Polizei kritisiert: Banken kooperieren bei Cyber-Betrügern zu wenig

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Neuchâtel,

Cyberbetrug nimmt massiv zu. Doch den Banken scheint das nicht so wichtig zu sein. Sie würden bei der Aufklärung zu wenig kooperieren, kritisiert die Polizei.

Als Chloé die Bank kontaktiert, sagt diese ihr lediglich, es sei schon zu spät. Die Polizei sieht das anders. - screenshot SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Maschen der Cyberkriminellen werden immer dreister. Viele fallen darauf rein.
  • Meist wird rasch viel Geld vom Konto abgezogen.
  • Banken bleiben zu passiv, so die Kritik von Experten.

Einst wurden vor allem ältere Personen mangels Wissen Opfer von Cyberbetrug – heute trifft es auch gut informierte, junge Leute.

Denn die Betrüger vermehren sich, gehen immer dreister und schneller vor, entwickeln stets andere Maschen.

Opfer ist etwa die junge Lehrerin Chloé aus dem Kanton Neuenburg. Ihr wurden 15'000 Franken von ihrem Konto abgezwackt, wie der SRFKassensturz» berichtet.

Cholé will via Facebook eine Jacke verkaufen. Da erhält sie einen Anruf eines vermeintlichen Kreditkartenfirma-Mitarbeiters. Sie müsse den Verkauf der Jacke auf ihrer Bank-App per QR-Code absichern.

Sie tut dies und stellt im selben Moment schockiert fest: Ihr Konto wird leergeräumt. Sie ruft sofort die Bank an – doch offenbar ist nichts mehr zu machen. Denn diese sagt ihr lediglich, sie müsse Anzeige erstatten.

Polizei: «Banken weigern sich»

Steven Bill von der Abteilung für Cyberkriminalität der Kantonspolizei Neuenburg kritisiert das Vorgehen der Banken scharf. Sie würden zu wenig mit der Polizei zusammenarbeiten.

«Die Banken weigern sich oft, mit uns zu kooperieren. Wir seien nicht die richtige Stelle, um eine Kontosperrung zu beantragen.»

Dabei zähle jede Minute. Denn sobald die Zahlung raus sei, laufe der Geldwäsche-Prozess. «Wir brauchen die Hilfe der Banken», so Bill.

Bist du schon mal Opfer von Cyberbetrug geworden?

Richard Hess von der Bankiervereinigung Swiss Banking kann diesen Vorwurf «nicht ganz nachvollziehen», wie er gegenüber dem Sender sagt. Denn Banken würden auf einer «täglichen Basis» mit Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten.

Auch auf strategischer Ebene findet regelmässig ein Austausch statt, beteuert er. Dennoch räumt Hess ein: «Bei der Geschwindigkeit sehen wir sicher Handlungsbedarf.» Dies aber nicht nur in der Bankenbranche, sondern generell.

Kommentare

User #9005 (nicht angemeldet)

Auch in dringenden Fällen, oder bei Rückfragen, und Ermittlunngen, finden auch andere Instanzen, dann nur ein TonBändli eingeschaltet, welche bitte auf eine digitale Kontaktaufnahme hindeutet. Bei grossen Konzernen.

User #6511 (nicht angemeldet)

Hinzu kommt, dass die Banken die Kunden regelrecht immer mehr dazu zwingen, dass man die blöden Apps nutzen muss, mit blöden Tricks von Softwares ihres online-bankings, das auf gewissen Computern "nicht kompatibel" ist = die Kunden sind damit direkt erpresst und müssen die dummen Apps downloaden. Somit müssten diese Banken die Verantwortung übernehmen, wenn so etwas passiert wie dieser Kundin.

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