Kaum Schneereserven plus Hochdruckwetter: Wasserdefizit im Tessin

Keystone-SDA
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Bellinzona,

Im Tessin und in der nahen Lombardei fehlt es an Schneereserven. Aufgrund geringer Niederschläge im Mai konnte das Wasserdefizit bisher nicht ausgeglichen werden. Das stabile Hochdruckwetter der kommenden Tage dürfte das Defizit noch vergrössern.

Hochdruckwetter und geringe Schneereserven: Im Tessin gibt es derzeit kaum Aussichten auf einen Ausgleich des Wasserdefizits. Im Bild der Lago Maggiore im trockenen Februar 2022. (Archi...
Hochdruckwetter und geringe Schneereserven: Im Tessin gibt es derzeit kaum Aussichten auf einen Ausgleich des Wasserdefizits. Im Bild der Lago Maggiore im trockenen Februar 2022. (Archi... - KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI

Zwischen dem 5. und dem 15. Mai führten instabile Wetterbedingungen südlich der Alpen zu einigen Niederschlägen, wie Lisa Moser vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) in Locarno-Monti auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte.

Die Gesamtsumme von etwa 100 bis 125 Millimeter Niederschlägen hätte aber nicht ausgereicht, um das Wasserdefizit im Südkanton auszugleichen. Bisher sei der Monat Mai südlich der Alpen trockener als im Referenzzeitraum 1991 bis 2020. Die Prognosen für die kommende Woche wiesen zudem auf stabiles und trockenes Wetter hin, fuhr Moser fort. Diese würden das Wasserdefizit voraussichtlich weiter verstärken.

Auch für die übernächste Woche seien bisher tendenziell keine grösseren Regenmengen in Sicht. Seit Donnerstag um Mitternacht hat Meteoschweiz für das mittlere und nördliche Tessin sowie weitere Regionen der Schweiz die Warnstufe 2 für Trockenheit (mässige Gefahr) verhängt.

Auch die Pegel der Stauseen liegen im Tessin unter dem mehrjährigen Mittelwert, und zwar um 4,3 Prozent, wie der Sprecher des Tessiner Stromanbieters AET, Pietro Jolli, auf Anfrage erklärte. Auch in der übrigen Schweiz sind die Pegel der Stauseen tiefer als in anderen Jahren: Gemäss den neuesten Zahlen des Bundesamts für Energie sind diese derzeit zu 12,8 Prozent gefüllt. Damit liegen die Pegel um 11 Prozentpunkte tiefer als durchschnittlich zum selben Zeitpunkt in den letzten 20 Jahren.

Noch deutlicher als bei den Stauseen falle im Tessin in diesem Frühling das Defizit der Schneereserven aus, hielt Laurent Filippini, Leiter des kantonalen Amtes für Gewässer, auf Anfrage von Keystone-SDA fest. Demnach lag das sogenannte Schneewasseräquivalent Anfang Mai bei etwa 35 Prozent des durchschnittlichen Werts zu Beginn des Monats.

Diese Situation resultiere aus einem Winter mit geringen Schneefällen und könne die Wasserverfügbarkeit in den kommenden Monaten beeinflussen, erklärte Filippini. Der Fortgang sei jedoch abhängig von der weiteren Wetterentwicklung.

Auch im nahen Norditalien nehmen die verfügbaren Wasserreserven ab, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Überdurchschnittliche Temperaturen im April hätten die Schneeschmelze in den Alpen beschleunigt, während es nur wenig geregnet habe.

Im Vergleich zu Anfang Monat habe sich der Zustand der Wasserreserven zwar etwas verbessert. Jedoch lag er in der Lombardei auch per 20. Mai noch 27,8 Prozent unter dem historischen Mittelwert, wie die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos schrieb. Es habe einige Schneefälle gegeben, die das Defizit nicht ausgleichen, aber die Abnahme der Wasserreserven gestoppt hätten.

Vor allem dank der Niederschläge der letzten Wochen und einer besonders vorsichtigen Steuerung der Ausleitungen hätten wertvolle Reserven in den grossen Seen gespeichert werden können, zitierte Adnkronos Massimo Sertori, Wasserressourcen-Beauftragter der Region Lombardei.

Laut dem am Donnerstagabend aufgeschalteten, aktuellen Trockenheitsbulletin sind die Abflussmengen in weiten Teilen der Schweiz für die Jahreszeit allgemein tief bis sehr tief. Einzig in der Westschweiz sei die Lage weniger angespannt. Besonders gross sei das Abflussdefizit in Teilen des Wallis, des Berner Oberlandes, des Tessins und Graubündens.

Zu dieser Jahreszeit müssten die Flüsse aufgrund der Schneeschmelze mehr Wasser führen, heisst es auf der nationalen Trockenheitsplattform weiter. In den Bergen liege derzeit jedoch deutlich weniger Schnee als üblich. Das Schneewasseräquivalent entspreche den Werten, die normalerweise erst einen Monat später im Jahr erreicht würden.

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