In Sursee LU dürfen bald nur noch Velos die Strasse benutzen
Sursee macht eine Quartierstrasse neun Monate lang autofrei. Die lokale SVP warnt vor einer Verdrängung. Die Stadt blickt gelassen auf den Versuch.

Das Wichtigste in Kürze
- Sursee sperrt die Christoph-Schnyder-Strasse ab 1. Juli neun Monate für Autos.
- Die Stadt testet eine Velo-Vorzugsroute und misst dafür den Verkehr laufend.
- Bereits vor Beginn des Versuchs stösst diese auf Kritik aus den Reihen der SVP.
Autofahrer in Sursee müssen ab dem 1. Juli mehr Zeit einplanen: Neun Monate lang ist die Christoph-Schnyder-Strasse im Stadtzentrum für Autos und Töffs gesperrt.
Der Grund: Die Stadt testet auf dem Abschnitt zwischen der Centralstrasse und der Schellenrainstrasse eine sogenannte Velo-Vorzugsroute. Dadurch soll die Verkehrssicherheit für Velofahrer und Fussgänger verbessert werden.
Während des Versuchs dürfen nur Velos den Strassenabschnitt befahren, Autos sind lediglich für den Zubringerverkehr zugelassen.

Mit dem Pilotprojekt verfolgt die Stadt gleich mehrere Ziele. «Ziel ist ein zusammenhängendes sicheres Angebot für Alltag und Freizeit», erklärt sie in einer Mitteilung.
Heute sei die Situation für Velofahrer teilweise unübersichtlich. «Der Test soll zeigen, ob eine ruhigere Verkehrsführung die Situation verbessert.»
Gleichzeitig soll der Durchgangsverkehr im Quartier reduziert werden. Eine Petition aus dem Quartier hatte zuvor eine Verkehrsberuhigung auf der Christoph-Schnyder-Strasse gefordert.
Mitte begrüsst den Versuch
Unterstützung erhält das Projekt von Andrea Kaufmann, Parteipräsidentin der Mitte-Partei in Sursee. Gegenüber Nau.ch sagt sie: «Damit geht man auf die Bedürfnisse einer stark geprägten Quartierstrasse ein.»
Zwar bringe ein solcher Test Veränderungen mit sich. Doch: «Für eine starke Region brauchen wir ein Mobilitätskonzept, das die Nutzergruppen nicht gegeneinander ausspielt, sondern Lösungen schafft.»

Für die Mitte-Politikerin ist klar: «Wenn sich jede Person dem eigenen Mobilitätsverhalten bewusst und offen für Veränderungen ist, lösen wir den Verkehr nachhaltig.»
SVP spricht von «Symbolpolitik»
Doch nicht alle freuen sich auf die neue Velo-Vorzugsroute. Scharfe Kritik kommt von Nikolai Romanov, Präsident der SVP Stadt Sursee.
Auf Anfrage von Nau.ch warnt er: «Unter dem Deckmantel von ‹Velo-Vorzugsrouten› und Verkehrsberuhigung wird der motorisierte Individualverkehr Schritt für Schritt aus dem städtischen Raum verdrängt.»
Für Romanov ist klar: «Ein neunmonatiges Fahrverbot für Motorwagen und Motorräder mitten in einem ohnehin belasteten Quartier ist ein viel zu massiver Eingriff.»

