Klimastreik

    Klimastreik: Aktivisten sehen politische Unterwanderung

    Benedikt Theiler
    Benedikt Theiler

    Bern,

    Der Klimastreik werde politisch unterwandert, befürchtet eine mutmassliche Streik-Splittergruppe. Sie fordern eine Diskussion über eine Öffnung des Streiks.

    Nationalrat Stimmrechtsalter 16
    Demonstrierende während eines Klimastreiks. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Klimastreik werde zunehmend mit anderen linken politischen Positionen verknüpft.
    • Dies schreibt eine Gruppe, offenbar aus der Bewegung, in einem anonymen Mail.
    • Sie fordern, dass der Klimastreik offener und effektiver werde.

    «Der Klimastreik hat ein Problem»: So lautet der Aufruf einer Gruppe, gemäss eigenen Angaben aus dem inneren Kreis. Der Klimastreik sei an keine Partei oder Organisation gebunden und er positioniere sich nicht im politischen Spektrum. So hiess es noch im September 2019 auf der Webseite des Klimastreiks. Doch nun sehen einige diese Prämisse unterwandert.

    Man habe in den letzten Jahren eine «unschöne Entwicklung» durchgemacht. So heisst es in einem Mail, gezeichnet von einer «Gruppe von besorgten Klimastreikenden». Eine «laute und engagierte Minderheit» habe die Bewegung gekapert und bestimme zunehmend den Kurs der Bewegung.

    Dabei setze diese Schwerpunkte, «die weder das eigentliche Ziel der Verminderung des Klimawandels ansprechen, noch von der Mehrheit der TeilnehmerInnen der Demonstrationen vertreten wurden oder werden».

    klimastreik
    In Masken rufen die Klimastreikenden zum Klimastreik am 4. September auf. - Screenshot climatestrike.ch

    Klimastreik drohe ineffizient und verschlossen zu werden

    Dazu zähle etwa die Androhung von «Zivilem Ungehorsam», die Überwindung des Kapitalismus, die angeblich notwendige Verknüpfung von gender- und klimaspezifischen Themen und die Dämonisierung jeglicher profitorientierten Tätigkeiten. Eine Ablehnung dieser Schwerpunkte werde als Desinteresse am Klimawandel oder Ignoranz abgetan.

    klimastreik
    Auf der Homepage wird für Aktionstrainings Werbung gemacht. - Scrennshot Climatestrike.ch

    Doch so drohe die Bewegung ineffizient und verschlossen zu werden, so die Befürchtung der Gruppe. Besorgte würden nicht mehr teilnehmen, weil sie den Schwerpunktekatalog nicht unterschreiben wollen.

    Unterstützer kämen nicht mehr an Demos, weil sie nicht mit Anarchismus und Kommunismus assoziiert werden wollen. Und die Argumente rechter Parteien erschienen immer plausibler, da der Klimastreik immer mehr als eine «linksextreme Bewegung» in Erscheinung trete.

    Gruppe bleibt anonym

    Auf Nachfrage heisst es, dass es sich bei den besorgten Klimastreikenden um eine Gruppe von zehn Leuten handle. Aus Gesprächen und Erfahrungen wisse man aber, «dass wir die Interessen einer weitaus grösseren Gruppe vertreten».

    Trotzdem wolle man anonym bleiben. Man befürchte die «Glaubwürdigkeit innerhalb der Bewegung zu verlieren» und sich unter sozialem Druck «nicht mehr frei äussern zu können».

    klimastreik
    Klimastreikende in Zürich. (Archivbild) - Keystone

    Mit der Kritik selbst werde erhofft, dass eine Diskussion darüber entstehe, wie der Klimastreik offener und damit effektiver werden könne. Es müsse möglich sein, dass man gleichzeitig klimafreundlich und konservativ oder liberal ist.

    Klimastreik selbst äussert sich kritisch über Gruppe

    Jonas Kampus von Klimastreik Schweiz sieht den Brandbrief kritisch. Stellen im Text würden darauf hindeuten, dass dieses Schreiben von einer oder mehreren externen Personen verfasst wurde. Man führe im Klimastreik eine offene Gesprächskultur.

    «Es ist zuvor noch nie vorgekommen, dass sich jemand anonym an die Medien wandte», so der Jungsozialist. «Hätten die Personen wirklich gewollt, dass möglichst viele von ihrer Kritik erfahren, hätten sie diesen in den Chats verbreitet und nicht an die Medienadressen des Klimastreiks versandt.»

    Kommentare

    Weiterlesen

    DemonstrationSt. Gallen Klimastreik
    296 Interaktionen
    Radikalere Aktionen
    Black Lives Los Angeles
    69 Interaktionen
    Klima, Frauen, BLM
    158 Interaktionen
    Klima oder Corona

    MEHR KLIMASTREIK

    84 Interaktionen
    «10-Mio.-Schweiz»
    Hamburg
    16 Interaktionen
    Hamburg
    Klimastreik Demo Zürich
    28 Interaktionen
    1000 Teilnehmer
    klimastreik
    86 Interaktionen
    Klimastreik

    MEHR AUS STADT BERN

    Feuerpferde Tobias Sennhauser
    7 Interaktionen
    «Keine Feuerpferde»
    Tatjana Rothenbühler, Direktorin GastroBern.
    GastroBern-Direktorin
    16 Interaktionen
    Bern
    YB FCZ
    44 Interaktionen
    3:5 gegen FCZ