Hasskommentare im Internet beschäftigen viele Jugendliche in der Schweiz. Dabei gibt es laut einer neuen Studie einen Unterschied zwischen den Geschlechtern.
Hasskommentare
Jugendliche treffen online gemäss einer Studie regelmässig und mehrmals pro Woche auf Hasskommentare. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine neue Studie zeigt: Mädchen nehmen Hasskommentare negativer wahr als Jungen.
  • Fast die Hälfte der männlichen Teilnehmer hat demnach teilweise sogar Verständnis dafür.
  • Die ZHAW hat im Rahmen dieser Erhebung insgesamt 1000 Schweizer Jugendliche befragt.

Mädchen und Jungen nehmen Hasskommentare im Internet unterschiedlich wahr. Ein Drittel der Jungen stuft solche Kommentare als interessant oder unterhaltsam ein. Derweil stimmen nur 10 beziehungsweise 14 Prozent der Mädchen dieser Haltung zu.

Dies geht aus dem neuen Jamesfocus-Bericht der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Swisscom hervor. Für die Studie wurden tausend Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren in der ganzen Schweiz befragt.

Jungen haben eher Verständnis für Hasskommentare

Demnach gaben drei Viertel der Mädchen an, Hasskommentare würden sie entsetzen oder traurig machen. Bei den Jungen waren es zwei Fünftel. Überdies bringt fast die Hälfte der männlichen Studienteilnehmer Verständnis für manche Hasskommentare auf.

«Zum einen könnte es sein, dass sich Knaben an der Rolle des starken, dominanten Mannes orientieren. Dieser muss auch mal einstecken können und ihm können solche Kommentare nichts anhaben. Sie belustigen ihn eher sogar noch», liess sich die ZHAW-Medienpsychologin Céline Külling in einer Mitteilung vom Montag zitieren.

Social Media
Ein Social Media Team der Polizei geht gegen Kriminalität im Internet vor. (Symbolbild) - dpa

Weiter erklärt sie: «Zum anderen zeigen Studien, dass Männer eher zur Täterschaft von Hasskommentaren zählen. Das könnte auch das Verständnis für solche Kommentare erhöhen.»

Gemäss der Studie trifft über die Hälfte (53 Prozent) der Mädchen regelmässig auf Hassrede. Bei den Knaben sind es 41 Prozent, wobei die 16- bis 19-Jährigen besonders betroffen sind. «Es ist jedoch schwierig zu beurteilen, ob Mädchen sich tatsächlich häufiger mit solchen Meldungen konfrontiert sehen. Oder ob es unterschiedliche Wahrnehmungen darüber gibt, was überhaupt als Hassrede empfunden wird», sagte Külling.

«Am anderen Ende steht eine echte Person»

Am häufigsten werden Jugendliche im Internet gemäss der Studie aufgrund ihres Aussehens beleidigt. Das berichteten vor allem die Mädchen (81 Prozent). Die Befragten beobachten aber auch Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, Herkunft und Hautfarbe. Fast alle der Befragten (94 Prozent) gaben an, anonyme Hasskommentare als feige zu empfinden.

Wenn Jugendliche auf Hasskommentare stossen, die sie nicht selbst betreffen, sollten sie den Betroffenen Unterstützung anbieten. Dies empfehlen die Studienautorinnen und -autoren. Zudem sei Gegenrede wichtig, um ein Zeichen zu setzen. Generell müsse klar sein, dass Verhaltensregeln aus der Offline-Welt auch im digitalen Raum gelten würden: «Man muss sich stets bewusst sein: Am anderen Ende des Internets steht eine echte Person mit Gefühlen und Rechten», so die Experten.

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