Generation Z dreht fast durch, weil Freund in RS ist
Der Freund rückt in die RS ein, die Freundin bleibt zurück. Auf Tiktok berichten viele der Generation Z über diesen ersten Trennungsschmerz.
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Das Wichtigste in Kürze
- Viele junge Frauen filmen auf Tiktok, wie sie die RS-Trennung verarbeiten.
- Pro Juventute sagt, Social Media könne entlasten, wenn der Austausch unterstützend sei.
- In den ersten Tagen helfen Freunde, Hobbys, Ablenkung und kleine Rituale wie Briefe.
Erst vorletzten Montag rückten über 12'000 junge Männer in die Rekrutenschule ein. Zurück blieben Familien und viele Freundinnen, die diese lange Trennung nur schwer aushalten.
Ihren Kummer behalten sie aber nicht für sich. Sie teilen ihn mit anderen auf Social Media, besonders auf TikTok.

Eine Nutzerin bittet ihre Community schon am ersten Tag um Hilfe. «Girls, wie soll ich die nächsten 125 Tage überleben?», sagt sie im Video. Sie wolle mit ihrem Account die nächsten 18 Wochen einen «Safe Place» schaffen.
Trennungsschmerz im Feed
Was früher im Freundeskreis oder im Tagebuch landete, passiert bei vielen aus der Generation Z öffentlich. Nicht als Show, sondern als Ventil und als Suche nach Halt.
«Für viele Jugendliche ist Social Media ein wichtiger Ort, um Gefühle auszudrücken, Zugehörigkeit zu erleben und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen.» Das sagt Anja Meier, Mediensprecherin von Pro Juventute, zu Nau.ch.

Viele junge Frauen erleben diese Trennung zum ersten Mal. Der Freund ist plötzlich kaum erreichbar, die Tage wirken länger, und jede kleine Nachricht bekommt ein Gewicht.
«Wenn der Partner in die Rekrutenschule einrückt, kann das den Alltag eines jungen Paares stark verändern: Man vermisst sich, fühlt sich unsicher, traurig, überfordert oder einsam», sagt Meier.
Dass der Kummer dann im Feed landet, sei nicht nur Selbstdarstellung. Es könne auch entlasten, weil man sich nicht allein fühlt.
«Das Teilen dieser Emotionen – etwa in Form von Videoblogs, aber auch im Austausch in den Kommentaren – kann helfen. Weil junge Menschen merken: Ich bin nicht allein damit, anderen geht es ähnlich», sagt Meier.
«Dann muss man halt supportive sein»
Neben den «Tag 1»-Tränen tauchen auf Tiktok aber auch jene auf, die das Ganze schon hinter sich haben. Eine Frau erzählt, sie habe die RS Zeit ihres Freundes über eineinhalb Jahre mitgemacht. Der Start sei hart gewesen, sagt sie, aber man gewöhne sich an die Umstände.
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Ihr Tipp: Nicht gegen die RS kämpfen, sondern den Freund unterstützen. «Dann muss man halt einfach supportive sein», sagt sie.
Und sie versucht den Blick zu drehen: Man dürfe auch stolz sein, weil das keine Freizeit sei, sondern Pflicht.
Auch beim Thema Beziehung macht sie Druck raus. Nur weil man sich weniger sieht, müsse nicht alles auseinanderfallen. Im Gegenteil: Sie sagt, Es habe ihre Beziehung sogar gestärkt.
Man schätze die gemeinsame Zeit mehr, plane bewusster, mache weniger nebenbei.
Wenn der «Safe Place» wirklich gut tut
Damit das nicht kippt, kommt es laut Pro Juventute auf den Ton und die Rückmeldungen an.
«Wichtig ist, dass diese Online-Räume als unterstützend und stärkend erlebt werden», sagt Meier. «Wenn Jugendliche ermutigende Rückmeldungen und Tipps bekommen, kann das sehr stabilisierend wirken.»
Die «Safe Place»-TikTokerin liefert bereits ihren ersten praktischen Rat: Schreiben. Nicht schön in ein Buch, sondern einfach auf ein Blatt, ohne Plan. Hauptsache raus aus dem Kopf.
Was in den ersten Tagen hilft
Pro Juventute empfiehlt daneben die Dinge, die offline wirken.
«In den ersten Tagen hilft es, sich bewusst Gutes zu tun: Freundinnen und Freunde treffen, Hobbys nachgehen, sich ablenken», sagt Meier.
Und wer Nähe braucht, kann sie auch auf Distanz herstellen.
Meier sagt: «Auch kleine Rituale und Gesten, wie dem Freund Nachrichten oder Briefe schreiben oder ein Päckli schicken, können Nähe schaffen.»
Am Ende sei entscheidend, dass man sich nicht schämt, wenn es zu viel wird.
«Und nicht zuletzt ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen: Diese Phase ist herausfordernd, aber sie geht vorbei. Und man darf sich Unterstützung holen, wenn es einem nicht gut geht», sagt Meier.












