Kanton unterstützt: Jeder siebte Freiburger Bauer leidet psychisch
Eine neue Studie zeigt, dass viele Landwirtinnen und Landwirte im Kanton Freiburg psychisch stark belastet sind.

Das Wichtigste in Kürze
- Jede siebte Bäuerin und jeder siebte Bauer im Kanton Freiburg leidet unter psychischem Stress.
- Der Kanton hat als Reaktion sein Unterstützungsangebot ausgebaut.
- Digitalisierung und administrative Aufgaben sind ein oft unterschätzter Stressfaktor.
Eine vom Kanton Freiburg in Auftrag gegebene Studie zeigt: Jede siebte Bäuerin und jeder siebte Bauer im Kanton Freiburg leidet unter psychischem Stress.
Viele finden kaum noch Momente des Glücks. Lange Arbeitstage, kaum Ferien und finanzielle Sorgen prägen den Alltag vieler Betriebe.
Vielschichtige Ursachen
Die Gründe für diese Entwicklung seien vielschichtig, sagt Sabine Müller gegenüber SRF. Sie ist stellvertretende Direktorin des Landwirtschaftlichen Instituts des Kantons Freiburg.
Nebst harter Arbeit könne auch die Tierhaltung emotional belasten. «Ein Bauernhof bringt mehr Verantwortung als manch anderer Job», so Müller. «Geht es den Tieren schlecht, nehmen sich das viele Bäuerinnen und Bauern extrem zu Herzen.»
Diese enge emotionale Bindung an die Tiere unterscheidet die Landwirtschaft von vielen anderen Berufen. Anders als in einem klassischen Angestelltenverhältnis lässt sich die Arbeit kaum von der eigenen Existenz trennen. Ein kranker Betrieb bedeutet für viele auch persönliches Scheitern.
Wenn die Familie zum Pulverfass wird
Auf Landwirtschaftsbetrieben sind Wohnen und Arbeiten eng miteinander verknüpft. Der Stress überträgt sich deshalb direkt auf das Privatleben. «Wenn man zusammenarbeitet, ist es gar nicht möglich, sich aus dem Weg zu gehen», erklärt Müller.
Die Folge sei oft eine Abwärtsspirale: Der Druck im Betrieb führe zu Streit in der Familie, häusliche Konflikte verstärkten wiederum die psychischen Probleme.
Gerade weil Betrieb und Familie so eng verzahnt sind, fehlt vielen Betroffenen ein Rückzugsort. Wo andere nach der Arbeit abschalten können, bleibt der Hof für Bäuerinnen und Bauern rund um die Uhr präsent.
Psychische Belastung in Zahlen
Die Studie liefert konkrete Zahlen. 35,1 Prozent der befragten Landwirtinnen und Landwirte fühlen sich bei der Arbeit immer oder die meiste Zeit gestresst. 14,4 Prozent fühlten sich in den Wochen vor der Befragung meist niedergeschlagen und deprimiert.

Nur 55,1 Prozent gaben an, sich die meiste Zeit glücklich zu fühlen. Zudem hat nur etwa jede zweite befragte Person das Gefühl, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird.
Diese Zahlen zeigen: Es geht nicht nur um vereinzelte Belastungsspitzen, sondern um einen Dauerzustand, der einen grossen Teil der Freiburger Landwirtschaft betrifft.
Kanton baut Unterstützung aus
Um Betroffenen zu helfen, hat der Kanton Freiburg in den vergangenen zwei Jahren seine Unterstützungs- und Beratungsangebote ausgebaut. Unter anderem werden Schulungen für administrative Aufgaben angeboten.
Ein oft unterschätzter Stressfaktor sei laut Müller die fortschreitende Digitalisierung. Immer mehr Formulare und Prozesse müssen am Computer erledigt werden, viele Bauernbetriebe seien damit überfordert.
Das Landwirtschaftszentrum Grangeneuve bietet deshalb eine Weiterbildung zu einer speziellen Buchhaltungssoftware für Bauernbetriebe an.
Solche praktischen Hilfsangebote sollen die administrative Last spürbar senken. Dadurch bleibt mehr Zeit und Energie für den eigentlichen Betrieb und die Familie.
Tabu wird gebrochen
Die neuen Kurse laufen laut Müller noch nicht lange, die ersten Rückmeldungen seien aber positiv. «Gerade in der Welt der Landwirtschaft hat man das Thema lange totgeschwiegen», sagt sie gegenüber SRF. Die Freiburger Studie habe dazu beigetragen, das Tabu zu brechen und das Problem aktiv anzugehen.
Der Kanton will den Zustand der bäuerlichen Bevölkerung deshalb künftig regelmässig untersuchen, um die Hilfsangebote laufend anzupassen. Ziel sei es, frühzeitig zu erkennen, wo zusätzliche Unterstützung nötig ist, bevor aus Stress ernsthafte psychische Probleme werden.













