Krähen terrorisieren Emmen LU – nichts hilft
In Emmen LU nerven Saatkrähen die Anwohner mit Lärm und Kot. Fake-Uhus und gefällte Bäume bringen wenig, die Gemeinde gibt sich geschlagen.

Das Wichtigste in Kürze
- Saatkrähen brüten vermehrt in Wohnquartieren und sorgen in Emmen LU für viel Ärger.
- Massnahmen der Gemeinde wirken kaum: Gefällte Horstbäume vertrieben die Krähen nicht.
- Auch andere Gemeinden kämpfen: Eine zuverlässige Methode gegen Saatkrähen fehlt.
In Emmen LU haben sich Saatkrähen in einem Wohngebiet eingenistet – und die Gemeinde weiss kein Mittel dagegen. Wie «zentralplus» schreibt, hat sie schon vieles versucht. Das Fazit fällt ernüchternd aus.
Betroffen ist derzeit vor allem der Thanwald. «Aktuell ist der Gemeinde insbesondere eine Kolonie im Gebiet Thanwald bekannt», sagt Mediensprecher Philipp Bucher. Für die Anwohnenden ist das eine Geduldsprobe. Sie leiden unter dem Krächzen, unter Kot und unter aufgerupften Kehrichtsäcken.
Am schlimmsten ist es in der Brutzeit von März bis Mai. Dann geht der Lärm rund eine Stunde vor Sonnenaufgang los und hört erst nach Einbruch der Dunkelheit auf. Laut Messungen der Gemeinde ist das Krächzen leiser als Verkehrslärm. Als störend empfinden es viele trotzdem.
Vom Feld in die Quartiere
Neu ist das Problem nicht. Einzelne Fälle beschäftigen die Gemeinde laut Bucher seit etwa 2010. Zum grösseren Thema wurden die Saatkrähen demnach seit ungefähr 2022. Die Vögel brüteten früher vor allem im Landwirtschaftsgebiet. Weil geeignetes Gehölz seltener wird, weichen sie nun auf Bäume in Parks, Wäldern und Wohnquartieren aus. Dort sind sie zudem besser vor Feinden geschützt.
Die Gemeinde hat einiges ausprobiert. 2021 hängte sie im Gebiet Herdschwand/Mooshüsli vier künstliche Uhus auf. Passanten konnten per Schnur die Flügel der Attrappen bewegen. Die vier Vögel kosteten rund 1000 Franken, und die Situation beruhigte sich laut Bucher «deutlich».

Auf den Thanwald lässt sich dieses Rezept aber nicht übertragen. «Im Herdschwandwald konnten sie dank der starken Frequentierung durch Fussgängerinnen und Fussgänger regelmässig ausgelöst werden.» Diese Voraussetzung sei im Thanwald nicht im gleichen Mass gegeben, so Bucher.
Dort setzte die Gemeinde deshalb die Kettensäge ein. Im vergangenen Winter fällte und lichtete sie Horstbäume aus. Die Krähen liessen sich davon kaum beeindrucken. Sie zogen auf andere Bäume in der Nähe um.
Abschüsse sind keine Option
Abschüsse setzte die Gemeinde nicht um. Die Saatkrähe ist zwar ausserhalb der Schonzeit jagdbar. Von Mitte Februar bis Ende Juli sind Altvögel, Nester, Eier und Jungvögel aber geschützt. Anderswo hätten Abschüsse zudem wenig gebracht. Im Siedlungsraum seien sie aus Sicherheitsgründen problematisch.
Auch das Entfernen der Nester durch die Feuerwehr verspricht wenig. Die Krähen bauen sie schnell wieder auf. Wer eine Kolonie vertreibt, verteilt das Problem womöglich nur. An anderen Orten können neue Kolonien entstehen.

Emmen steht mit dem Problem nicht allein da. Im März 2026 tauschten sich Vertreter von 25 betroffenen Städten, Gemeinden und Kantonen aus. Nach jahrelangen Versuchen lautet ihr Fazit: Eine zuverlässig erfolgreiche Methode zur Vergrämung gibt es nicht.
Informieren statt vertreiben
Die Gemeinde sieht ihre Aufgabe deshalb vor allem darin, die Bevölkerung zu informieren und Betroffene zu beraten. Vorbeugen müssen grundsätzlich die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer.
Die Bevölkerung kann auch dabei helfen, den Konflikt zumindest nicht zu verschärfen. Sie soll Saatkrähen nicht füttern und Essensreste, Kompost und Abfallsäcke möglichst unzugänglich halten.

Balkone, Vordächer und Fahrzeuge lassen sich gegen Kot schützen. Wer die Vögel selbst vertreiben will, sollte das mit der Gemeinde absprechen. Sonst zieht die Kolonie womöglich nur ein paar Bäume weiter.
Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Gemeinde schreibt in einer Medienmitteilung: «Ein konfliktfreies Zusammenleben mit den Saatkrähen wird sich aber nicht erreichen lassen. Wir werden uns mit den Krähen arrangieren müssen.»








