Neue Swiss-Destinationen: Nachfrage bleibt vorerst verhalten
Posen und Rijeka sind neu im Swiss-Flugplan ab Zürich. Recherchen legen nahe, dass auf beiden Strecken vorerst noch viele Plätze leer bleiben.

Das Wichtigste in Kürze
- Swiss bedient neu Posen und bald Rijeka, doch der Buchungsstart wirkt verhalten.
- Sitzpläne deuten auf viele freie Plätze und tiefe Frühbuchungen hin.
- Swiss sagt dennoch: Die Nachfrage entspreche auf beiden Strecken den Erwartungen.
Mit Posen und Rijeka hat die Fluggesellschaft Swiss im laufenden Jahr zwei neue Destinationen ab Zürich ins Programm aufgenommen. Die polnische Messestadt wird seit Ende März bedient, die kroatische Hafenstadt folgt im Juli.
Von einem Run auf die neuen Ziele kann derweil noch keine Rede sein. Recherchen von Nau.ch deuten darauf hin, dass die Buchungslage auf beiden Strecken bislang verhalten ausfällt.
Sitzpläne zeigen viele freie Plätze
Grundlage dafür sind Sitzpläne aus dem Vielflieger-Tool Expertflyer, das laut eigenen Angaben Echtzeit-Daten aus den globalen Reservierungssystemen der Fluggesellschaften abruft.
Die Sitzpläne erlauben zwar keinen exakten Rückschluss auf die definitive Auslastung, sondern zeigen die zu einem bestimmten Zeitpunkt sichtbare Sitzbelegung. Sie sind also eher ein Indikator für die aktuelle Buchungslage als ein präziser sogenannter Load-Factor-Messer.
Trotz dieser Einschränkung ergibt sich ein ungefähres Bild. Auf zehn ausgewerteten Zürich-Posen-Flügen zwischen dem 9. und 30. April lag die sichtbare Belegung im Durchschnitt bei lediglich 15 Prozent. Die Daten wurden am 7. April erhoben.
Auf der Vergleichsstrecke nach Krakau waren es an nahezu denselben Daten 28 Prozent – immerhin fast doppelt so viel.
Besonders interessant ist der 9. April: Zwei Tage vor Abflug zeigte der Expertflyer-Sitzplan nach Posen eine Auslastung von 21 Prozent an, jener nach Krakau 51 Prozent.
Auch nach Rijeka gibt es gemäss dem kostenpflichtigen Online-Tool noch viele freie Plätze. Auf neun ausgewerteten Juli-Flügen lag die provisorische Belegung im Schnitt bei 19 Prozent. Auf der Vergleichsstrecke nach Brindisi sind es immerhin 26 Prozent.
Wegen des langen Buchungsvorlaufs bis Juli sind diese Werte allerdings nur bedingt aussagekräftig.
Swiss: «Auslastung steigt schrittweise»
Swiss widerspricht dem Eindruck einer schwachen Nachfrage. Sprecherin Meike Fuhlrott erklärt gegenüber Nau.ch: «Die bisherige Buchungs- und Nachfrageentwicklung auf der neuen Strecke Zürich–Posen entspricht grundsätzlich unseren Erwartungen.» Dasselbe gelte für Rijeka.
Bei einer neuen Verbindung sei es üblich, «dass die Auslastung zunächst schrittweise steigt, während sich die Strecke etabliert». Zudem könne die Nachfrage je nach Wochentag variieren.
Swiss betont weiter, dass für die kommerzielle Beurteilung einer Strecke nicht nur die Auslastung, sondern auch «ertragsbezogene Kennzahlen» betrachtet würden. Gemeint sind etwa der Umsatz pro Sitzkilometer oder der Anteil von Economy- und Business-Class-Passagieren.
Und schliesslich sei auch die Buchungslage sehr dynamisch, sagt Fuhlrott: «Insbesondere auf Kurzstrecken innerhalb Europas erfolgen Buchungen häufig auch kurzfristig, teilweise noch innerhalb von 24 bis 48 Stunden vor Abflug.»
Die von Expertflyer veröffentlichten Zahlen seien Swiss bekannt, so die Sprecherin. «Sie stimmen jedoch nicht mit unseren eigenen Daten überein.» Die tatsächlichen Auslastungszahlen gibt die Airline aus Wettbewerbsgründen nicht preis.
Doch selbst wenn sie dreimal so hoch sind, wie die Expertflyer-Sitzpläne zeigen – Der Flieger wäre noch immer halb leer.











