Invasive Quaggamuschel verursacht Kosten von Hunderten Millionen
Die invasive Quaggamuschel breitet sich in Schweizer Seen aus. Sie bedroht das Ökosystem und verursacht Schäden in Millionenhöhe.

Das Wichtigste in Kürze
- Die invasive Quaggamuschel besiedelt fast alle grosse Schweizer Seen.
- Ist sie einmal da, kriegt man die Muschel eigentlich nicht mehr weg.
- Durch die Muschel entstehen Kosten in Millionenhöhe.
Die invasive Quaggamuschel ist in grossen Teilen Europas verbreitet und hat mittlerweile auch viele Schweizer Gewässer erreicht. Die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Muschel verursacht dabei hohe Kosten.
Besonders aufgrund ihrer raschen Ausbreitung ist sie in Schweizer Seen nicht gerne gesehen. Die weiblichen Tiere produzieren nämlich bis zu einer Million Eier pro Jahr. Ist die Muschel einmal da, kriegt man sie eigentlich nicht mehr weg.

«Aktuell sind nachweislich zehn Schweizer Seen von der Quaggamuschel besiedelt». Das sagt Thomas Müller von der Quagga-Fachstelle des Wasserforschungsinstituts der ETH Zürich (Eawag).
Die Fachstelle koordiniert und standardisiert das Monitoring der Quaggamuschel. Zudem unterstützt sie die Früherkennung und Prävention sowie die Zusammenarbeit mit Kantonen, Bevölkerung und internationalen Partnern.
Fast alle grossen Schweizer Seen betroffen
Betroffen sind fast alle grossen Schweizer Seen, mit Ausnahme des Thuner- und des Brienzersees. Konkrete Zahlen zur jährlichen Ausbreitung gibt es laut Müller nicht.
«Die Ausbreitung innerhalb eines Gewässers ist je sehr unterschiedlich», sagt er. Sie hänge unter anderem auch stark vom Invasionsstadium und der Gewässertiefe ab. «Zu Beginn der Invasion nehmen die Populationen jeweils vor allem in der Uferzone sehr schnell zu.»
Mit der Zeit beginnen sie schliesslich, in grössere Tiefen vorzudringen, so Müller. Dabei gibt es für die invasive Muschelart eigentlich keine Grenzen. So wurden im Bodensee auch am tiefsten Punkt des Sees Quaggamuscheln festgestellt. In einer Tiefe von 251 Metern.
Kosten von Hunderten von Millionen Franken
Die Quaggamuschel verursacht hohe wirtschaftliche Schäden. Sie tut dies insbesondere durch die Verstopfung und Beschädigung von Wasserwerken, Kühl- und anderen technischen Anlagen.
Es entstehen erhebliche Kosten für Reinigung, Umbauten und den Neubau muschelsicherer Anlagen sowie für betroffene Boote und Fischereigeräte. Alleine in der Schweiz entstehen laut dem Eawag Kosten von Hunderten von Millionen Franken.
So gelangt die Quaggamuschel in neue Gewässer
«Als Hauptvektor für die Ausbreitung in neue Gewässer gilt hauptsächlich der Bootstransport», sagt Thomas Müller. Entweder halten sich dabei die Muscheln am Boot fest oder die Larven überleben in Wasserrückständen, die in neue Gewässer gelangen.
Die Frage, ob die Hitze- und Trockenphase einen Einfluss auf die Ausbreitung der Quaggamuschel hatte, lasse sich nicht klar beantworten. Thomas Müller sagt: «Hitze und Trockenheit haben unseres Wissens keinen Einfluss auf die weitere Verbreitung.»

Solche Bedingungen würden laut Müller die Verschleppungswahrscheinlichkeit eher verkleinern, da die Muscheln und Larven beim Gewässerwechsel eher austrocknen und sterben.
Deshalb schadet die Quaggamuschel unseren Gewässern
«Die ökologischen Veränderungen, welche die Quaggamuschel beeinflussen kann, sind vielfältig», sagt Thomas Müller. Einerseits seien Quaggamuscheln Filtrierer und entnähmen beim Filtrieren des Wassers grosse Mengen an Phytoplankton und Nährstoffen.
«Dadurch wird zwar das Wasser klarer, aber die Nährstoffe fehlen dann dem Rest des Ökosystems.» Dies könne die Nahrungsgrundlage für andere Organismen verändern und langfristig Auswirkungen auf das gesamte Nahrungsnetz haben.
«Andererseits sind Quaggamuscheln sehr konkurrenzstark und können einheimische Arten verdrängen.» Allerdings stammen laut Müller viele der bisherigen Erkenntnisse über die langfristigen ökologischen Auswirkungen aus Nordamerika, insbesondere aus den Grossen Seen.
Dort seien unter anderem deutliche Veränderungen des Planktons, der Nahrungsnetze und teilweise auch der Fischbestände beobachtet worden. «Viele dieser Entwicklungen sind in Schweizer Seen jedoch bisher nicht oder noch nicht eindeutig sichtbar», so Müller.
So sollte man sich verhalten, um die Ausbreitung nicht anzukurbeln
Die Eawag empfiehlt, Gewässer, die noch nicht betroffen sind, bestmöglich zu schützen. Dies gelinge mit dem Kontrollieren, Reinigen und Trocknen von Booten, Wassersport- und Fischereimaterial beim Wechsel von einem Gewässer ins Nächste.
In bereits betroffenen Gewässern könne man die Folgen abfedern. So etwa, indem man die Infrastruktur so gestaltet, dass die Muscheln und ihre Larven nicht eindringen können.







