«Habt ihrs nicht mehr nötig?» Gäste feinden Bergbeiz an
Kein Platz mehr? Kein Verständnis! Die Wirte des Roggen ob Oensingen SO erlebten in letzter Zeit vermehrt entrüstete Gäste nach Absagen.

Das Wichtigste in Kürze
- «Habt ihr es nicht mehr nötig?» Das mussten sich die Wirte des «Zum Roggen» anhören.
- Potenzielle Gäste zeigten bei einer Reservations-Absage kein Verständnis.
- Das Restaurant erläutert, weshalb eine Absage gut für den Betrieb sein kann.
Warme und sonnige Sommerabende sind seit Wochen an der Tagesordnung.
Schattige Plätzchen oder attraktive Terrassen mit Aussicht sind entsprechend gefragt. Das spürt auch das Bergrestaurant zum Roggen (841 m. ü. M.) oberhalb von Oensingen SO.
Die Plätze im beliebten Gastrobetrieb mit Aussicht sind begehrt. So begehrt, dass nicht alle Gäste Verständnis dafür aufbringen, wenn das Restaurant am gewünschten Datum schon ausgebucht ist.
Da muss sich das Team am Telefon auch schon mal Sätze wie «habt ihr es nicht mehr nötig?» gefallen lassen.
Zur Enttäuschung der Gastgeberfamilie Blaser, die beteuert, normalerweise «tolle Gäste» empfangen zu dürfen.
Doch: «Die Entrüstung auf Absagen häuften sich in letzter Zeit», erklärt Natalie Blaser auf Anfrage von Nau.ch.
Das will das Team aber nicht einfach so auf sich sitzen lassen und hat drum via Facebook aufgezeigt, was alles hinter einem Nein steckt.
Weder Launen noch fehlender Wille
«Es sind nicht unsere Launen oder fehlender Wille, die für eine Absage verantwortlich sind», so Natalie Blaser zu Nau.ch. Viele andere Indikatoren würden über die Kapazität entscheiden.
Dabei gehe es längst nicht nur um die Sitzplätze. Der verfügbare Platz in der Küche, die Grösse der Warenlager oder der Parkplatz würden auch damit zusammenhängen. Und «das Wichtigste»:
«Unsere Mitarbeitenden sollen trotz vollem Haus noch Zeit haben für ein freundliches Gespräch, eine Weinempfehlung. Und die bestellten Gerichte sollten ja auch in vertretbarer Zeit am Tisch erscheinen. Zudem darf man das Lächeln nicht vergessen.»

Würden noch mehr Gäste angenommen, hätte das Abstriche bei Qualität, Service und beim Erlebnis zufolge.
Und genau das möchte die Familie Blaser verhindern. Und denkt dabei auch an die Mitarbeiter. Nathalie Blaser sagt: «Wir sind mega dankbar, solche motivierten und leidenschaftlichen Mitarbeiter gefunden zu haben, die das gleiche Feuer wie wir in sich tragen.»
Deshalb sei es Pflicht, ihnen Sorge zu tragen und ein Umfeld zu schaffen, «bei dem die Arbeit im grossen und ganzen Spass macht.»
Gästin verteidigt das Restaurant
Der Beitrag auf Facebook hat über 1700 Likes und mehr als 130 Kommentare generiert. «Das hätten wir nicht gedacht und hat uns wirklich sehr überrascht», so Natalie Blaser.
Die meisten Kommentar-Schreiber unterstützen das Bergrestaurant denn auch in seinem Vorgehen. «Ich finde es befremdlich, dass man sich überhaupt dafür rechtfertigen muss», schreibt eine Frau. Sie habe im Roggen in der Vergangenheit auch zweimal versucht, am Nachmittag für den selben Abend zu reservieren. Vergeblich.
Was sie daraus gelernt haben? «Wir wissen mittlerweile, dass man vielleicht eine Woche oder noch früher anrufen sollte. Bei besonderen (Feier)tagen oder an Wochenenden halt noch eher.»
Gastro Suisse: Gutes Reservations-Management ist «zentral»
Auch der Branchenverband Gastro Suisse betont: «Eine Absage ist kein Ausdruck mangelnder Gastfreundschaft, sondern meistens ein Zeichen verantwortungsvoller Betriebsführung.»
Wichtig sei dabei, die Gründe freundlich und transparent zu erklären, sagt Patrik Hasler-Olbrych, stellvertretender Direktor und Leiter Kommunikation bei Gastro Suisse.

Denn der Beitrag des Bergrestaurants Roggen zeige, dass die betrieblichen Hintergründe einer Absage nicht immer sichtbar seien. «Wer freie Tische sieht, kann verständlicherweise den Eindruck gewinnen, es seien noch Kapazitäten vorhanden.»
Nebst einer transparenten Kommunikation sei ein gutes Reservationsmanagement ebenfalls zentral. «Es hilft, Personaleinsatz, Einkauf und Abläufe zu planen, Wartezeiten zu vermeiden und die gewünschte Qualität sicherzustellen.»









