Hinter Lewinskys neuem Roman steht kühles Kalkül

Keystone-SDA
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Zürich,

Charles Lewinsky hat seinen 80. Geburtstag (14. April) zum Anlass genommen, einen neuen Roman zu schreiben. Warum «Eine andere Geschichte» ausgerechnet jetzt erschienen ist und wieso die Hauptfigur ebenfalls 80 ist, sagt der Schriftsteller im Interview.

Lewinsky
Der Schweizer Autor Charles Lewinsky. - keystone

Charles Lewinsky, sind Sie zufrieden mit «Eine andere Geschichte»?

Lewinsky: «Ja, ich glaube, das Buch wird den Lesern denselben Spass machen, den ich selber beim Schreiben hatte. Es ist eines meiner 'grossen' Bücher, wie 'Melnitz' oder 'Der Halbbart'. Manchmal schreibt man ja auch kleinere, mit denen man nicht in die Weltliteratur eingehen will.»

Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben?

Lewinsky: «Etwa zwei Jahre.»

Hat es sich in dieser Zeit verändert im Vergleich zu Ihrem ursprünglichen Plan?

Lewinsky: «Ich habe nie einen Plan. Aber es ist das einzige Buch, bei dem ich auf die Frage, wie ich darauf gekommen bin, eine klare Antwort geben kann. Die Hauptfigur beschäftigt mich seit 70 Jahren und beruht auf einer Person, von der mir meine Grossmutter erzählt hat.»

Es liest sich, als hätten Sie eine grosse Affinität zur US-Filmgeschichte.

Lewinsky: «Ich hatte nicht die geringste Ahnung davon. Da beginnt die Recherche-Arbeit. Der Leser sollte davon aber nichts merken und eher das Gefühl haben: 'Der weiss diese Dinge halt.'»

Wie viel von dem deutsch-jüdischen Filmproduzenten Curtis Melnitz aus dem Roman ist Ihre eigene Geschichte?

Lewinsky: «Nichts, ausser dass dieser Mann um sieben Ecken mit mir verwandt ist. Aber ich könnte die Ecken nicht nennen.»

Und er ist wie Sie auch 80 Jahre alt.

Lewinsky: «Das war mein privater Scherz. Ich wusste, das Buch soll zu meinem Achtzigsten erscheinen. Die Hauptfigur hätte auch 60 sein können, dann hätte ich die Geschichte in einer anderen Zeit spielen lassen. Aber es passte ganz gut.»

Wieso haben Sie geplant, zum Achtzigsten einen Roman herauszubringen?

Lewinsky: «Wegen Ihnen – also wegen der Journalisten. Es ist eine ganz kühle Überlegung: In der Schweiz interessieren sich die Zeitungen sehr wenig für Literatur. Aber wenn eine Cervelat-Prominenz einen runden Geburtstag hat, dann kommen sie alle an.»*

*Dieses Interview von Young-Sim Song, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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