Kompostieren als Familien-Ausflug – damit ist nun Schluss!
Ab 1. Juli ändert Weinfelden TG die Entsorgung auf dem Kompostierplatz. Die Stadt verspricht sich mehr Sicherheit und eine bessere Kontrolle.

Bislang lief der Gang unkompliziert ab. Man fuhr auf den Platz, lud ab, die Menge wurde selbstständig eingeschätzt, auf einem Zettel notiert und später von der Greencom AG verrechnet.
Ab dem 1. Juli ist diese Routine vorbei. Wer den Kompostierplatz künftig nutzen will, muss sein Fahrzeug vorgängig einmalig registrieren, dies dauert zwei bis drei Werktage.
Dass während der Anfangszeit der eine oder andere Fahrer genervt wieder umdrehen muss, sei nicht vermeidbar. Doch: «Wir haben auf allen Kanälen die Änderungen kommuniziert. Wir hoffen, dass möglichst viele Weinfelderinen und Weinfelder die Infos gelesen hat», sagt Kommunikationsleiter der Stadt Basil Höneisen.
Er war neben Stadtrat René Ramseier, Bauamtsleiter Martin Belz und Ramon Lauener von der Betreiberfirma Greencom an der kürzlichen Medienbegehung dabei.
Fair und sicher
Ramseier demonstrierte mit seinem Auto, wie das System funktioniert. Bei der Zufahrt öffnet sich eine Schranke. Danach fährt das beladene Fahrzeug auf die Waagedie Autonummer wird automatisch erfasst.
Nach dem Abladen wird nochmals gewogen. Die Differenz zeigt, wie viel Grüngut tatsächlich angeliefert wurde.
Die Anwesenden machten deutlich, weshalb Weinfelden diesen Schritt macht. «Es geht nicht einfach um eine technische Neuerung. Der Kompostierplatz wird stark genutzt, die Abläufe müssten nachvollziehbarer werden, und die Stadt will die Entsorgung fairer und sauberer regeln», sagt der Stadtrat.
Dazu ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Auf der Anlage bewegten sich bisher neben den Privatfahrzeugen und Arbeitsmaschinen auch Velofahrer sowie Weinfelder, welche den Gang zur Anlage fast als Ausflugsziel mit Kindern und Enkeln sahen.
Wenn alles gleichzeitig und ohne klare Steuerung geschieht, wird ein solcher Platz schnell unübersichtlich.
Ramon Lauener erlebte schon so manche heikle Situation. Für die Mitarbeitenden bedeutet der Alltag auf der Anlage purer Stress. So ist die Kompostieranlage ab Juli hauptsächlich noch fürs Gewerbe gedacht.
Für den Grünschnitt aus den Privatgärten sollen stärker die eigenen Container verwendet werden. Bei grossem Bedarf dürften auch mehrere angeschafft werden, sagt Belz.
Beim Entsorgungshof an der Weststrasse 12 wird ein zusätzlicher Grüncontainer bereitgestellt. Er fasst 800 Liter und soll genau für kleinere Mengen gedacht sein. Damit bleibt für Private eine einfachere Möglichkeit bestehen, ohne dass jedes Mal der Kompostierplatz befahren werden muss.
Reaktion auf Kritik
Eine Massnahme, die im Konzept so nicht geplant war: «Die Bereitstellung des Containers ist die Antwort auf die Kritik aus dem Stadtparlament», sagt René Ramseier. Dort wurde der Vorwurf laut, dass die neue Regelung sehr zum Nachteil der Weinfelder sei. «Wir haben schnell reagiert, da wir die Bedenken ernst nehmen.»
Wer das eigene Grüngut trotzdem schnell loswerden möchte, oder dieses nicht in die Grüncontainer passen, kann diese wie die Gewerbetreibenden gegen Bezahlung auf die Kompostanlage bringen.

Der Kompostierplatz wird damit stärker zu dem, was er im Alltag eigentlich ist: ein Betriebsareal mit klaren Regeln. Für die Bevölkerung bleibt er zugänglich, aber nichtmehr jederzeit und nicht mehr ohne vorgängige Erfassung.
Kein anonymes Entsorgen mehr möglich
Auch die Qualität des angelieferten Materials spielt eine wichtige Rolle. Grüngut ist nur dann wertvoll, wenn es sauber getrennt wird. Plastik, Hundesäckli, Haushaltsgegenstände oder anderer Abfall gehören nicht hinein. Solche Fremdstoffe müssen später mühsam aussortiert werden. Das kostet Zeit und kann die Verwertung verschlechtern.
Ramon Lauener von Greencom erklärte aus Sicht des Betriebs, dass guter Kompost nur aus geeignetem Ausgangsmaterial entstehen könne. Je sauberer das Grüngut angeliefert werde, desto besser lasse es sich weiterverarbeiten.
Die neue Registrierung soll hier helfen. Wer Material bringt, bleibt nicht mehr anonym. Das kann dazu beitragen, dass sorgfältiger getrennt wird.
Für Waage und Steuerung hat Weinfelden einen Kredit von 185’000 Franken bewilligt. Seit Anfang Juni können sich Nutzerinnen und Nutzer registrieren lassen. Ab dem 1. Juli zeigt sich, wie gut das System im Alltag funktioniert.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Weinfelder Nachrichten» erschienen.








