Krieg

Iran-Krieg: Droht jetzt Preis-Schock an Schweizer Tankstellen?

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Zürich,

Nach den Angriffen auf den Iran spitzt sich der Konflikt in der Golfregion zu. Ein Experte warnt vor höheren Ölpreisen. Schweizer Erdölimporteure beruhigen.

Tankstellen
Der Iran-Krieg könnte sich an Schweizer Tankstellen bemerkbar machen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach den Angriffen auf den Iran spitzt sich der Konflikt in der Golfregion zu.
  • Ölpreise und Börsen dürften auf die Ereignisse reagieren.
  • Ob Benzin und Heizöl in der Schweiz teurer werden, ist noch unklar.

Nach den Angriffen auf den Iran hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. Droht nun eine Ölkrise?

Stephen Dover, Leiter des renommierten Franklin Templeton Institute, warnt in einem Communiqué vor spürbaren Folgen für die globale Wirtschaft.

Entscheidend sei, ob der Konflikt die Energie- und Lieferketten trifft. Dann drohe eine höhere und «hartnäckigere» Risikoprämie.

Experte warnt vor steigenden Preisen

«Die unmittelbare Folge sind höhere Rohöl- und Erdgaspreise – dabei darf man Flüssigerdgas (LNG) nicht ausser Acht lassen.» Besonders heikel sei die Strasse von Hormus: Diese sei ein «makroökonomischer Schutzschalter».

Stephen Dover
Stephen Dover, Leiter des Franklin Templeton Institute, warnt nach den Luftschlägen gegen den Iran vor höheren Preisen. - zvg

Verzögerungen oder Störungen könnten Preise schnell in die Höhe treiben, warnt Experte Stephen Dover. Zusätzlich verteuere sich der Transport in der Schifffahrt.

Doch was bedeutet das konkret für die Schweiz?

Ueli Bamert von Avenergy, dem Verband der Importeure flüssiger Brenn- und Treibstoffe in der Schweiz, ordnet die Lage für Nau.ch ein.

«Jedes Ereignis, das potenziell zu einer Störung der weltweiten Öl-Vertriebskanäle oder zu einer Beschränkung der Öl-Fördermenge führt, kann einen Einfluss auf den Ölpreis haben.»

Einfluss lässt sich noch nicht abschätzen

Das gelte besonders für Ereignisse im Nahen Osten. «Dies aufgrund der zahlreichen wichtigen Ölförderländer in der Region, Iran inklusive.»

Gleichzeitig betont Bamert: «Ob diese militärische Intervention den Ölpreis beeinflussen wird, steht allerdings noch nicht fest.»

Denn: «Auf die letzten Verwerfungen in der Region, insbesondere auf den 12-Tage-Krieg gegen den Iran im letzten Juni, hat der Markt erstaunlich gelassen reagiert.»

Zentral sei die Frage, wie lange der Krieg dauere und ob der Iran die wichtige Strasse von Hormus blockiere.

«Letzteres könnte, je nach Dauer, durchaus zu steigenden Ölpreisen führen. Es ist allerdings unklar, ob der Iran militärisch überhaupt in der Lage wäre, dies zu tun», so Bamert.

Ob und wie stark die Benzin- und Heizölpreise in der Schweiz steigen, kann Bamert noch nicht sagen. «Es wäre unseriös, zum jetzigen Zeitpunkt Prognosen zu machen.»

Fest steht dafür: Auch wenn die Öltransporte aus der Golfregion unterbunden werden, so schnell geht der Schweiz das Öl nicht aus.

Ölbranche: «Versorgung dank Pflichtlager gewährleistet»

«Dank unserer Pflichtlager ist die Versorgung mit Benzin, Diesel, Heizöl (4,5 Monate) und Flugpetrol (3 Monate) stets voll und ganz gewährleistet», sagt Bamert.

Und: «Ein Ereignis wie wir es momentan erleben, wäre aber noch nicht einmal ein Grund, diese Pflichtlager anzuzapfen.»

Bereiten dir die gestiegenen Benzinpreise Sorgen?

Die internationalen Versorgungswege seien sehr resilient. «Sowohl Rohöl als auch Mineralölprodukt können jederzeit kurzfristig aus anderen Kanälen bezogen werden.»

Die Strasse von Hormus ist eine strategisch wichtige Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Auf ihr werden etwa ein Fünftel des globalen Ölexports transportiert.

Öltanker in Strasse von Hormus angegriffen

Nach staatlichen Angaben des Omans wurde heute Sonntag ein Öltanker nahe der Strasse von Hormus angegriffen. Vier Personen wurden beim Angriff auf das Schiff unter der Flagge des Pazifik-Inselstaats Palau verletzt.

hormus
Die Strasse von Hormus (rot markiert) ist das wichtigste Nadelöhr für den Ölexport nach Asien (China, Indien, Japan), Westeuropa und in die USA. - OpenStreetMap

Wie die Börse auf die jüngste Eskalation reagiert, wird sich am Montag zeigen. Stephen Dover vom Franklin Templeton Institute rechnet mit Kursverlusten. Der Goldpreis dürfte hingegen steigen.

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Kommentare

User #3081 (nicht angemeldet)

Vielleicht überlagen Dreckschleuderbesitzer (Benzin/Diesel) endlich umzusteigen ansatt die Umwelt weiter zu vergiften !

Strom

Sagen wir es so, jedes zusätzlich verkauftes BEV braucht jetzt und in Zukunft keinen Sprit mehr. Somit bleibt jedem Verbrenner mehr übrig, resp. die Lager werden weniger schnell leer. Ist doch eigentlich toll, wenn heute nicht mehr zu 100% Verbrenner rumfahren weil jeder Verbrenner dieses valide Elixier zu 100% braucht, um von A nach B zu kommen. Wir Autofahrer müssen uns solidieren. In Kriesen zurücktreten und anderen den Vortritt lassen, das war und ist immer noch meine Devise. Ich sag da gerne: He, geh Du tanken, ich komme ohne klar. Seit also friedlich und streitet euch nicht um den Sprit, es gibt laut oberstem Importeur-Chef noch genug für jeden. Da vermute ich nur Aufmache von Sensationsmedien und Angstmacherei. Lasst euch Verbrenner da nicht in eine Kauffalle drücken. Wartet einfach so lange, bis der Most wieder günstiger wird und ihr habt da keine finanziellen Nachteile. Da lachen natürlich die Dieselfahrer, welche nur einmal in zwei Monaten an die Tanke fahren müssen. Die sitzen diese Krise sowas von locker aus.

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