Stadt Zürich

    Jetzt wird Seebachs Geschichte digital

    Pia Meier
    Pia Meier

    Zürich,

    Seebachs Geschichte wird digital: Eine neue interaktive Karte lädt zu einer Zeitreise durchs Quartier ein.

    Seebach reist durch die Zeit
    Historische Orte: Ein Klick genügt, um mehr über sie zu erfahren. - PD

    In die Seebacher Vergangenheit eintauchen, und das digital: Seit wenigen Wochen ist auf der Website des Vereins Ortsgeschichte Seebach eine interaktive Geschichtskarte abrufbar. Für Jürg Müller, langjähriger Vereinspräsident, ein Grund zur Freude. «Wir haben im Moment um die 150 Einträge. Es werden noch viele folgen. So fehlen zum Beispiel zurzeit noch Einträge über Industrie und Landwirtschaft.»

    Die Karte wird laufend erweitert und mit neuen Bildern und Geschichten ergänzt. «Es gibt immer wieder Spannendes zu entdecken», ist Müller überzeugt. Die geschichtsträchtigen Orte lassen sich auf der Karte mit wenigen Klicks erkunden.

    Zu jedem Standort gibt es Hintergrundinformationen, Bilder und Geschichten. Filter und eine Volltextsuche erleichtern die Orientierung. Das digitale Angebot reicht von der Bahnstrecke Seebach – Wettingen über die Wallfahrtskirche Maria Lourdes und das Schulhaus Himmeri-Heumatt bis zum Seebacher Hof.

    Dabei kommen auch überraschende Episoden ans Licht. Wer erinnert sich beispielsweise noch daran, dass das Schweizer Fernsehen 1988 mit der Sendung «Diräkt us ...» und Moderator Wysel Gyr in Seebach zu Gast war? Aufgezeichnet wurde die Sendung im Quartierteil Buchwiesen, unweit des Schulhauses und der gleichnamigen Wohnüberbauung.

    Mit der neuen Geschichtskarte baut der Verein Ortsgeschichte Seebach sein digitales Museum weiter aus. Nach eigenen Angaben ist er der erste Ortsgeschichtsverein der Stadt Zürich, der dieses Instrument nutzt.

    Der virtuelle Historiker

    Jürg Müller betreut die Geschichtskarte persönlich. Auch die Bevölkerung kann ihr historisches Wissen einbringen und bestehende Einträge mit zusätzlichen Informationen ergänzen. Korrekturen lassen sich allerdings nicht direkt vornehmen, sondern müssen über die Feedback-Funktion gemeldet werden. «Die Geschichtskarte bringt der Bevölkerung etwas. Sie stellt den Seebacherinnen und Seebachern die Geschichte ihres Quartiers zur Verfügung.»

    Darüber hinaus lassen sich auf der digitalen Karte individuelle Rundgänge durch das Quartier zusammenstellen. Noch in den Startlöchern steht «Max Seebacher», ein virtueller Historiker und Chronist, der die Geschichte des Quartiers seit dessen erster urkundlicher Erwähnung im Jahr 1212 kennt. Hinter Max Seebacher steckt eine Anwendung mit künstlicher Intelligenz (KI).

    Interessierte können ihm Fragen zur Vergangenheit Seebachs stellen, die er in der Rolle eines Historikers in verständlicher Sprache beantwortet. Als Wissensgrundlage dient unter anderem das umfangreiche Archiv des Vereins. «98 Prozent der Auskünfte sind vom Verein Ortsgeschichte Seebach, und diese stimmen», versichert Müller.

    «Wir hoffen, dass Max Seebacher noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden kann.» Für die Geschichtskarte sucht der Verein derweil noch Sponsoren. Auch deren Geschichte soll Max Seebacher kennen.

    Geplant ist zudem eine App. Über sie sollen künftig die Geschichtskarte, der KI-Chat und die Website des Vereins bequem zugänglich sein. Das digitale Geschichtsprojekt könnte derweil Schule machen: Auch in Albisrieden und beim Quartierverein Witikon wird an interaktiven Geschichtskarten gearbeitet.

    Und dies, obwohl Albis-rieden bereits über ein eigenes Museum verfügt. Müller sieht darin keinen Widerspruch: «Ich bin überzeugt, dass diese Geschichtskarte ein physisches Museum nicht konkurrenziert. Aber natürlich müssen diese verlinkt werden.» Die Idee für die interaktive Geschichtskarte kam vom Ortsmuseum Bergdietikon im Limmattal.

    Für den Seebacher Verein ist das digitale Angebot vor allem eine Alternative zu einem eigenen Museum. Jahrelang suchte er vergeblich nach geeigneten Räumlichkeiten im Quartier. «Dass in Zukunft noch ein Museum eingerichtet werden kann, halte ich nicht für plausibel», sagt Müller.

    Die digitale Variante habe zudem den Vorteil, dass sie kostenlos zugänglich sei und ein breiteres Publikum erreiche. Mit dem neuen Angebot verbindet der Verein auch die Hoffnung auf Zuwachs. «Wir wollen damit auch neue Mitglieder gewinnen», sagt Müller. Die bisherigen Rückmeldungen seien erfreulich.

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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