415 Flüchtlinge müssen zwei weitere Tage auf einem Rettungsschiff ausharren: Die italienischen Behörden haben dem Schiff einen entfernten Hafen zugewiesen.
Seenotrettungsschiff Sea-Eye 4
Das Rettungsschiff «Sea Eye 4» vor dem Einsatz in einem deutschen Hafen. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Das deutsche Flüchtlingsrettungsschiff «Sea Eye 4» muss Sizilien umrunden.
  • 400 Flüchtlinge an Bord müssen zwei weitere Tage auf See ausharren.
  • Die Betreiber des Schiffs sprechen von «Schikane».

Italien hat das deutsche Hilfsschiff «Sea-Eye 4» mit mehr als 400 Migranten an Bord in die Stadt Pozzallo geschickt. Dies, obwohl es sich am anderen Ende der Mittelmeerinsel Sizilien befand.

Die private Betreiberorganisation Sea-Eye aus Regensburg äusserte am Donnerstag Kritik an der Entscheidung. Sprecher Gorden Isler sagte der Nachrichtenagentur DPA: «Es ist für uns völlig unverständlich, dass Pozzallo der nächste sichere Hafen für die Menschen sein soll, wo wir doch in Palermo sind.» Die Massnahme könne als «Schikane» eingestuft werden.

Bürgermeister von Palermo zeigte sich offen für Hilfe

Italien hatte die offizielle Anweisung zur Fahrt in den Hafen südöstlich von Ragusa laut der Nachrichtenagentur Ansa am Mittwochabend erteilt. Zuvor hatte das Schiff Palermo angesteuert, wo der Bürgermeister sich offen für Hilfe gezeigt hatte. Am Mittwochnachmittag war Sea-Eye zufolge ein Mann aus der Gruppe der 415 Bootsmigranten von der Küstenwache wegen eines Herzleidens abgeholt worden.

«Die Geretteten, darunter etwa 150 Kinder und auch schwangere Frauen, müssen wegen der Fahrt noch mal zwei Nächte auf dem Schiff verbringen», erläuterte Isler. Es gehe Rom offenbar darum, «auch künftig unsere Missionen zu verzögern».

Die zivilen Seenotretter hatten die Menschen in den vergangenen Tagen bei mehreren Einsätzen aus Booten geholt. Die Migranten brechen meist von Libyen und Tunesien aus Richtung Italien auf. Nach UN-Angaben starben 2021 schon mehr als 575 Menschen beim Versuch, das zentrale Mittelmeer zu überqueren. Auf der italienischen Insel Lampedusa kamen kürzlich an einem Wochenende mehr als 2000 Geflüchtete an.