Mittelstrasse soll täglich und ganzjährig Begegnungszone erhalten

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Statt nur im Sommer an zwei Wochentagen soll ein Abschnitt der Mittelstrasse jeden Tag autofrei werden. Ein Vorstoss im Stadtrat hat gute Chancen.

Mittelstrasse autofrei
Hier im Bereich zwischen Gesellschaftsstrasse und Zähringerstrasse soll die Mittelstrasse jeden Abend autofrei werden, fordert ein Vorstoss im Stadtrat. - Google StreetView

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeden Abend autofrei: Das fordert ein Vorstoss im Stadtrat für die Mittelstrasse.
  • Das Gewerbe im Länggasse-Quartier könne profitieren, sagt FDP-Stadtrat Thomas Hofstetter.
  • Der Vorstoss ist von einer knappen Mehrheit des Stadtrats mitunterzeichnet.

Die Mittelstrasse in der Länggasse soll jeden Abend verkehrsfrei sein. Im Bereich von Gelateria di Berna, Settler Bar und Zähringer Migros soll die Strasse zum Treffpunkt werden.

So steht es im Stadtrats-Vorstoss «Mittelstrasse – eine Begegnungszone für die Bevölkerung».

Mehrheitsfähiger Vorstoss

Unterzeichnet haben diesen Vertreterinnen und Vertreter aus sechs der acht Stadtrats-Fraktionen.

«Ich gehe sehr davon aus, dass der Vorstoss überwiesen wird», sagt Stadträtin Nora Joos von der Jungen Alternative. «Es ist ja auch ein breites Parteienspektrum bei den Unterzeichnenden dabei.»

Nur SVP und Mitte fehlen, mit 42 der 80 Stadträtinnen und Stadträte hat bereits eine Mehrheit die Motion unterschrieben.

Die Mittelstrasse wird jeden Abend zur autofreien Begegnungszone – eine gute Idee?

Seit 2018 wird die Mittelstrasse regelmässig im Sommer zur autofreien Begegnungszone, jeweils am Donnerstag- und Freitagabend.

Nun also soll dies täglich von 18 bis 4 Uhr der Fall sein. «Was an einigen Sommerabenden funktioniert, soll auf das ganze Jahr ausgeweitet werden», heisst es im Vorstoss.

FDP-Hofstetter: «Gewerbe kann profitieren»

Den Vorstoss habe er mitunterzeichnet, weil er verhältnismässig sei, sagt FDP-Stadtrat Thomas Hofstetter zum BärnerBär: «Es gibt Alternativen für den Verkehr, er ist nicht abgeschnitten und die Zu- und Wegfahrt zur Migros ist gewährleistet. Und ab 18 Uhr gibt es keinen grossen Wirtschaftsverkehr mehr, für Anwohner ergibt sich ein kleiner Umweg.»

Nora Joos Thomas Hofstetter
Nora Joos (JA) und Thomas Hofstetter (FDP) gehören zu den Erstunterzeichnenden des Stadtrats-Vorstosses für eine Begegnungszone für die Mittelstrasse. - stadtrat.bern.ch

Zudem habe das Länggasse-Quartier wenige Plätze zum Verweilen. Für die Wirtschaft sieht Hofstetter gar Vorteile: «Das Gewerbe unmittelbar in der Umgebung, wie die Gelateria, kann wohl auch davon profitieren.»

Die Mittelstrasse sei ja bereits jetzt ein sehr belebter Ort, betont der FDP-Stadtrat: «Von dem her ist es kein künstlich erzeugtes Bedürfnis.»

In Anspielung auf den zuständigen Gemeinderat ergänzt er mit einem Schmunzeln: «Kein ‹König Aebischer›, der von oben herab sagt, dass es das braucht.»

Im Sommer Trotti fahren, im Winter Glühwein trinken

Dass eine Begegnungszone im Quartier schon seit einiger Zeit ein Anliegen war, betont auch JA-Stadträtin Joos. «Man hat gesehen, dass es gut funktioniert hat, wenn es jeweils Donnerstag und Freitag gesperrt war.»

Keine Bedenken hat sie bezüglich Ausweichverkehrs via den parallel verlaufenden Seidenweg. Das Verkehrsaufkommen sei schon jetzt sehr gering, zudem müsse das Ziel sein, dass die Fahrtenzahl weiter abnehme: «Das ist auch aus klimapolitischer Sicht besser.»

Doch schwindet nicht die Attraktivität der Begegnungszone, wenn sie zum Alltag wird? Auch diesbezüglich sieht Nora Joos kein Problem.

«Es soll eben gerade nicht mehr ein Spezialfall sein, sondern zur Normalität werden: Auf der Strasse verweilen, mit dem Trotti vorbeifahren, im Winter einen Glühwein trinken.»

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