Madame Malevizia* ist Pflegefachfrau in einem Akutspital. Sie fordert rasche Unterstützung und schlägt Alarm. «Viele von uns werden traumatisiert sein.»
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Madame Malevizia ist Pflegefachfrau in einem grossen Schweizer Akutspital. - zvg/Eve Kohler

Das Wichtigste in Kürze

  • Madame Malevizia (42) ist Pflegefachfrau in einem grossen Schweizer Akutspital.
  • Sie appelliert an die Behörden für mehr Unterstützung – auch im psychischen Bereich.
  • Viele Pflegefachleute würden traumatisiert aus der zweiten Corona-Welle rausgehen.

«Für mich ist Pflegefachfrau nach wie vor der schönste Beruf der Welt.» Diese Worte aus dem Mund von Madame Malevizia erstaunen. Die 42-Jährige arbeitet auf einer grösseren chirurgischen Station und hat bewegte Corona-Monate hinter sich. «Wir haben nicht mehr wirklich viel Schnauf.»

Ihren bürgerlichen Namen möchte sie wegen ihrem Arbeitgeber nicht in der Presse lesen. Madame Malevizia absolviert nur Nachtschichten und bewältigt ein 60-Prozent-Pensum. Das entspricht neun bis zehn Nächten pro Monat.

Die erste Corona-Welle habe die Deutschschweiz nicht so hart getroffen wie andere Landesteile. Im Gegensatz dazu sei jetzt die Intensiv-Pflegestation schon seit Wochen nahezu voll. «Wir können unsere Patienten erst verlegen, wenn sie kurz vor der Reanimation sind.»

Madame Malevizia
In ihrer Rolle als Madame Malevizia kämpft die langjährige Pflegefachfrau für eine Verbesserung in ihrem Beruf. - zvg/Eve Kohler

Unterstützung durch das Militär

Auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung stellt Madame Malevizia Unterschiede fest. «Im Frühling hatten wir mehr Unterstützung. Das bricht nun vollkommen weg.»

Die langjährige Pflegefachfrau bemerkt das in ihrem Blog, den sie seit 2016 betreibt. Kommentare wie «tut nicht so, es ist doch alles gar nicht so schlimm» hätte es in der ersten Welle niemals gegeben, ist sie überzeugt.

Dass der Bundesrat mit den getroffenen Massnahmen die Fallzahlen reduzieren will, sei der eine Punkt. «Noch wichtiger wäre jetzt, dass wir Unterstützung bekommen und entlastet werden.»

Madame Malevizia denkt da an das Militär. Dieses könnte zu den Pflegefachkräfte nach Hause. «Uns zum Beispiel mit Lebensmitteln versorgen oder an den Arbeitsplatz fahren, damit wir uns länger erholen können», schlägt sie vor.

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Aktuell befinden sich rund 250 Angehörige der Armee in vier Kantonen (BS, SH, VD und TI) im Assistenzdienst zur Unterstützung des zivilen Gesundheitswesens. - Keystone

Die physische Unterstützung sei das eine, das andere die psychische Unterstützung. «Wir sind emotional erschöpft. Man ist ständig in Sorge um die Menschen auf der Station, das geht nicht spurlos an einem vorbei.»

Verluste durch traumatisierte Pflegefachpersonen

Madame Malevizia hat sich selber psychologische Betreuung geholt, weil sie diese schon immer in Anspruch nahm. Dies würden aber längst nicht alle Pflegefachkräfte machen. «Ich nehme da auch den Staat in die Verantwortung. Es bräuchte Care-Teams, die einfach für uns da sind.»

Sie zeichnet ein düsteres Szenario. «Ich möchte nicht wissen, wie viele Pflegefachleute traumatisiert aus dieser Welle herausgehen.» Diese Thematik werde unterschätzt. «Das werden Verluste sein. Traumatisierte Menschen werden nicht weiter in der Pflege arbeiten.»

Madame Malevizia will auch in dieser schwierigen Zeit weiterkämpfen. Sie sei beruflich angetreten, um für Menschen da zu sein. «Ich will erst vom Pflegebett weg, wenn ich alles versucht habe, um die Situation zu verändern.»

*Name der Redaktion bekannt

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