Museen in Zürich: Ausblick auf das zweite Halbjahr
Ausblick Grosse Namen, ungewöhnliche Begegnungen, überraschende Perspektiven: Zürichs Museen bieten im zweiten Halbjahr viel Stoff für neugierige Blicke.

Edvard Munch, Pionier des Expressionismus, und Maria Lassnig, Ikone der feministischen Malerei, sind sich nie begegnet. Und doch kreisen ihre Werke um eine ähnliche Unruhe: um das Ich, den Körper und die Frage, wie sich innere Zustände überhaupt ins Bild bringen lassen. Das Kunsthaus Zürich, das die grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens besitzt, bringt die beiden nun erstmals miteinander ins Gespräch.
Lassnig zerlegt den Körper in Empfindungen und Wahrnehmungen. Munch macht Angst, Einsamkeit und Begehren sichtbar. Zwei höchst unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich in ihren Bildern unvermutet nahekommen. «Malfluss = Lebensfluss» ist ab 2. Oktober zu sehen.
Weitere Infos: kunsthaus.ch

Im Migros Museum für Gegenwartskunst treten ab 26. September zwei zeitgenössische Schweizer Künstlerinnen in einen Dialog: Sylvie Fleury und Shamiran Istifan. Ausgangspunkt ist Fleurys «She-Devils on Wheels – Head-quarters» von 1997, eine Arbeit über weibliche Unabhängigkeit und den Ausschluss von Frauen aus bestimmten Lebensbereichen.
Nach zwanzig Jahren kehrt Fleurys Arbeit ins Museum zurück. Istifan antwortet mit Neuproduktionen, die sich mit kulturellen Codes des Alltags, überlieferten Erzählungen und Fragen von Klasse und Zugehörigkeit auseinandersetzen. So entsteht ein Gespräch zwischen zwei feministischen Positionen, die drei Jahr-zehnte auseinanderliegen.
Weitere Infos: migrosmuseum.ch
Im Haus Konstruktiv verschiebt sich der Blick von der individuellen Erfahrung zur Frage nach der Form. «The Body Within Abstraction» untersucht ab 26. September, wie der Körper in einer Kunst präsent bleibt, die sich von der menschlichen Figur und der sichtbaren Wirklichkeit gelöst hat. Zu sehen sind Arbeiten von Heidi Bucher, einer der innovativsten Zürcher Künstlerinnen der 1970er- und 1980er-Jahre, Eva Fàbregas, Kimsooja, Dóra Maurer, Bruce Nauman, Steven Parrino, Chiharu Shiota und Franz West.
Der Körper erscheint dabei als Abdruck, Bewegung, Material,Massstaboderräumliche Erfahrung. Mit dieser Schau feiert das Haus sein 40-Jahr-Jubiläum. Erstmals werden sämtliche neuen Ausstellungsräume im Ost- und Westflügel gemeinsam bespielt.
Weitere Infos: hauskonstruktiv.ch

An der Ausstellungsstrasse führt das Museum für Gestaltung Zürich zurück zu den Ursprüngen der modernen visuellen Kommunikation. «Avantgarde. Grafikdesign im Aufbruch» widmet sich ab 3. September der Zeit zwischen den Weltkriegen, als Konstruktivismus, Neue Typografie und Fotografie die visuelle Sprache grundlegend veränderten. El Lissitzky und Jan Tschichold gehören zu den prägenden Namen jener Epoche.
Gestaltung wurde zum Instrument einer neuen Sachlichkeit, aber auch zum Ausdruck gesellschaftspolitischer Utopien. Was damals radikal wirkte, prägt unsere visuelle Umwelt bis heute. Im Toni-Areal geht es um die Verwandlung des Materials.
Ab 30. Oktober zeigt das Museum mit «Sabine Marcelis. Licht und Farbe»die erste Museumsausstellung der niederländischen Designerin in Zürich. Marcelis arbeitet mit Transparenz, Reflexion und farbigen Oberflächen und lässt Glas, Harz oder Naturstein beinahe immateriell erscheinen. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Design, Kunst und Raum und verändern je nach Perspektive und Umgebung ihre Wirkung.
Mehr Infos: museum-gestaltung.ch
Auch im Museum Rietberg erhält die Farbe eine besondere Bedeutung, allerdings unter völlig anderen kulturellen und historischen Vorzeichen. Ende August eröffnet «Rot», eine Ausstellung mit Meisterwerken der chinesischen Lackkunst. Bis zu 150 Lackschichten, filigrane Perlmutteinlagen und die aufwendige Kuancai- Technik zeugen von einer Handwerkskunst, deren Raffinesse sich erst bei genauer Betrachtung erschliesst.
Drachen, Fledermäuse und Winterpflaumenblüten sind dabei weit mehr als dekorative Motive. Sie verleihen den Objekten eine Symbolik, in der sich Wünsche nach Glück, Wohlstand, Langlebigkeit und Widerstandskraft spiegeln.
Weitere Infos: rietberg.ch
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.












