Jöö-Invasion durch Waschbären: So wird Vermehrung eingedämmt
Es gibt immer mehr Waschbären. Am Hegetag des Hegerings Olten-Gösgen-Gäu wurde im Schützenhaus in Gunzgen über Massnahmen, und worauf zu achten ist, informiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Waschbär ist im Anmarsch.
- Am Hegetag des Hegerings Olten-Gösgen-Gäu wurde im Schützenhaus in Gunzgen informiert, was gegen die unkontrollierte Vermehrung des gebietsfremden Tieres zu tun ist und worauf die hiesigen Jägerinnen und Jäger achten müssen.
Der gebietsfremde Nordamerikanische Waschbär ist ein Allesfresser und stellt eine Gefahr für einheimische Tierarten dar. Das Raubtier kann lokale Bestände empfindlicher Arten wie Amphibien, Reptilien und Vögel stark unter Druck setzen.
Zudem konkurriert er mit einheimischen Arten wie Marder, Iltis und Dachs und kann Krankheitserreger übertragen. Auch für den Menschen wird der Waschbär zunehmend zur Herausforderung: Im Siedlungsgebiet bedient er sich gelegentlich am Kehricht und er kann Dämmungen in Dächern beschädigen.
Population könnte sich rasant vermehren
In der Schweiz wurden zwischen April 2024 und März 2025 insgesamt 69 Waschbären erlegt –Tendenz steigend. Noch ist die Situation nicht prekär, doch die Entwicklung in Deutschland zeigt, wie schnell sich die Lage verändern kann: Im selben Zeitraum wurden dort über 284'000 Tiere erlegt.
Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl beim nördlichen Nachbarn ungefähr verdoppelt. Die heutige Verbreitung geht auf zwei Ereignisse zurück: Einerseits wurde der Waschbär 1934 im Raum Hessen entgegen Expertenmeinungen zur «Bereicherung der Fauna» gezielt ausgesetzt, andererseits entkamen in den 1940er-Jahren Tiere aus deutschen Pelztierfarmen. In den 2000er-Jahren breitete sich die Art dann zunehmend rasant aus.
Waschbär-Sichtungen sind zu melden
Nun scheint der Waschbär auch Gefallen an der Schweiz zu finden. Am verbreitetsten ist er im Baselbiet, weshalb man sich nun auch im Kanton Solothurn verstärkt mit der Ausbreitung des Tieres auseinandersetzt.
Im Jagdrevier 45 (Engelberg – Dulliken) beispielsweise wurde im Oktober 2024 erstmals ein Waschbär erlegt – durch einen Deutschen Wachtelhund einer Försterin aus Norddeutschland. «Dass dieser den Waschbär entdeckt hat, kommt nicht von ungefähr: In Deutschland werden die Jagdhunde gezielt auf Waschbären trainiert», informiert Christian Wüthrich, Präsident des Hegerings Olten-Gösgen-Gäu (OGG).
Doch Vorsicht: «Der Hund hat anschliessend himmeltraurig ausgesehen und musste verarztet werden – ein Waschbär weiss sich zu wehren», mahnt Wüthrich. Im Wasser könne der Waschbär den Hund sogar ertränken, ergänzt Gabriel Sutter, Wildhüter beider Basel, der als Gast beim Hegering OGG vor rund 60 Jägerinnen und Jäger über die Waschbär-Thematik referierte.

Ein gemeinsames Merkblatt der Kantone Solothurn, Aargau und beider Basel weist mittlerweile auf die Waschbär-Problematik hin. In diesem wird die Bevölkerung auch aufgefordert, Sichtungen zu melden. «Idealerweise sollten derlei Meldungen immer mit Foto- oder Videomaterial belegt werden, denn erfahrungsgemäss stellen sich 8 von 10 Meldungen als andere Tiere heraus», weiss Gabriel Sutter.
So tierschutzgerecht wie möglich
Früher spielte Tierschutz bei der Jagd kaum eine Rolle. Dies wurde im Vortrag von Hegechef Bruno Fürst deutlich, der die Entwicklung der Fallenjagd von der Frühzeit bis in die jüngere Vergangenheit beleuchtete.
Im Mittelalter kam etwa die sogenannte Wolfsangel zum Einsatz: ein meist doppelseitiger, mit Köder versehener Eisenhaken, der in Sprunghöhe an einer Kette hing.
Sobald ein Wolf nach dem Köder schnappte, blieb er hängen und verendete unter Qualen. Solche Bilder prägen bis heute die öffentliche Wahrnehmung der Jagd. In der Schweiz ist der Einsatz von Tierfallen heute jedoch klar geregelt.
Totschlagfallen, also Fallen, die Tiere sofort töten, sind seit Inkrafttreten der eidgenössischen Jagdverordnung am 1. April 1988 grundsätzlich verboten. Dazu zählen auch Schlingenfallen und Tellereisen (umgangssprachlich als «Bärenfallen» bekannt).

Dennoch kommt es weiterhin vor, dass Wilderer solche Methoden einsetzen und dadurch das ganze Jagdwesen in Verruf bringen. Denn die Jagdgesellschaften verwenden heute ausnahmslos Lebendfallen.
Marshmallows als Köder
Um den Waschbär einzufangen, kommt in urbanem Gebiet bevorzugt eine Kastenfalle mit Greifauslösung zum Einsatz. «Beim Kasten sollte es sich nicht um eine Gitterkonstruktion handeln», erläutert Gabriel Sutter, «denn so hat das gefangene Tier noch immer die Freiheit vor Augen, was zu grossem Stress führt.»
Daher sollte die Kastenfalle entsprechend abgedunkelt sein. Gleichwohl ist klar: Eine Lebendfalle dient im Umgang mit dem Nordamerikanischen Waschbären – der übrigens vorzugsweise mit Marshmallows angelockt wird – nicht dazu, ihn umzusiedeln; das Tier wird anschliessend fach- und tierschutzgerecht erlegt.
Hoher Niedlichkeitsfaktor als Herausforderung
Im Gegensatz zu anderen invasiven Arten wie der Asiatischen Hornisse oder der Quagga-Muschel besitzt der Waschbär einen hohen Sympathiewert in der Bevölkerung. Dieser «Jöö-Effekt» erschwert entsprechend den Umgang mit dem Tier.
Die Bevölkerung reagiere unterschiedlich, wenn Wildhüter Gabriel Sutter erscheine, um sich um einen gemeldeten Waschbären zu kümmern: «Die Reaktionen auf meine Einsätze können sehr unterschiedlich sein – selbst an Orten, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen. Während ich mancherorts viel Anerkennung erfahre, wird meine Arbeit andernorts eher kritisch beobachtet.»
Daher sei es wichtig zu informieren, weshalb man den Waschbären-Bestand zu regulieren versuche. Erfolgt die Regulierung nämlich nicht, drohe eine ähnliche Eskalation wie in Deutschland, wo die Jäger mit dem Erlegen der Waschbären kaum noch nachkommen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Neuen Oltner Zeitung» erschienen.








