NDB-Chef sieht Behörde trotz Engpässen auf gutem Weg
Mehr Aufgaben, mehr Druck, mehr Erwartungen, gleichbleibende Mittel: So beschreibt der neue Nachrichtendienstchef Serge Bavaud die Herausforderungen seiner Behörde. So lange nicht mehr Ressourcen bereitstünden, gelte es, zu priorisieren.

«Wir können nicht alles gleich schnell und gleich intensiv bearbeiten, auch wenn dies die erhöhte Bedrohungslage eigentlich erfordern würde», sagte Bavaud am Donnerstag in Bern anlässlich seiner Bilanzmedienkonferenz nach 118 Tagen oder rund vier Monaten im Amt. Alles in allem könne der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) aber seine gesetzlich festgeschriebene Arbeit erledigen. «Der NDB hat operativ immer funktioniert und geliefert», sagte er.
Mittel- und langfristig brauche es aber mehr Mittel – finanziell, personell und technologisch, sagte Bavaud. Die Anträge für mehr Ressourcen seien bei Verteidigungsminister Martin Pfister gestellt und begründet. Es brauche rund hundert Stellen mehr, gestaffelt über mehrere Jahre.
Damit diese Forderung bei der Politik und auch bei der Bevölkerung ankommt, brauche es Vertrauen, sagte Bavaud. Er wolle deshalb – so gut es geht – Transparenz schaffen. Die Partnerbehörden im Ausland hätten wegen der sich erheblich verschlechterten Bedrohungslage massiv aufgestockt. «Das Ausland und die Kantone erwarten mehr vom NDB», sagte er. Bis mehr Ressourcen Realität würden, arbeite er aber mit dem, was er habe.
Neben Mitteln von aussen brauche es zur frühzeitigen Erkennung von Bedrohungen auch Verbesserungen von innen, gab Bavaud zu bedenken. Und weiter: «Ende des Jahres will ich einen schlankeren, effizienteren Dienst mit klareren Strukturen.»
Die seit Jahren laufende Transformation im NDB will der neue Chef bis Ende 2026 abschliessen. Ziel sei es, dass die im Herbst geplante Mitarbeitendenbefragung positivere Ergebnisse liefert als die letzten.
Die Unzufriedenheit bei vielen Mitarbeitenden sei begründet gewesen, sagte Bavaud. Der Umbau des NDB sei notwendig, aber zu viel auf einmal gewesen. «Es wurden Fortschritte erzielt, aber die Behörde wurde überlastet», sagte er. Es gebe deutlich mehr Aufgaben als früher und mehr Intensität auf allen Feldern gleichzeitig. «Das erzeugt Druck.»
Um die Transformation des Dienstes zu einem guten Abschluss zu bringen, müssten intern Zuständigkeiten, Prozesse und Strukturen geschärft sowie die Führung und Steuerung gestärkt werden. Er wolle mit gutem Beispiel vorangehen, sagte Bavaud. «Wir kommunizieren intern wohl so viel und so direkt wie kaum eine andere Bundesbehörde», sagte er.
Für eine starke Gefahrenabwehr brauche es auch ein revidiertes Nachrichtendienstgesetz, hielt Bavaud fest. Die Vorlage sei auf gutem Weg. «Weitere Schritte werden folgen müssen.»
Auch die Zusammenarbeit mit Kantonen und Partnerbehörden, die in den vergangenen Jahren gelitten habe, ist laut dem NDB-Chef besser als auch schon. Das zeige die jüngste Kundenbefragung. «Die Resultate sind noch bescheiden, aber sie sind da», sagte er.
Er wolle in den nächsten zwölf Monaten die Partnerschaften weiter vertiefen, so Bavaud. Insgesamt ziehe er aber ein positives Fazit: «Das Team Schweiz für die innere Sicherheit funktioniert.»






