Tatort

    Nau.ch-Reporterin war kurz vor Amok-Fahrt noch an Tatort

    Rowena Goebel
    Rowena Goebel

    Italien,

    Die Tat erschüttert Italien: Am Wochenende ist ein Mann in der Stadt Modena gezielt in Passanten gerast. Eine Nau.ch-Reporterin war noch kurz vorher dort.

    Modena
    Eine Nau.ch-Reporterin war kurz vor dem Attentat noch in Modena unterwegs. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im norditalienischen Modena ist am Samstag ein Mann in eine Menschenmenge gerast.
    • Acht Menschen wurden verletzt, darunter eine deutsche Touristin.
    • Die Berner Nau.ch-Reporterin Rowena Goebel war noch kurz vorher vor Ort.

    Eben noch bin ich in Modena in den Ferien, geniesse die italienische Küche und die wunderschöne Architektur. Ich fühle mich die ganze Zeit sicher.

    Die Stadt – etwa so gross wie Basel – ist sauber, voller schöner Cafés und Boutiquen, die Leute sind freundlich. Armut oder Leid sieht man im Stadtzentrum kaum. Nicht einmal mit Kleinkriminalität würde man hier rechnen.

    Doch nur drei Tage später ist in Modena nicht mehr an Dolce Vita zu denken.

    Touristin aus Deutschland verliert beide Beine

    Ein psychisch gestörter Mann rast gezielt in eine Menschenmenge. Er verletzt acht Personen, zwei von ihnen so schwer, dass ihnen die Beine amputiert werden müssen. Eine davon ist eine Touristin aus Deutschland.

    Auf Bildern sehe ich, wie in der Stadt, die ich als so sicher erlebt habe, Blutlachen auf dem Trottoir liegen. Im Hintergrund die Häuser, an denen ich nur wenige Stunden davor selbst vorbeigefahren bin.

    Der Tatort ist nur drei Gehminuten von meinem Hotel entfernt.

    Ein Video des Vorfalls zeigt: Die Menschen, die es traf, hatten keine Chance, auszuweichen.

    Und das ist das, was mich und wohl viele andere an solchen Ereignissen besonders beschäftigt: Das Wissen, dass man selbst auch nichts hätte tun können, wäre man zufällig dort gestanden.

    Es kann jeden treffen

    Umso mehr bewegt einen das Schicksal der Betroffenen, wenn man tatsächlich nur kurz vorher am Tatort war. Wenn man weiss: Es hätte einen selbst – oder noch schlimmer – seine Liebsten treffen können.

    Es macht Angst. Denn es zeigt: Obwohl wir uns in Europa an einen sehr sicheren Alltag gewöhnt haben, haben auch wir keine Sicherheitsgarantie. Wir haben keine Kontrolle darüber, ob jemand entscheidet, uns zufällig zu attackieren.

    Warum der Täter von Modena, ein 31-jähriger Italiener mit marokkanischen Wurzeln, in die Menschenmenge raste, ist noch unklar. Zunächst gab es keine Hinweise auf eine Radikalisierung.

    Warst du schon einmal kurz vor einer Tragödie am Unglücksort?

    Was aber bekannt ist: Der Mann wurde laut der Präfektin von Modena, Fabrizia Triolo, 2022 in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Er habe unter schizoiden Problemen gelitten.

    Zu den Symptomen einer schizoiden Störung gehören etwa Gleichgültigkeit gegenüber anderen und eine mangelnde Fähigkeit, Gefühle zu äussern. Betroffene haben also beispielsweise Schwierigkeiten, ihren Ärger oder ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen.

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