Homophobie-Eklat an Schule: Schwyzer Alp-Wirt fassungslos

Aaron Studer
Aaron Studer

Schwyz,

An einer Schwyzer Schule kam es wiederholt zu homophoben Vorfällen. Ein schwuler Alp-Wirt aus Schwyz äussert sich nun zum Thema – und geht damit viral.

00:00 / 00:00

Dieses Video veröffentlichte Yannick kurz nach dem Vorfall an der Bezirksschule. - facebook/HeirihütteRigi

Das Wichtigste in Kürze

  • An einer Schule in Schwyz wurde ein Schüler wegen seiner sexuellen Orientierung angegriffen.
  • Online solidarisiert sich ein Alp-Wirt aus Schwyz mit dem Teenager und geht viral.
  • Der Verein «Pink Cross» fordert mehr Sensibilisierung von Jugendlichen durch Lehrpersonen.

An der Bezirksschule MPS-Schwyz wurde ein Oberstufenschüler wiederholt wegen seiner sexuellen Orientierung angegriffen. Aufhorchen lässt das Ausmass: Rund 100 Schülerinnen und Schüler gingen meist verbal, vereinzelnd auch körperlich, auf den Teenager los.

Die Vorfälle spielten sich an einem Schulfest sowie kurz danach an einem Sportfest ab. Der «Bote der Urschweiz» hatte den Fall publik gemacht.

Der Schüler erzählt, es handle sich dabei nicht um Einzelfälle. Er werde regelmässig gezielt erniedrigt und als «Schwuchtel» beschimpft. Mitschüler hätten ihm sogar gesagt, er solle sich das Leben nehmen.

Alle Klassen sensibilisiert

Die Schule zieht Konsequenzen. Noch vor den Sommerferien wurden in allen Klassen sogenannte Sensibilisierungsmassnahmen durchgeführt.

Schwyz
Die MPS-Schwyz - www.bezirksschulenschwyz.ch

Das bedeutet: Schülerinnen und Schüler sollen für das Thema Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung gezielt sensibilisiert werden.

Die betroffenen Jugendlichen werden zudem durch einen Schulsozialarbeiter begleitet.

«Schwul sein ist einfach scheisse»

Nun erhält der Teenager auch Unterstützung vom Schwyzer Alp-Wirten Yannick Wieser von der «Heirihütte Rigi». Er meldet sich nach dem Vorfall auf Facebook zu Wort. Und geht damit viral: Über 800 Likes erhält er bereits.

Denn, so Wieser, er habe selber Erfahrungen mit homophobem Mobbing machen müssen.

«Was kann denn daran so schlimm sein, wenn sich zwei Personen gern haben?», fragt Yannick Wieser zu Beginn des Videos und geht auf den konkreten Vorfall an der Schule ein.

FB
In dem Video äussert sich der Alp-Wirt konkret zum Vorfall. - facebook/@heirihütterigi

Homosexualität existiere nun mal. Er könne nicht nachvollziehen, wenn man so bösartig reagiere, wenn man Liebe zeige.

Mit dem Video wolle er ein Statement setzen: «Ich will zeigen, dass in der Heirihütte Rigi jeder willkommen ist!»

Auf Nau.ch-Nachfrage geht er ins Detail: Er ist im Kanton Schwyz aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. «Ich wurde gemobbt und hatte oft das Gefühl, dass nichts, was ich tat, gut genug war», sagt er.

Seine Einstellung beruhe mehrheitlich auf seinen persönlichen Erfahrungen. Seine Schulzeit habe er als «sehr belastend erlebt».

Ein sicherer Ort für alle

Wichtig sei es ihm, einen Safe-Space, einen sicheren Ort für jeden zu erschaffen: «Dabei geht es nicht nur um die LGBTQ+ Community. Sondern ebenso um den Schutz vor Frauenfeindlichkeit, Rassismus, religiösem Hass und jeder anderen Form von Ausgrenzung.»

Er ist davon überzeugt, dass Vorurteile oft schon in frühen Lebensphasen entstehen und es daher mehr Aufklärung braucht. Eine weltoffene Gesellschaft ist sein Credo. Deshalb empfiehlt er, sich zu fragen: «Was stört mich eigentlich, und warum?»

Er hofft, dass sich die Menschen öfter selbst hinterfragen. Denn solche Ablehnung habe mehr mit den eigenen Unsicherheiten zu tun «als mit den Menschen, gegen die sie sich richtet».

Pink Cross: «Ein schwerwiegender Vorfall»

Die Dachorganisation Pink Cross vertritt schwule und bisexuelle Männer in der gesamten Schweiz. Sie hat in der Vergangenheit wiederholt auf die psychische Belastung von Betroffenen hingewiesen.

Denn viele queere Menschen trauen sich nicht, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Zum konkreten Fall äussert sich der Geschäftsleiter des Vereins mit Sitz in Bern, Daniel Furter. Er spricht von einem «schwerwiegenden Vorfall».

queer
Daniel Furter ist Geschäftsleiter von Pink Cross. - www.pinkcross.ch

Ein solcher Vorfall, bei dem jemand sogar körperlich vor Publikum angegangen wird, dürfe nicht passieren. Alle Jugendlichen hätten das Recht, «an einem sicheren und wertschätzenden Ort zur Schule gehen».

Furter begrüsst, dass die Schwyzer Schule schnell und konsequent gehandelt und Regeln durchgesetzt habe.

Doch es gäbe noch Verbesserungspotenzial: «Eine frühzeitige Prävention und Sensibilisierung aller Schülerinnen und Lehrpersonen, damit es gar nicht zu einem so schwerwiegenden Vorfall kommen kann.»

Keine Einzelfälle

Da nicht alle Fälle angezeigt werden, sei es schwierig, von einer Tendenz steigender Vorfälle zu sprechen, so Furter. Eine aktuelle Studie aus Genf bestätige jedoch, dass es sich nicht um Einzelfälle handle.

«LGBTIQ+ Jugendliche sind in der Ausbildung drei bis siebenmal mehr betroffen von Gewalt und Diskriminierung als heterosexuelle Jugendliche.»

Braucht queere Jugend mehr Schutz in der Schweiz?

Die Studie beschreibt, wie häufig die verschiedenen Gruppen von Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung betroffen sind.

Bei heterosexuellen Männern sind es beispielsweise 10,9 Prozent, bei heterosexuellen Frauen 17 Prozent. Schwule/bisexuelle Männer liegen bei 48,1 Prozent, lesbisch/bisexuelle Frauen sogar bei 53,2 Prozent.

Am häufigsten betroffen sind trans- oder non-binäre Menschen mit 70 Prozent.

Die ganze Schweiz ist betroffen

Solche Vorfälle gebe es in der ganzen Schweiz. Somit ist der Kanton Schwyz nichts Besonderes.

Der Pink-Cross-Geschäftsleiter hat genaue Vorstellungen, wie solche Vorfälle verhindert werden können. Es brauche «klare Ansagen der Schule, eine inklusive Schulkultur, ein Sensibilisieren der Schülerinnen und Lehrpersonen. Ebenso ein konsequentes Eingreifen bei ersten Anzeichen von Queerfeindlichkeit

Mehr zum Thema:

Weiterlesen

2 Interaktionen
Queere Stadtführung
Lucca
1 Interaktionen
In der Toskana
brunschweiger kolumne
148 Interaktionen
Brunschweiger-Kolumne

MEHR AUS SCHWYZ

Kapo SZ
9 Interaktionen
Schübelbach SZ
17 Interaktionen
Alpthal SZ
7 Interaktionen
Einsiedeln SZ
1 Interaktionen
Für 3,2 Mio.!