Gift in Babynahrung: Viele verunsicherte Eltern bei Beratungsstellen
Beba, Bimbosan, Aptamil: Alles bekannte Babynahrungs-Marken. Dass diese teils verunreinigt sind, verunsichert Eltern stark. Beratungsstellen sind gefordert.

Das Wichtigste in Kürze
- Babynahrung verschiedener Marken ist vergiftet.
- Deshalb ruft der Bund diverse Produkte zurück.
- Bei den Eltern ist die Verunsicherung gross.
- Der Konsumentenschutz übt scharfe Kritik.
Supergau für Nestlé: Der Schweizer Konzern musste Mitte Januar in über 60 Ländern Produkte zurückrufen, weil Babynahrung mit Gift verunreinigt sein könnte.
Mittlerweile hat sich der Babynahrungs-Skandal auch auf andere Nahrungsmittelkonzerne wie Danone oder Hochdorf ausgeweitet. Grund ist eine Verunreinigung mit dem Giftstoff Cereulid.
Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV sind neun Meldungen über Vergiftungssymptome bei Babys aus der Schweiz eingegangen.
Mittlerweile hat das BLV eine Liste mit den betroffenen Produkten aufgeschaltet. Dennoch: Die Eltern sind verwirrt, Die Situation ist unübersichtlich.
Entsprechend sind die Familienberatungsstellen gefragt. «Aktuell melden sich viele Familien wegen dieser Thematik bei uns», erklärt Cordula Haselbacher, Leiterin der Mütter- und Väterberatung Region Luzern.
Teilweise stehe das Thema im Mittelpunkt des Gesprächs, teilweise würden dazu zusätzliche Fragen im Rahmen anderer Anliegen auftauchen. «Die Verunsicherung der Eltern ist dabei deutlich spürbar», betont sie.
Dieselbe Situation zeigt sich bei der Familienberatung der Stadt Zürich. «Auch wenn nur bestimmte Chargen betroffen sind, löst der Rückruf bei vielen Familien Besorgnis aus. Sie möchten sicherstellen, dass für ihr Kind keinerlei Risiko besteht», so Leila Aniba, Leiterin der Familienberatung.
Viele Eltern seien unsicher, ob das Produkt, das sie aktuell verwenden, betroffen sein könnte. «Sie fragen sich, welche Milchprodukte derzeit als unbedenklich gelten und ob ein Wechsel auf ein anderes Produkt oder eine andere Marke notwendig ist», so Mütter- und Väterberaterin Cordula Haselbacher.
Unsicherheit weitet sich auf Brei aus
Doch nicht nur das Milchpulver beschäftigt die Eltern. «Auch bei anderen Produkten wie Anrührbrei oder Gläschennahrung besteht Unsicherheit, ob etwas Besonderes beachtet werden muss», so Haselbacher.
Im Vordergrund stehe für die Eltern vor allem der Wunsch nach Sicherheit und der Gewissheit, dass es ihrem Kind gut gehe und es keinen Schaden genommen habe.
Wie sollen Eltern nun vorgehen? «Bei konkreten Fragen zu einzelnen Produkten empfehlen wir, sich direkt an die Hotline des jeweiligen Herstellers zu wenden.»
Zusätzlich macht die Mütter- und Väterberatung auf mögliche Anzeichen im Fall einer Verunreinigung aufmerksam. Denn auch Fragen zu den Symptomen würden immer wieder auftauchen.
Betroffene Eltern berichteten bisher von Symptomen wie Erbrechen und Durchfall bei ihrem Baby. Die Symptome besserten sich jeweils nach dem Absetzen der betreffenden Produkte.
Der Giftstoff Cereulid kann zu Übelkeit und starkem Erbrechen führen. Die Symptome können bereits innerhalb von fünf Stunden auftreten.
In der Regel dauern sie gemäss BLV sechs bis 24 Stunden an. Da Cereulid sehr hitzebeständig ist, kann durch Abkochen nichts eliminiert werden.
Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert BLV und Konzerne
Die Stiftung für Konsumentenschutz kritisierte das BLV für das zu lange Zuwarten. Sie hält in einer Mitteilung fest: «Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat keinen lückenlosen Überblick, welche Grenzwerte die Hersteller beachten und ob sie ihre Produkte überprüft haben.»

Auch Danone habe sich viel zu lange in Schweigen gehüllt, so die Stiftung für Konsumentenschutz. «Diese unbefriedigende Situation zeigt die grossen Regulierungslücken in der Schweiz auf, die dringend geschlossen werden müssen.»
Konsumentenschutz-Geschäftsleiterin Sara Stalder betont: «Dass sich Lebensmittelkonzerne auch in so heiklen Fällen wie verunreinigten Babyprodukten hinter Worthülsen verstecken und die Babys einer Gesundheitsgefährdung aussetzen können, ist absolut inakzeptabel.»















