Am Donnerstag lancierte das Satiremagazin «Nebelspalter» sein Onlineportal. Chefredaktor Markus Somm wil damit ein drittes bürgerliches Medium aufbauen.
Markus Somm Nebelspalter
Neues Zeitalter für den «Nebelspalter». Das Satiremagazin wird zum Online-Medium. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Donnerstag startete das Satiremagazin «Nebelspalter» als Online-Medium.
  • Chefredaktor Markus Somm will ein drittes bürgerliches Medium aufbauen.
  • Die zwei Redaktionen Print und Online sollen schnell zusammengeführt werden.

Der «Nebelspalter» unter der Winterthurer Klarsicht AG werde eine klare bürgerliche Haltung einnehmen. Er soll somit «grenzenlose intellektuelle Grosszügigkeit gegenüber dem Andersdenkenden» mitbringen. Dies erklärte Markus Somm in einem Interview zum Neustart mit dem Online-Medienmagazin persoenlich.com.

Er wolle Satire und seriöse Inhalte erfolgreich verbinden, wie sein Vorbild, der «Canard enchaîné» in Paris. «Nicht-satirische Beiträge werden bei uns auch vorkommen und nicht zu wenig.» Dies sagte der ehemalige Chefredaktor und Verleger der Basler Zeitung in einem Interview mit Radio SRF 4 News Anfang Dezember.

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Markus Somm ist Chefredaktor und Mitinhaber des Satiremagazins «Nebelspalter». - Keystone

Was die Leserinnen und Leser am Donnerstagmorgen ab 7 Uhr auf nebelspalter.ch erwartet, wollte Somm gegenüber persoenlich.com nicht verraten. Es sei ihm gelungen, eine gute Mischung von erfahrenen, prominenten Kräften und jungen Wilden zusammenzustellen; insgesamt «Leute mit starken Nerven».

Die publizistische Hauptkonkurrenz sieht Somm im «langweiligen, konformistischen, einseitigen, linksliberalen und linken Mainstream», der in fast allen Schweizer Redaktionen vorherrsche. Zu viele Journalisten seien von einer Art «Seuche der Denkfaulheit» angesteckt. Dies lasse sie nur noch als Angsthasen und Strukturkonservative funktionieren.

«Nebelspalter» lanciert Onlineportal

Wenn sich im gesellschaftlichen Diskurs eine gewisse Neigung zur Zensur ausbreite, dann sei das für Satiriker eine «extreme Chance». Dies sagte er im Radio-Interview. Somm will den «Nebelspalter» als drittes bürgerliches Medium neben der «NZZ» und der «Weltwoche» etablieren.

Allerdings spricht er gleichzeitig auch von einem «Himmelfahrtskommando». Er schliesse nicht aus, dass es den «Nebelspalter» in fünf Jahren vielleicht schon nicht mehr gebe. Das sei auch der Grund gewesen, dass er das Magazin unbedingt habe erwerben wollen: «Das zwingt uns zu Optimismus und zu Spitzenleistungen.»

Nebelspalter
Im Jahr 1875 erschien die erste Ausgabe des Magazins. - Keystone

Somm will sich zuerst auf die Onlineausgabe in Zürich konzentrieren. Dabei setzt er auf ein Abomodell, wie er letzten Dezember im Radio ankündigte. Die Printausgabe werde vorerst mehr oder weniger unverändert fortgesetzt und in Horn TG produziert.

Somm will nur noch einen Standort

Die beiden Redaktionen möchte Somm allerdings viel schneller zusammenführen als ursprünglich vorgesehen. Langfristig werde es nur noch einen Standort geben, und das werde Zürich sein.

Die Klarsicht AG wurde von Somm und anderen Investoren gegründet. Rund sechzig Investoren wollen «beträchtliche» Mittel einschiessen.

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Markus Somm Nebelspalter: Der Chefredaktor will künftig nur noch einen Standort in Zürich. - Keystone

Der bisherige Besitzer Thomas Engeli fungiert als Herausgeber und sitzt im Verwaltungsrat. Präsidiert wird dieser von Konrad Hummler. Die Redaktionsleitung ist bei Ralph Weibel, der Marco Ratschiller ablöst, der aber der Organisation erhalten bleibt.

Seine auflagestärksten Zeiten hatte der «Nebelspalter» in den 1970er und 1980 Jahren unter dem Löpfe-Benz-Verlag in Rorschach SG. Dies mit einer Auflage von bis zu 70'000 Exemplaren. Heute liegt die verkaufte Auflage laut neuesten verfügbaren Zahlen bei 21'000 Stück. Der Nebelspalter ist seit der Einstellung des englischen Punch (1841-2002) das älteste Satiremagazin der Welt.

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