Luzerner Kinderarzt muss mit 77 weiterarbeiten

Nicola Wittwer
Nicola Wittwer

Hinterland,

Weil er keine Nachfolge findet, ist ein Luzerner Kinderarzt auch in hohem Alter noch bei der Arbeit. Fehlende Fachkräfte gibt es schweizweit.

Mohamed Nazir Shalati Kinderarzt
Kinderarzt Mohamed Nazir Shalati arbeitet mit 77 Jahren noch immer. - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kinderarzt in Willisau LU arbeitet auch im Alter von 77 Jahren noch weiter.
  • Mohamed Nazir Shalati würde gerne in Pension gehen – fände er eine Nachfolge.
  • Der Arzt betreut 3000 Kinder und ist einer von vielen, die zu viele Patienten haben.

Mohamed Nazir Shalati arbeitet in Willisau LU auch mit 77 Jahren noch immer als Kinderarzt. Nur freiwillig ist das nicht – eigentlich möchte der Landarzt in Pension.

Doch das geht nicht, wie er in der SRF-«Rundschau» verrät: «Ich bin der einzige Kinderarzt hier», so Shalati.

Heisst: Legt er seine Arbeit nieder, sind tausende Kinder ohne Arzt. «Das tut mir weh.»

Ärzte-Nachwuchs fehlt

Der 77-Jährige betreut in Willisau über 3000 Kinder und Jugendliche. Dabei empfiehlt der Ärzteverband FMH ein Maximum von etwa 1000. Doch das ist infolge des Ärztemangels nicht möglich.

Kann Shalati seinen vielen Patienten überhaupt noch gerecht werden? «Ich finde nicht. Es sollten mehrere Kinderärzte sein, damit es gerecht wird. Für jemanden allein ist es zu viel», sagt der Arzt.

Alternativen gibt es aber nicht wirklich. Eine Mutter berichtet, sie habe im Kanton mehrere Orte abgesucht, doch: «Es dauerte fast ein dreiviertel Jahr, bis wir einen Kinderarzt gefunden haben».

Die Universität Zürich zeigte in einer Studie, dass das Problem ein schweizweites ist.

Viele Teile des Landes haben einen Mangel an Kinderärzten – vor allem ländlichen. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit haben zudem mehr als zehn Prozent der Kinderpraxen einen Patientenstopp.

Das Problem dürfte sich in naher Zukunft verschlimmern: In den nächsten zehn Jahren gehen etwa 40 Prozent der Kinderärzte in Pension.

Viele Kinderärzte finden keine Nachfolge, die die Praxis übernehmen kann. So sucht Arzt Shalati aus Willisau seit zwei Jahren «intensiv» – auch in Deutschland oder Österreich. Bislang ohne Erfolg.

Arzt (77): Junge wollen keine Praxis verantworten

Zurückzuführen sei das auf den fehlenden Willen junger Ärztinnen und Ärzte, eine Praxis zu verantworten, sagt Ehefrau Hanaa Shalati. Und: Viele würden lieber nicht mit einem Pensum von hundert Prozent arbeiten.

Könntest du dir vorstellen, Kinderärztin oder Kinderarzt zu werden?

Shalati selbst will seine Arbeit noch ein Jahr fortführen und hofft, bis dann die Nachfolge geregelt zu haben.

Bis dann muss sich der 77-Jährige mit wachsendem administrativem Aufwand befassen. Dahinter steckten die Krankenkassen, die immer mehr Details verlangten, erklärt eine Arzthelferin. Der Arzt selbst beklagt, unnötig Zeit zu verlieren.

Mehr Studienplätze

Um dem Kinderärzte-Mangel zu entgegnen, wollen einige Kantone nun mehr Medizinstudienplätze schaffen.

Geht es ums Geld verdienen, lockt die Pädiatrie jedoch (noch) nicht so gut wie andere medizinische Fachgebiete. Ein selbstständiger Kinderarzt verdient pro Jahr im Schnitt etwa 200'000 Franken.

Anderswo ist der Betrag deutlich höher – etwa in der Chirurgie, wo bis zu 320'000 Franken drin liegen.

Kommentare

User #2317 (nicht angemeldet)

Es fehlt tatsächlich an guten, jungen Ärzten

User #7347 (nicht angemeldet)

Hansi und Rolf würden sehr gerne übernehmen. Hehehe. LOL.

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