In St. Gallen fehlt Wohnraum für Randständige
Bezahlbarer Wohnraum fehlt in St. Gallen. Für Menschen in prekären Lebenslagen wird die Situation zunehmend existenziell.

Noch gehört die Obdachlosigkeit erst vereinzelt zum Stadtbild von St. Gallen. Die Stadtpolizei stellt nach Sprecher Dionys Widmer aber immer wieder Obdachlose fest, so in Zugängen zu öffentlichen Parkhäusern und im Kantonsschulpark.
Die Gefahr einer Zunahme besteht nach den Fachleuten der Stiftung für Suchthilfe, weil immer mehr preisgünstige Wohnungen trotz eines vergleichsweise guten Gesamtangebots verschwinden. Die Sparmassnahmen von Kanton und Stadt könnten das Problem verschärfen.
«Für Personen mit Suchterkrankungen, psychischen Belastungen oder fehlendem sozialem Netz kann der Verlust von Wohnraum rasch zu einer existenziellen Krise werden», stellt Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe, im neuesten Geschäftsbericht fest.

Immerhin konnte das Pilotprojekt «Plan W», das nach dem Wegfall öffentlicher Unterstützung im letzten Jahr zwischenzeitlich pausieren musste, dank privater Geldgeber in beschränktem Umfang weitergeführt werden.
Das Angebot der Stiftung Suchthilfe unterstützt Personen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder bereits obdachlos sind, gezielt bei der Wohnungssuche, um sie vor dem Verlust ihres Daches über dem Kopf zu bewahren.
Positiv wirkte sich auch aus, dass in der Gassenküche zu Beginn der kalten Jahreszeit eine «Winterstube» eröffnet wurde, um den Menschen zusätzliche Wärme, Ruhe und niederschwellige Unterstützung zu gewähren.
Weiter bietet die Stiftung im Wohnheim «Arche» für acht Personen begleitetes Wohnen an. Allerdings besteht eine Warteliste. Das Angebot ist jedoch in Gefahr, weil der Kanton Kürzungen bei den Ergänzungsleistungen sowie eine Neufestlegung der Tagespauschalen für Aufenthalte in Wohnungseinrichtungen und Heimen plant.

Die Stadt St. Gallen erlebt eine Zunahme der Belegung des Hauses zur Grünhalde mit der Unterkunft für Obdachlose (UFO) und dem betreuten Wohnen (BWG). Das Angebot wird neuerdings durch eine psychosoziale Begleitung ergänzt. Damit kann präventiv gegen einen Wohnungsverlust gewirkt werden. Damit verfügt die Stadt St. Gallen nach Ansicht des Stadtrates über ein ausreichendes Notschlafangebot.
Eine Angebotslücke für Frauen existiere nicht, erklärt die Exekutive in Beantwortung einer Interpellation von SP-Stadtparlamentarierin Angelica Schmid-Baerlocher.
Für St. Gallen sei ein separates Angebot für Frauen aufgrund der heutigen Nachfrage- und Auslastungssituation nicht nötig. Im Haus zur Grünhalde erfolge die Unterbringung in geschlechtergetrennten Doppel- und Dreibettzimmern.
Die Suche nach tragfähigen Anschlusslösungen gestaltet sich zunehmend schwierig, wie der Stadtrat im neuesten Geschäftsbericht festhält. Es suchen öfters auch psychisch kranke Personen die Unterkunft auf. Die Zahl der Übernachtungen hat im letzten Jahr um 14 Prozent zugenommen.
Notwohnung für Frauen
Im Wissen um die besonders herausfordernde Situation für obdachlose Frauen haben die Sozialen Dienste bereits vor vier Jahren eine zusätzliche Notwohnung ausschliesslich für Frauen in Betrieb genommen, informiert der Stadtrat weiter. Hier wohnen vier hilfsbedürftige Frauen und ein Kind, für die eine Unterbringung in der Unterkunft für Obdachlose (UFO) ungeeignet wäre.
Der Stadtrat macht auch darauf aufmerksam, dass die Sozialen Dienste an einem «Konzept Wohnen» arbeiten, welches einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt.
Vorstoss der FDP-Fraktion
In einem politischen Vorstoss erklärt die FDP-Fraktion des Stadtparlaments, der Aufenthalt von Personen ohne Wohnung im Freien stelle die Stadt vor soziale, gesundheitliche und ordnungspolitische Herausforderungen.
Es stellen sich für sie die Fragen nach der Zuständigkeit der Stadt, die Wirksamkeit bestehender Massnahmen sowie die Zusammenarbeit mit dem Kanton und anderen Gemeinden beim Umgang mit obdachlosen und suchtkranken Menschen.
Sie möchte vom Stadtrat unter anderem wissen, wie er die aktuelle Situation beurteilt und ob die Wohnsitzgemeinden einen Beitrag zur Bewältigung der Probleme leisten.
Die Interpellation ist vom Stadtrat noch nicht beantwortet worden.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








