Marmorierte Baumwanze verursacht Millionenschäden im Obstbau

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Winterthur Stadt,

    Obst- und Gemüseproduzenten sind besorgt: Die Marmorierte Baumwanze macht sich in der Schweiz breit und zerstört dabei immer grössere Teile der Ernte.

    grüne stinkwanze
    Die Marmorierte Baumwanze setzt den Obstproduzenten in der Schweiz zu. - sda - David Szalatnay, Strickhof

    Das Wichtigste in Kürze

    • Obst- und Gemüseproduzenten rechnen mit grossen Ernteausfällen.
    • Grund dafür ist die aus Asien stammende Marmorierte Baumwanze.

    Der Schweizer Obstverband schätzt die Schäden durch die Marmorierte Baumwanze für 2019 auf deutlich über drei Millionen Franken. Obstproduzenten fordern wirksame Mittel gegen den aus Asien stammenden Schädling, mit Nützlingen, Netzen und Insektiziden. Insbesondere die Kantone Thurgau und Zürich sind betroffen, teilte der Schweizer Obstverband am Donnerstag mit.

    Im Kanton Thurgau werden am zweitmeisten Birnen in der Schweiz angebaut. Alleine dort rechnen Produzenten für 2019 mit einem Ertragsausfall von 25 Prozent der Ernte. Sie rechnen somit mit einem Schaden von über drei Millionen Franken.

    birne
    Allein im Kanton Thurgau wird mit einem Ertragsausfall von 25 Prozent gerechnet. - Pixabay

    Auch im Kanton Zürich liegt der Ausfall bei 25 Prozent, was sich auf 200'000 Franken beläuft. Auf über 20 Prozent beziffern die Kantone Aargau, St. Gallen, Luzern und Zug die Ernteverluste.

    Damit haben sich die Schäden im Vergleich zum Vorjahr (10 Prozent) mehr als verdoppelt. Hinzu kommt Mehraufwand für Pflück- und Sortierarbeiten.

    Über 200 Wirtspflanzen betroffen

    Die Marmorierte Baumwanze befällt über 200 verschiedene Wirtspflanzen. Einstiche in Früchte oder Gemüse führen zu Deformationen und bitteren Stellen, sodass sie sich nicht mehr für den Verkauf eignen. Oft ist auch eine weitere Verarbeitung nicht möglich.

    Gemüse und Früchte
    Gemüse und Früchte - Nau

    An einer Fachtagung am Kompetenzzentrum Strickhof in Wülflingen tauschten sich Experten aus dem In- und Ausland über die Problematik aus. Ausserdem diskutierten sie mögliche Lösungsansätze. Vielversprechend könnte der natürliche Gegenspieler der Baumwanzen sein: die ebenfalls aus Asien stammende Samurai-Schlupfwespe, die inzwischen ebenfalls in der Schweiz vorkommt.

    «Gerade in China hält sich der Schaden durch die Baumwanze dank der Samurai-Wespe in Grenzen.» Das erklärt David Szalatnay von der Fachstelle Obst beim Strickhof im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Wir haben zuerst den Schädling bekommen und erst mit Verzögerung den Nützling.»

    Samurai-Wespe als Schutz

    Die Wespe breitet sich jedoch langsamer aus. Bis sich eine Balance zwischen beiden invasiven Insekten herstelle, könnten Jahre vergehen. Für die Zwischenzeit brauche es wirksame Massnahmen, betont Szalatnay.

    Daher beantragt der Schweizer Obstverband die generelle Erlaubnis für die Freilassung der Samurai-Wespe, da sich diese auch ohne Zutun in der Schweiz ausbreite. «Allerdings weiss man aus Studien, dass die parasitische Wespe nur etwa 60 Prozent der Baumwanzen-Eier befällt und zerstört. Als alleiniges Mittel dürfte sie daher nicht ausreichen», so Szalatnay.

    wespe
    Eine Wespe sitzt auf einem Tisch. - dpa

    Eine weitere Möglichkeit besteht im Aufhängen von Netzen. Als schnelles und wirksames Mittel habe man aber auch eine Notfallzulassung für Insektizide beim Bundesamt für Landwirtschaft beantragt.

    Diese sind bisher nicht für den Einsatz gegen die Baumwanze, sondern nur gegen andere Schädlinge zugelassen. Das teilte der Obstverband mit. Darunter sind auch Mittel, die für den biologischen Anbau zugelassen sind.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    in der schweiz grenzwert
    3 Interaktionen
    Insektenkiller
    1 Interaktionen
    Birmensdorf ZH
    Bauernprotest in Berlin
    4 Interaktionen
    Aus Solidarität

    MEHR AUS WINTERTHUR

    Keiner kennt den Eschenbergwald so gut wie Jagdobmann Harry Kohler. - zVg
    53 Interaktionen
    Zürcher Wildhüter
    Am Dienstag und Freitag verkauft Reto Meier sein Gemüse auf dem Wochenmarkt in Winterthur. - zVg
    86 Interaktionen
    Hagelschäden
    HC Rychenberg Winterthur
    Unihockey
    5 Interaktionen
    Vorräte schonen