Grosse Personalmängel machen Schweizer Gastrobetrieben zu schaffen. Viele überlegen, die Stellen mit ukrainischen Flüchtlingen zu besetzen.
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In der Gastrobranche gibt es zu wenig Personal. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Personalmangel macht den Gastrobetrieben Schwierigkeiten.
  • 30'000 Stellen sind seit Corona seither verloren gegangen.
  • Diese können nur schwer wieder besetzt werden.

Schon vor der Coronakrise hatte die Gastronomie mit Personalmangel zu kämpfen. Nun kehren seit Beginn der Pandemie immer mehr Arbeitnehmende der Branche den Rücken. Darüber, ob ukrainische Flüchtlinge für Entlastung sorgen könnten, ist sich die Branche uneinig.

Seit Anbruch der Pandemie sind gemäss dem Branchenverband Gastrosuisse in der Gastronomie 30'000 Stellen verloren gegangen. Trotz weniger Jobs können viele Restaurants ihre ausgeschriebenen Stellen nur schwer besetzen. Es gibt nämlich auch immer weniger Personal.

Dafür ist mitunter die Pandemie verantwortlich. «Zum Teil verliess das Personal die Branche aus Existenzängsten, teilweise wurde es aber auch von anderen Branchen abgeworben.» Das sagte Tobias Burkhalter, Präsident des Verbands Gastro Bern auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Einführungskurs und Onlineplattform für Flüchtlinge

Jeder vierte Betrieb hatte im Januar zu wenig Personal. Das zeigte eine Umfrage der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich und Gastrosuisse. «Viele mussten dadurch ihre Öffnungszeiten kürzen», bestätigte ein Sprecher des Verbands Gastro Zürich.

Einige Betriebe sehen nun in den Flüchtlingen aus der Ukraine eine Möglichkeit, dem Personalmangel entgegenzuwirken. «Wir sind überzeugt, dass ukrainische Flüchtlinge die Schweizer Gastrobetriebe entlasten können», sagte Burkhalter von Gastro Bern.

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Restaurants in der Schweiz kämpfen mit Personalmangel. (Symbolbild) - keystone

In Bern wird deshalb aktuell eine Onlineplattform für arbeitsuchende Flüchtlinge eingerichtet. Zudem wird dafür ein einmonatiger Einführungskurs auf die Beine gestellt.

Auch Gastrosuisse sieht hier Potenzial. Deshalb begrüsst sie den Entscheid des Bundesrates, ukrainischen Flüchtlingen einfachen und raschen Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt zu gewähren. Doch hier hört es mit dem Zuspruch auf, denn die Sprache stellt ein Problem dar. Deshalb werde der Entscheid des Bundesrates gemäss Gastrosuisse wohl nur einen kleinen Beitrag gegen den Personalmangel leisten.

Der Arbeitnehmerverband Hotel & Gastro Union nimmt die Sprachbarriere ebenfalls als ein Problem wahr. «Die Gastronomie ist ein Peoplebusiness», sagte Roger Lang, Leiter Rechtsdienst beim Verband, im Gespräch mit AWP. Nicht zuletzt deshalb seien ukrainische Flüchtlinge seiner Meinung nach nicht die Lösung des Problems.

Lang fordert «mittel- oder langfristige Lösungen»

Dies sieht auch der Gastroverband des Kanton Zürichs so. Dort ist man sich sicher, dass die Personen aus der Ukraine in ihrem angestammten Beruf eine Stelle finden werden. Personalmangel gäbe es schliesslich auch in anderen Branchen.

Die ukrainischen Flüchtlinge scheinen also nicht die Lösung zu sein. Vielmehr muss das Problem an der Wurzel gepackt werden.

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Vom Ukraine-Krieg geflüchtete Frauen füllen in der Empfangsstelle in Zürich Formulare aus. Unter ihnen sind zahlreiche Fachkräfte. (Archivbild) - Keystone

«Wir sehen den Fachkräftemangel bereits seit 2003 kommen», führte Lang weiter aus. Es müsse deshalb nach mittel- oder langfristigen Lösungen gesucht werden. «Die Berufe sind attraktiv, aber die Bedingungen nicht. Das müssen wir ändern.»

Burkhalter von Gastro Bern ist sich deshalb sicher, dass die Berufe in der Gastronomie attraktiver werden müssen. Dies, um wieder mehr Personal anzulocken. In Bern arbeite man deshalb an neuen Arbeitszeitmodellen wie beispielsweise der Viertagewoche oder an einem Modell ohne Zimmerstunde.

Keine Zusammenarbeit mit Gewerkschaften

Eigentlich sollte seit 2020 zudem ein neuer Landesgesamtarbeitsvertrag (L-GAV) die Bedingungen für Jobs in der Gastronomie bestimmen. Dazu hat es aber bereits seit über zwei Jahren keine neuen Verhandlungen mehr gegeben. Gastrosuisse hat im Mai 2019 die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften eingestellt.

Der Grund: Die Gewerkschaften würden versuchen, mit der Einführung von kantonalen Mindestlöhnen die Lohnkomponente zu übersteuern. Die Verhandlungen werden erst wieder aufgenommen, wenn wieder Rechtssicherheit herrsche.

Gemäss einer aktuellen Stellungnahme von Gastrosuisse hätten sich die Gewerkschaften selbst zuzuschreiben, dass generelle L-GAV-Verhandlungen gegenwärtig eingestellt wurden. Dazu, ob die Verhandlungen in naher Zeit wieder aufgenommen werden können, nimmt der Verband keine Stellung.

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