Junge finden Politik kompliziert – Sprache soll einfacher werden

    Marco Schlatter
    Marco Schlatter

    Zürich,

    Die Parteien müssen im Wahlkampf für die nächsten Parlamentswahlen auch die Jungen erreichen – doch dafür müssen sie sprachliche Hürden überwinden.

    sprache
    Vielen Jungen ist Politik zu kompliziert – damit sie besser mitreden können, soll die Sprache vereinfacht werden. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Parteien starten den Wahlkampf für die nächstjährigen Stände- und Nationalratswahlen im Oktober 2027.
    • Junge Erwachsene sind politisch interessiert und engagiert, stossen jedoch auf verschiedene Hürden.
    • Eine davon: Die Sprache ist ihnen zu kompliziert.

    Der Wahlkampf für die nationalen Wahlen 2027 nimmt langsam Fahrt auf. Die Parteien bringen sich in Stellung und versuchen, die Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen.

    Eine Gruppe dürfte dabei besonders im Fokus stehen: die jungen Erwachsenen.

    Denn obwohl sich viele von ihnen für Politik interessieren, beteiligen sie sich vergleichsweise selten an Abstimmungen und Wahlen. Ein Grund dafür könnte die Sprache sein. Politische Inhalte sind für viele schwer verständlich.

    Wahlen 2027
    Blick ins Schweizer Parlament. Im 2027 stehen die National- und Ständeratswahlen an. - keystone

    51 Prozent der befragten Jugendlichen empfinden die Sprache der Politikerinnen und Politiker als zu kompliziert. Das zeigt der Schweizer Jugend- und Demokratiemonitor 2025. Auch die Abstimmungsthemen stellen eine Hürde dar: 44 Prozent finden diese zu komplex.

    Politisches Interesse ist vorhanden

    Dass junge Menschen grundsätzlich wenig Interesse an Politik haben, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Im Gegenteil: «Die Ergebnisse zeigen, dass sich Junge für Politik interessieren», sagt Sophie Schäfer, Politologin beim Forschungsinstitut gfs Bern, zu Nau.ch.

    Wie gross das Bedürfnis nach verständlicher Information ist, zeigt auch der Jugendmonitor: 94 Prozent der Jugendlichen, die Easyvote als Informationsquelle für politische Ereignisse nutzen, beurteilen dessen Inhalte als hilfreich.

    Julia Kopf vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ) beobachtet ebenfalls eine positive Entwicklung, wie sie auf Anfrage erklärt: «Das Interesse an weltweiter Politik hat sogar einen Höchststand seit Beginn der Befragung im Jahr 2014 erreicht.»

    Besonders Themen, die einen Bezug zum eigenen Alltag haben oder emotional bewegen, würden auf Interesse stossen. Die Schwierigkeit liege vielmehr darin, dieses Interesse in tatsächliche Beteiligung umzuwandeln.

    Sprache soll einfacher werden

    Heisst: Wer junge Menschen erreichen will, muss politische Inhalte verständlich vermitteln und Themen aufgreifen, die ihren Alltag betreffen.

    Die Jugendparlamente reagieren darum mit neuen Abstimmungsbroschüren auf die Ergebnisse der Studie: Damit wollen sie auf ihr Angebot aufmerksam machen, Politik in vereinfachter Sprache zu erklären – das Tool Easyvote.

    Findest du die Sprache der Politiker zu kompliziert?

    Die Jugendparlamente sehen aber auch Politikerinnen und Politiker in der Verantwortung. Kopf erklärt: «Viele geben an, die einzelnen politischen Akteurinnen und Akteure schlicht nicht genug zu verstehen, um ihnen vertrauen zu können.»

    Junge beteiligen sich trotz Interesse nicht an Wahlen

    Die Jungen sind also interessiert, beteiligen sich aber nicht an Politik, weil sie vieles nicht verstehen.

    Wie gross die Lücke zwischen Interesse und Beteiligung ist, zeigen weitere Zahlen. Nur 31 Prozent der stimmberechtigten jungen Menschen geben im Jugendmonitor an, sich an der nächsten Abstimmung beteiligen zu wollen.

    Zudem fühlen sich 54 Prozent nicht ausreichend auf das Wählen und Abstimmen vorbereitet. Dabei befürworten junge Menschen die demokratische Mitbestimmung grundsätzlich: 80 Prozent sind der Meinung, dass ein Land davon profitiert, wenn die Bevölkerung mitbestimmen kann.

    Gehst du regelmässig wählen?

    Für Politologin Sophie Schäfer ist deshalb entscheidend, dass junge Menschen erleben, etwas bewirken zu können. «Für Jugendliche ist das Gefühl, etwas bewirken zu können, die wichtigste Voraussetzung für mehr politisches Engagement.»

    Es brauche deshalb verständliche Informationen und praktische Erfahrungen. Dazu gehöre etwa, Wahl- und Abstimmungsprozesse gemeinsam zu üben.

    Dass sich junge Erwachsene seltener beteiligen als ältere Menschen, ist allerdings kein neues Phänomen. Laut Schäfer zeigen verschiedene Daten zu Wahlen und Abstimmungen eine tiefere Beteiligung der jüngeren Generation im Vergleich zu den älteren.

    Aber auch die Wahl- und Abstimmungsbeteiligung der gesamten Bevölkerung ist in den vergangenen hundert Jahren zurückgegangen. Das Problem betrifft also nicht nur die Jungen.

    Die Parlamentswahlen finden am 24. Oktober 2027 statt.

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    Kommentare

    User #6411 (nicht angemeldet)

    Schauen wir bei der SVP. Einfache Sprache für komplexe Sachverhalte. Aber es is leider nicht immer so einfach (EU "schlecht", Bilaterale eine "Unterwerfung"). Man muss immer das Ganze betrachten.

    User #2752 (nicht angemeldet)

    Etwas Kompliziertes einfach zu machen ist kompliziert. Und für die Einfachen wird es nicht einfacher, wenn man ihnen das Komplexe vereinfacht, denn wie sollen Sie es denn lernen?

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