«Anstatt den Verkehr flüssig und sicherer zu gestalten, wird hier reine Symbolpolitik auf dem Rücken der Autofahrer betrieben. Fahrverbote machen den Verkehr nicht flüssiger – sie zaubern den realen Mobilitätsdruck nicht einfach weg», kritisiert er.
Für Autofahrer bedeuteten die Massnahmen «spürbare Schikanen im Alltag», so Romanov. Die Sperrung und die Umleitungen würden die Probleme nicht lösen, sondern bloss verlagern.
Drohen neue Staus?
Besonders kritisch sieht der SVP-Präsident die Situation im Feierabendverkehr. «Wir alle kennen die ohnehin schon belastenden Staus, die wir täglich im Abendverkehr rund um die Ring- und Christoph-Schnyder-Strasse haben.»
Das Problem mit der stark befahrenen Quartierstrasse sei «hausgemacht». Seit Ende 2023 ist der Bahnhofsplatz in Sursee für die Durchfahrt gesperrt.
Danach habe der Verkehr über die Christoph-Schnyder-Strasse «extrem zugenommen», beobachtet Romanov. «Jetzt sperrt man auch noch diese Achse und erwartet blauäugig, dass sich der Verkehr ‹irgendwie› in Luft auflöst.»
Stadt überrascht von Kritik
Bei der Stadt Sursee zeigt man sich von den Vorwürfen überrascht. «Bisher haben wir keine negativen Rückmeldungen auf die Ankündigung erhalten», sagt Cornel Waltert, Ressortleiter Bau und Umwelt, zu Nau.ch.
An der Gemeindeversammlung habe es positive Voten gegeben. Dennoch gelte: «Der Stadtrat nimmt sämtliche Rückmeldungen ernst und wird diese auch in die Auswertung des Testbetriebs einbeziehen.»
Während der neun Monate wird die Stadt die Auswirkungen laufend messen. «Der Versuch ist zeitlich befristet und ermöglicht eine Überprüfung unter realen Bedingungen», erklärt Waltert. «Je nach Ergebnis können später Anpassungen vorgenommen oder zusätzliche Massnahmen geprüft werden.»
Gefahr für Schulkinder?
Besonders grosse Sorgen macht der SVP um die Situation rund um das Schulhaus Neufeld.
«Besonders Sorgen macht uns dabei das Schulhaus Neufeld», sagt Romanov. «Der neu entstandene Ausweichverkehr wird zu einem direkten Gefahrenpotenzial für die Schulkinder dieser Primarschule.»
Denn: «Wir haben bereits von besorgten Anwohnenden gehört, die Angst um den Schulweg ihrer Kinder haben.»
Die Stadt teilt diese Befürchtungen allerdings nicht. Auf zwei weiteren Quartierstrassen in der Nähe des Schulhauses gilt bereits heute ein Fahrverbot. «Eine Verlagerung auf diese Strassen ist somit nicht zu erwarten.»
Waltert verweist zudem darauf: «Auch auf der Christoph-Schnyder-Strasse verläuft ein Schulweg. Aufgrund des engen Strassenraumes kommt es immer wieder zu Ausweichmanövern und gefährlichen Situationen auf dem Trottoir.»
Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden habe oberste Priorität – «insbesondere die von Kindern». «Genau aus diesem Grund wird der Testbetrieb durchgeführt und eng begleitet.»
Aktuell lägen keine Hinweise vor, dass sich die Schulweg-Sicherheit ab Anfang Juli verschlechtere.
Auch die FDP schaut genau hin
Klar ist: Nicht nur die Stadt, sondern auch die Politik wird die Entwicklung rund um den autofreien Strassenabschnitt genau beobachten.
So will auch die FDP Sursee den Test aufmerksam verfolgen.
Philipp Oberson, Präsident der FDP Sursee, sagt zu Nau.ch: «Die Velo-Vorzugsroute ist seit längerem im entsprechenden Richtplan vorgesehen und kommt so nicht überraschend. Deswegen ist das ok für uns.»

Er ergänzt: «Für Leute, die sich vor allem in und um Sursee bewegen, kann sich jeder kleine Umweg als ein grosses Hindernis anfühlen. Für Leute, die sich weitere Distanzen gewohnt sind, ist das weniger der Fall. Die Umwege sind wohl für einige ein Ärgernis, aber kein grösseres Problem.»
Oberson kündigt aber an: «Sollten aus anderen Quartieren Klagen über zusätzlichen Verkehr auftauchen, fordern wir, dass sich der Stadtrat mit der breiteren Bevölkerung austauscht.»
Die FDP vertraut darauf, dass die Stadtregierung «nicht vorschnell weitere Beschränkungen von städtischen Strassen vornimmt».











