Leer oder voll? Autofreies Klöntal spaltet Touristiker in Glarus
Der erste «Slow Sunday» im Klöntal GL hat begeisterte Ausflügler und leere Campingplätze gleichzeitig gebracht. Die Meinungen sind geteilt.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Klöntal GL hats vergangenes Wochenende den ersten autofreien Sonntag gegeben.
- «Du wirst nicht überholt, es stinkt nicht nach Abgasen», schwärmen die Velofahrer.
- Eine Beiz auf einem Campingplatz verbucht aber «halb so viele Gäste».
Stille, wo sich sonst Autos stauen. Frische Luft, wo es sonst nach Abgas stinkt.
Im Klöntal GL hat es erstmals einen autofreien Sonntag gegeben. Doch dieser hat ein gespaltenes Echo hinterlassen.
Ab sieben Uhr morgens war die Zufahrt ins Klöntal gesperrt. In Riedern, dem Eingangstor zum Tal, endete die Fahrt für alle Automobilisten. Ab dort waren nur noch das Postauto oder das Velo zugelassen.
Nicht alle hatten die Ankündigung mitbekommen: «Wir stellen fest, dass vor allem Auswärtige die Vorsignalisationen möglicherweise nicht gesehen haben. Und hier feststellen, dass das Klöntal gesperrt ist», sagt Marco Jenny vom Spezialdienst der Kantonspolizei Glarus gegenüber SRF.
Velofahrer strahlen: «Jetzt ist es endlich Realität»
Wer ohne Auto da ist, zeigt sich begeistert. Ein Velofahrer strahlt: «Du wirst nicht überholt, es stinkt nicht nach Abgasen – ein Paradies der Natur.»
Für einen anderen Besucher schliesst sich nach langer Wartezeit ein Kreis: «Vor 25 Jahren haben wir schon einmal darüber abgestimmt. Jetzt ist es endlich Realität.»

Politisch trug Kaj Weibel von den Jungen Grünen den Tag mit – für ihn ein Meilenstein. «Es ist ein Freudentag.»
So lange habe man dafür gekämpft. Gleichzeitig sieht er noch Luft nach oben, wie er gegenüber SRF sagt: «Es hat mehr Autos, als es an einem autofreien Sonntag haben sollte.»
Hintergrund ist eine Ausnahmeregelung des Regierungsrats: Wer das Tal vor sieben Uhr erreicht, darf jederzeit wieder herausfahren. Weibel sieht darin einen Grund, weshalb der Verkehr höher ausfiel als erwartet.
Die Regelung kommt demnächst erneut vor das Glarner Parlament.
Leere Gartenwirtschaft beim Camping – volles Hotel am Seeufer
Die Stimmung im Tal ist aber je nach Standort eine völlig andere. Röbi Gaus, Platzwart des Campingplatzes Vorau am Talende, blickt auf eine halb leere Gartenwirtschaft: «Es sind halb so viele Gäste da wie gestern», klagt er.
Auch auf dem Zeltplatz sei es «ein rechter Verlust» gewesen. Die Angestellten wolle man trotzdem entlöhnen – «jetzt müssen wir schauen, wie wir die finanzielle Lücke füllen», so Gaus.
Ganz anders das Bild beim Hotel Rhodannenberg, nahe der Bushaltestelle am Seeufer. Geschäftsleiterin Ane Johnsen zeigt sich schlicht verblüfft: «So voll waren wir noch nie.»
Schon um acht Uhr sei die halbe Terrasse besetzt gewesen. Für sie ist der Slow Sunday ein unverhoffter Glücksfall.
Im Juli und August folgen zwei weitere Durchführungen. Danach wertet der Kanton Verkehrsdaten, Besucherzahlen und wirtschaftliche Auswirkungen aus und entscheidet, ob und wie das Projekt weitergeführt wird.













