Postauto

    Postauto-Brand – Tochter von Kerzers-Täter: «Grausam und sinnlos»

    Vivian Balsiger
    Vivian Balsiger

    Murten,

    Nach der Tragödie von Kerzers FR lässt Nathalie W. (40) eine Frage nicht mehr los: Ist der Täter Roger K. (65) ihr Vater?

    tragödie
    Als «grausam und sinnlos» beschreibt die Tochter des Kerzers-Täters die Tragödie. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein psychisch labiler Mann zündete sich am 10. März in einem Postauto in Kerzers an.
    • Dabei kamen er und fünf weitere Personen ums Leben.
    • Eine Tochter des Täters äussert sich nun erstmals.

    Am Abend des 10. März passiert in Kerzers FR das Unvorstellbare: Roger K., psychisch labil, übergiesst sich in einem Postauto mit Benzin – und zündet sich selbst an. Der gesamte Bus steht innert Sekunden in Vollbrand.

    Nebst dem Brandstifter verlieren fünf weitere Personen ihr Leben. Unter ihnen auch der Buschauffeur, eine junge Moderatorin von Energy Bern und ein 16-jähriger Junge.

    Während die Ermittlungen laufen und die Öffentlichkeit nach Erklärungen sucht, sucht eine 40-jährige Frau aus dem Aargau ebenfalls nach Antworten. Könnte der Täter Roger K. ihr Vater sein?

    Die Mutter von Nathalie W. ist erst 18 Jahre alt, als sie Roger K. kennenlernt. Er ist 23, Stammgast in der Kneipe, in der sie arbeitet.

    Die Beziehung entwickelt sich schnell, erklärt Nathalie W. dem «Blick». Nur neun Tage nach dem 19. Geburtstag der Mutter kommt Nathalie zur Welt. Roger K. ist damals 24.

    Die kleine Familie lebt zunächst gemeinsam in der Region Hallwilersee. Doch nicht lange. Zu instabil, zu geprägt von Drogen, Alkohol und Konflikten.

    Roger K. soll sich kaum gekümmert haben, während die Mutter arbeitete. Es kommt zu Spannungen, zu Eskalationen.

    Teil der Drogenszene

    In der Region wird er Teil der Drogenszene, häuft Schulden an, gerät immer wieder aneinander mit anderen. Sein Ruf eilt ihm voraus – man nennt ihn «Totenkopf-Roger».

    Nach der Trennung verschwindet er komplett.

    drogen
    Der Täter soll psychisch labil gewesen sein und mit Drogenproblemen gekämpft haben. - keystone

    Mit 21 wird Nathalie W. selbst Mutter – und will nun mehr über ihre Herkunft wissen, so «Blick».

    2009 kommt es tatsächlich zu einem Treffen mit ihrem Vater. Roger K. hat inzwischen geheiratet, den Nachnamen seiner Frau angenommen und lebt im Kanton Freiburg.

    Nathalie vermutet rückblickend: «Er schuldete so vielen Leuten Kohle, dass er das Geld und sich mit einem neuen Namen wohl etwas schützen wollte.»

    Einziges Treffen blieb distanziert

    Nathalie W. war damals 24 Jahre alt: «Ich habe ihn, seine Frau und deren Kinder – ein Mädchen und ein Junge – im Jahr 2009 das erste und letzte Mal gesehen.» Er erzählte, dass er gerade ein Methadon-Programm abgeschlossen hatte.

    Roger habe freundlich, aber verschlossen gewirkt. Über seine Vergangenheit sprach er mit ihr kaum. «Mit seinen zwei Kindern ging er aber sehr liebevoll um», so Nathalie W.

    Beim gemeinsamen Spaziergang zog er seine Mütze tief ins Gesicht. «Fast so, als ob er befürchtete, jemand würde ihn erkennen», erinnert sie sich.

    Danach blieb der Kontakt lose, sporadisch. Eine echte Vater-Tochter-Beziehung entsteht nie.

    Fast vergessen

    Die Jahre vergehen. Der Vater rückt in den Hintergrund – fast vergessen. Bis zur Tragödie von Kerzers.

    Als Nathalie später den Familienschein in den Händen hält, kippt alles: Neben dem Namen ihres Vaters steht sein Todesdatum – genau der Tag der Katastrophe.

    Sollte das Schweizer System verbessert werden, um Menschen früher aufzufangen und besser zu unterstützen?

    Die Gewissheit trifft sie hart «Das Schicksal dieser Menschen geht mir sehr nahe. Was mein Erzeuger getan hat, ist einfach grausam und sinnlos. Fünf goldene Seelen wurden ihres Lebens beraubt – all ihre Hoffnungen einfach weg, für immer.»

    Insgeheim wünsche sie sich, jemand hätte Roger K. vorher «aufgefangen», so Nathalie W. «Unser System sollte besser werden, wir sollten Menschen eher helfen können.»

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #1618 (nicht angemeldet)

    Ja ich gebe der Tochter Recht Das das zu Vergindern gewesen wäre Sie hat das Mehrmals gemeldet der Polizei Das Übliche Die Polizei hört nicht zu Halten die Person Für unzurechnungsfähig Kognetiv … Das hätte wahrscheinlich verhindert werden können Der Beamte wo Dienst hatte der Kann sich fragen warum habe ich nicht zugehört Das nützt weder den Menschen wo Verstorben sind noch den Hinterbliebenen

    User #6276 (nicht angemeldet)

    Wann übernimmt endlich wieder jeder und jede die Verantwortung für sein Handeln und schiebt nicht immer alles auf die anderen. Und wie währs wenn alle mal vor der eigenen Tür wischen würden!

    Weiterlesen

    Postauto Kerzers
    Busbrand
    Kerzers
    1 Interaktionen
    Feuer-Tragödie
    Kerzers-Tragödie

    MEHR POSTAUTO

    1 Interaktionen
    Winterthur
    Unfall Niederuzwil
    6 Interaktionen
    Niederuzwil SG
    Willerzell SZ
    6 Interaktionen
    Willerzell SZ

    MEHR AUS FRIBOURG

    1 Interaktionen
    Kerzers FR
    Käse Schweiz Cheese
    1 Interaktionen
    Freiburg