Winterthur

    Kurbeln getrennt lebende Paare die Wohnungsnot an?

    Sina Barnert
    Sina Barnert

    Winterthur Stadt,

    Immer mehr Menschen scheinen trotz Partnerschaft allein zu leben. Darunter auch Promis wie Beni Thurnheer und Barbara Becker. Kurbelt das die Wohnungsnot an?

    Wohnung Paar
    Immer mehr Menschen leben trotz Partnerschaft nicht zusammen. - keystone / pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seit Jahren nimmt sie in der Schweiz zu: Die Wohnraumknappheit.
    • Derweil gibt es immer mehr Menschen, die trotz Partnerschaft nicht zusammenleben.
    • Auch Prominente wie Beni Thurnheer und Barbara Becker teilen ihre Wohnung nicht mit ihren Partnern.
    • Doch: Treibt das die Wohnungsnot weiter an? Experten ordnen bei Nau.ch ein.

    Es scheint gerade en vogue zu sein: Trotz einer Partnerschaft leben viele Menschen allein.

    Prominente machen schon lange vor, wie das geht. Simonetta Sommaruga (66), die während ihrer Zeit als Bundesrätin nicht mit Ehemann Lukas Hartmann (82) zusammenlebte.

    Oder auch Boris-Becker-Ex Barbara (59). Sie lebt in Mailand im gleichen Wohnhaus wie ihr Partner. Doch: Die beiden haben je eine eigene Wohnung.

    Lebst du allein in einer Wohnung / Haus?

    Und im «Sommer Talk» des Regionalsenders «Tele Züri» legte auch Beni Thurnheer (77) vor kurzem offen: Er und seine Frau Kathrin leben auch nach acht Jahren Ehe nicht zusammen.

    Thurnheer wohnt in Seuzach ZH, während seine Frau in der Ostschweiz lebt.

    Beni Thurnheer
    Beni Thurnheer und seine Frau Kathrin leben in getrennten Wohnungen. - keystone

    Doch zeitgleich wird Wohnraum immer knapper. Man fragt sich: Kurbeln Paare, die in getrennten Wohnungen leben, die Wohnungsnot weiter an?

    682’200 Personen leben nicht mit Partner zusammen

    Seit 2013 wird erhoben, wie viele Paare in getrennten Wohnungen leben. Es zeigt sich: 2023 waren es 682’200 Personen in der Schweiz, die sich ihren Wohnraum nicht mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin teilten.

    Wohnungsnot
    Freier Wohnraum ist in der Schweiz in den letzten Jahren rar geworden. - keystone

    Das bei einer Leerwohnungsquote, die 2025 bei lediglich einem Prozent lag.

    Doch woran liegt es, dass so viele Menschen in der Schweiz nicht mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zusammenleben?

    «Individualisierung prägt unsere Wohnformen»

    Gegenüber Nau.ch erläutert Soziologe Ueli Mäder: «Es gibt Unterschiede, Wahlmöglichkeiten und äussere Umstände, die unsere Lebensform prägen.»

    Denn: «Die Individualisierung und erhöhte berufliche Mobilität prägen unsere Wohnformen wesentlich mit. Mit diesen Trends erhöhen sich die Anteile der Alleinlebenden.»

    Dies liege auch am Wunsch vieler, «möglichst autonom zu leben», so Mäder. Und erklärt: «Teils steckt auch das Bedürfnis dahinter, aus früheren Zwangs-Gemeinschaften auszubrechen.»

    Das sei nachvollziehbar, könne sich aber auch rasch wieder ändern. Denn: «Etliche merken, alleine zu leben, hat auch Nachteile.»

    Ein- und Zwei-Personen-Haushalte nehmen zu

    Darum sei es denkbar, dass sich bald wieder mehr Menschen «den Frühstücks-Kaffee und die Zeitung» teilen würden. Auch, weil Arbeitswege durch Homeoffice entfallen würden.

