Für Pilze ist es derzeit im Kanton Zürich viel zu trocken
Damit Zürcher Pilzfans dieses Jahr auf ihre Kosten kommen, braucht es anhaltenden Regen. Noch ist es viel zu trocken für beliebte Speisepilze wie Eierschwämme oder Steinpilze. Erste Kontrollstellen öffnen dennoch schon in diesen Tagen.

Wer in diesen Tagen durch den Wald spaziert, spürt, hört und sieht die Folgen der langen Hitze- und Trockenperiode: Der Boden ist komplett ausgetrocknet, Laub und heruntergefallene Äste knacken bei jedem Schritt – und Pilze ragen weit und breit keine aus dem Boden. Dabei beginnt nun eigentlich die Saison der Sommerpilze wie Eierschwamm, Steinpilz oder Hexenröhrling. Auch die Wiesenchampignons spriessen nicht.
«Es wächst nichts», bestätigt Marionna Schlatter, Medienverantwortliche der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz (Vapko). Gleichzeitig schränkt sie aber ein, dass es im Flachland für Sommerpilze im August und Anfang September oft noch zu heiss sei. «Wir haben häufig eine zweigeteilte Saison mit einem ersten Schub im Frühsommer, während sich die Zeit der Eierschwämme und Steinpilze nach hinten in den September und Oktober verschoben hat.»
Einige der 31 Kontrollstellen im Kanton Zürich öffnen trotz des Pilzmangels bereits. Denn die Saison startet offiziell in diesen Tagen. So können Pilzler, die trotz Trockenheit erfolgreich waren, ihren Fund etwa in Meilen, Thalwil oder Volketswil prüfen lassen. Ende August sind dann alle offen.
Das Rätsel der Fruchtbildung
Obwohl ziemlich gut erforscht, gibt das Reich der Fungi den Mykologen, wie Pilzfachleute heissen, noch einige Rätsel auf. