Lokführer warnt Trainsurfer: «Hört auf mit dem Seich!»
Mehrere tödliche Trainsurfing-Unfälle erschüttern die Region Aargau/Oberaargau. Lokführer und Polizei warnen eindringlich vor dem lebensgefährlichen Trend.
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Das Wichtigste in Kürze
- Mehrere Jugendliche in der Region Aargau sind beim sogenannten Trainsurfing gestorben.
- Lokführer warnen nun vor der tödlichen Hochspannung und fehlenden Kontrollmöglichkeiten.
- Auch die Polizei richtet einen Appell, solch lebensgefährliche Trends zu stoppen.
Nach mehreren tödlichen Unfällen im Zusammenhang mit sogenanntem Trainsurfing schlagen Behörden und Bahnmitarbeitende Alarm. Allein seit Anfang Jahr sind in der Region Aargau/Oberaargau mehrere Jugendliche ums Leben gekommen, ein weiterer wurde schwer verletzt.
Die tragischen Ereignisse ereigneten sich unter anderem in Langenthal BE, Zofingen AG und Beinwil am See AG. Die Jugendlichen waren dabei auf Züge geklettert und gerieten in die Hochspannungsleitungen.
In Beinwil am See etwa starb ein 18-Jähriger, nachdem er auf einen Zug gestiegen war. Wenige Tage später versuchte sein Kollege auf derselben Strecke erneut ein solches Manöver. Er verletzte sich in Mosen LU schwer.
Lebensgefahr schon ohne Berührung
Der Trend sorgt bei vielen für grosses Unverständnis – auch bei Lokführern. Livio Kurmann aus Seon AG findet in einem Beitrag von «Tele M1» deutliche Worte: «Man lernt schon als kleines Kind, dass man nicht über ein Gleis läuft. Und schon gar nicht auf einen Zug klettert.»
Über den Zügen fliessen rund 15’000 Volt Spannung. Eine direkte Berührung ist dafür nicht einmal nötig. «Da reicht es, wenn man sich 15 Zentimeter nähert», erklärt Kurmann. Es könne ein sogenannter Lichtbogen entstehen – mit oft tödlichen Folgen.
Für das Zugpersonal ist es praktisch unmöglich zu verhindern, dass jemand auf einen Zug klettert. Eine vollständige Kontrolle sei im Betrieb nicht machbar. «Dann müsste man bei jedem Halt aussteigen und auf das Dach schauen. Das ist nicht machbar», sagt der Lokführer.
Appell an Jugendliche – und an Mitreisende
Vor einer Fahrt steigen die Lokführerinnen und -führer aus und kontrollieren die Frontlichter. Bei jedem Halt könne er aber nur die Türen und den Bereich entlang des Zuges im Blick behalten, sagt Kurmann. Das Dach sei aus der Fahrerkabine nicht einsehbar, erklärt der Lokführer mit 15 Jahren Erfahrung.
Kurmann richtet deshalb einen eindringlichen Appell an Jugendliche: «Hört auf mit dem Seich.» Er könne nicht nachvollziehen, weshalb jemand für einen vermeintlichen Trend sein Leben riskiere. Auch Fahrgäste nimmt er in die Pflicht. Wer beobachte, dass Personen auf Züge klettern wollten, solle sofort das Zugpersonal informieren.

Die Kantonspolizei Aargau warnt ebenfalls eindringlich vor solchen Aktionen. Die Folgen seien «praktisch immer der Tod – oder schwerste Verletzungen», teilte sie mit. Der Mediensprecher der Kapo rief dazu auf, sich unter keinen Umständen an solchen Aktionen zu beteiligen.