    Aktuell zeige der Trend zu noch mehr Individualität und mehr alleinlebenden Personen, sagt Tino Schlinzig, leitender Forscher am ETH Wohnforum.

    Paar Wohnung Frühstück
    Als Paar frühstücken – in getrennten Wohnungen nicht immer möglich. - pexels

    «Die Schweiz verzeichnet seit längerem eine erhebliche Zunahme von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten. Laut Daten des Bundesamts für Statistik von 2025 beträgt der Anteil zusammengekommen 47 Prozent aller Haushalte.»

    Zum Vergleich habe diese Zahl 1960 noch bei lediglich 20 Prozent gelegen, so Schlinzig. «Für die Wohnraumknappheit in der Schweiz ist dies ein strukturell wichtiger Faktor.»

    Wohnungsbau muss sich anpassen

    Doch es gebe auch andere Probleme, so Schlinzig: «Bis auf sehr gelungene Ausnahmen vor allem im gemeinnützigen Wohnungsbau hinkt der Wohnungsmarkt gesamthaft betrachtet den sozialen Entwicklungen zumeist hinterher.»

    Es seien «Flexibilität, Anpassbarkeit und die Möglichkeit unterschiedlicher Nutzungen ein und desselben Raumes gefordert», so Schlinzig.

    Wohnungsbau
    Der Wohnungsbau in der Schweiz hinkt bei den gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher. - keystone

    Das, um «die Vielfalt der Lebensformen einzufangen – auch die Veränderungen im Lebensverlauf jedes und jeder Einzelnen».

    Doch welche Angebote gibt es bereits, die diesen Bedürfnissen Rechnung tragen?

    Es braucht mehr neue Wohnformen

    «Es gibt diese Angebote bereits etwa in Form von Cluster-Wohnungen und des gemeinschaftlichen Wohnens, beziehungsweise des Mehrgenerationenwohnens.»

    Und: «Diese Wohnformen können eine sinnvolle Alternative anbieten.»

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    Bereits 2025 besuchte Nau.ch eine neue Wohnform: die Mikrowohnung. - Nau.ch / Nico Leuthold

    Schlinzig erklärt: «Sie kommen mit einem geringeren Flächenverbrauch pro Kopf aus und teilen sich Ressourcen. Zudem können in der Gemeinschaft Unterstützungsleistungen angeboten werden – etwas für das Aging in place.»

    Auch aus ökologischer Sicht würden diese Wohnformen besser abschneiden, so der ETH-Forscher.

    Andere Faktoren sind entscheidender

    Zurück zur Ausgangsfrage: Sind getrennt wohnende Paare verantwortlich für die steigende Wohnungsknappheit?

    «Das Hauptproblem des mangelnden Wohnraumangebotes auf diese Haushalte zurückzuführen, würde deren Gewicht deutlich überschätzen», betont ETH-Forscher Schlinzig.

    Für die Wohnraumnachfrage würden andere Entwicklungen wichtiger sein.

    Machst du dir wegen dem Mangel an Wohnraum Sorgen?

    Insbesondere der langfristige Anstieg der Wohnfläche pro Person – vor allem im Wohneigentum – und die Zunahme kleiner Haushalte. «Diese Entwicklungen binden deutlich mehr Wohnraum als die vergleichsweise kleine Gruppe von Paaren, die bewusst getrennt wohnen.»

    Und auch Soziologe Ueli Mäder findet: «Die Wohnungsnot hat viel mit der wirtschaftlichen Wachstumsdynamik zu tun, die auch Lebensweisen prägt. Statt stets nach noch mehr Besitz und Haben zu streben, ist es wichtig, sich einfacher mit weniger zu begnügen.»

    Kommentare

    User #5711 (nicht angemeldet)

    Zuwanderung ist eher das Problem

    User #6377 (nicht angemeldet)

    Man will die antwort auf die immokrise erst in 10 jahre wissen von allen seitem, somit gibts kein problem nur noch wichtiges blabla von wichtigen leuten..

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