli scharf.

David Garcia Nuñez ist «schockiert» von Ricklis Plänen. Er habe noch nie einen solchen Übergriff seitens der Politik auf die Medizin erlebt, sagte er gegenüber Keystone-SDA. Der Leiter des Innovations-Focus Geschlechtervarianz in Basel ist spezialisiert auf Geschlechtsinkongruenz bei Personen ab 18 Jahren.

Hier werde eine gesundheitspolitische Massnahme aufgrund eines juristischen Gutachtens gefordert. «Die Politik sollte keine Medizin machen. Wir sind an einem problematischen Punkt angekommen, wenn wir das zulassen», sagt er. Das der Forderung nach einem Verbot zugrunde liegende Gutachten sage nichts über die Wirksamkeit von Geschlechtsanpassungen oder Pubertätsblockern bei Jugendlichen aus.

Kritik an medizinethischer Praxis

Geschlechtsanpassungen bei Minderjährigen seien nur eine verschwindend kleine Zahl in der Schweiz. Doch Rickli nehme diese als Sprungbrett, um Hormonbehandlungen de facto zu verbieten. «Ein Forschungszwang bei Pubertätsblockern ist medizinethisch bedenklich», sagt Garcia Nuñez. Wenn eine medizinische Institution so etwas machen wollte, wäre das ein regelrechter Skandal.

Die Gesundheitsdirektorin positioniere sich ideologisch auf dem Rücken einer Bevölkerungsgruppe, die sich nicht wehren könne. «Frau Rickli kennt wohl keine Trans-Jugendlichen», meint der Psychiater, der auch für die AL im Zürcher Stadtparlament politisiert. Nur die Hand zu halten oder Psychotherapien durchzuführen, reiche eben nicht. Zumal solche reparativen Behandlungen zunehmend verboten würden, auch in Zürich.

Der Leidensdruck sei gross. Wenn die Jugendlichen 18 würden, kämen wohl nur noch Hormone infrage. «Die Zeit für Gespräche ist dann vorbei». Das zeige etwa das Beispiel England, wo das jahrelange Hinhalten zum Problem geworden sei.

Garcia Nuñez fordert mehr Unterstützung

Garcia Nuñez macht sich auch Sorgen um die körperliche Versehrtheit von Jugendlichen in solchen Situationen. Die Gesundheitsdirektion müsste diesen beistehen, meint er.

Nicht zuletzt stört sich der Psychiater am Eingriff in Fragen der sexuellen Gesundheit der Jugendlichen. Eine 16-Jährige dürfe einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen oder die Pille in der Apotheke holen, sagt er zum Vergleich. «Will Frau Rickli das etwa auch verbieten?», fragt Garcia Nuñez.

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Kommentare

User #4098 (nicht angemeldet)

Mehr und mehr beschleicht mich das Gefühl, dass wir wieder in den Zeiten der Zwischenkriegszeit leben. Es scheint fast so, als ob die Vorbereitungen für ein 100-jähriges globales Jubiläum in vollem Gange sind: 2033. Werden wir dann in den Jahren 2039 bis 2045 eine weitere harte Lehre lernen? Und werden wir dann im Jahr 2045 wieder unsere harte Lehre gelernt haben, um alles neu aufzubauen? Oder wird es dann nichts mehr zu reparieren geben und es wird wirklich vorbei sein? Die Parallelen sind überall. Es sieht schlecht aus.

User #3172 (nicht angemeldet)

Richtig so, Frau Rickli. Dieser Modetrend bei Jugendlichen muss aufhören. Ab 18 können sie selber bestimmen. Ausserdem müsste nach meiner Ansicht dies selber bezahlt werden.

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