Neuer Tarif: Probleme mit Rechungen – Spitälern könnte Geld ausgehen
Viele Spitäler verschicken wegen der Tarifumstellung derzeit kaum ambulante Rechnungen. Das bringt Krankenkassen unter Druck.

Das Wichtigste in Kürze
- Wegen Problemen mit dem neuen Tarifsystem verschicken viele Spitäler kaum Rechnungen.
- Den Krankenkassen fehlen dadurch wichtige Daten für die Prämienberechnung 2027.
- Bleiben Rechnungen länger aus, könnten einzelnen Spitälern Liquiditätsprobleme drohen.
Der neue ambulante Ärztetarif sorgt im Schweizer Gesundheitswesen für unerwartete Nebenwirkungen. Weil viele Spitäler ihre Rechnungen derzeit noch nicht verschicken können, geraten sowohl Krankenkassen als auch Spitäler zunehmend unter Druck.
Konkret geht es um ambulante Leistungen. Also kleinere Eingriffe ohne Übernachtung oder Behandlungen im Notfall. Obwohl diese Leistungen weiterhin erbracht werden, stellen zahlreiche Spitäler dafür aktuell kaum Rechnungen aus.
Der Grund liegt in der Einführung des neuen Tarifs Tardoc Anfang 2026, wie die «CH Media»-Zeitungen berichten. Über dieses System werden jährlich ambulante Behandlungen im Wert von rund 13 Milliarden Franken abgerechnet.
Spitäler kämpfen mit der Umstellung auf Tardoc
Vor allem Spitäler kämpfen offenbar mit der Umstellung. Arztpraxen seien bei der Rechnungsstellung grösstenteils bereit, sagt Helsana-Chef Roman Sonderegger. Viele Spitäler dagegen seien trotz langer Vorbereitungszeit «noch nicht parat».
Diese Einschätzung wird in der Krankenkassenbranche weitgehend geteilt. Der Spitalverband H+ widerspricht jedoch teilweise.

Sprecherin Dorit Djelid verweist auf die Komplexität der Tarifumstellung und betont, «dass der Zeitrahmen für die Umsetzung sehr knapp war».
Man wisse von einzelnen Spitälern, die bereits Rechnungen verschicken könnten. Und: «Von anderen Spitälern wissen wir, dass sie in den nächsten 1-2 Wochen mit der Fakturierung starten werden.»
Fehlende Daten erschweren Planung bei den Krankenkassen
Fakt ist: Aus vielen Spitalambulatorien kommen derzeit kaum Rechnungen. An den tatsächlichen Gesundheitskosten ändert das zwar nichts. Die Leistungen müssen später dennoch bezahlt werden, von den Prämienzahlenden und der öffentlichen Hand.
Kurzfristig sorgt der Rechnungsstau jedoch für Unsicherheit bei den Krankenkassen. Sie orientieren sich bei der Berechnung der Prämien fürs Folgejahr stark an der aktuellen Kostenentwicklung. Doch genau diese Daten fehlen momentan.
«Die Kostenentwicklung für 2026 kann erst abgeschätzt werden, wenn genügend Rechnungsvolumen aus den ersten Monaten vorliegt.» Das sagt Christophe Kaempf vom Krankenkassenverband Prioswiss den Zeitungen. «Aktuell ist dies noch nicht möglich.»
Bis Ende Juli müssen die Versicherer ihre Prämien für 2027 beim Bundesamt für Gesundheit einreichen. Falls die Rechnungsdaten bis dahin weiterhin fehlen, könnten die Kassen auf Schätzungen ausweichen.
Den Spitälern fehlt Geld in der Kasse
Neben den Versicherern geraten auch die Spitäler selbst unter Druck. Denn ohne Rechnungen fehlt ihnen Geld in der Kasse.
Ob daraus tatsächlich Liquiditätsprobleme entstehen, hängt laut Kaempf davon ab, wie rasch die nötigen Softwareanpassungen umgesetzt werden können.
Ganz ohne Einnahmen sind die Spitäler allerdings nicht: Stationäre Behandlungen können weiterhin normal abgerechnet werden, da sie von der Tarifumstellung im ambulanten Bereich nicht betroffen sind.
Die Hoffnung in der Branche ist dennoch, dass sich die Lage bald normalisiert. «Wir hoffen, dass die Rechnungen ab Ende März kommen und sich die Situation so entschärft», sagt Helsana-Chef Sonderegger.
Sollten Spitäler jedoch länger keine Rechnungen stellen können, könnten laut Experten bereits im April erste finanzielle Engpässe auftreten. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass dann irgendwer Bank spielen muss», sagt Sonderegger.
In erster Linie sieht er die Eigentümer der Spitäler in der Verantwortung – also Kantone und Gemeinden. Dennoch könnten auch die Versicherer Teil einer Lösung werden.











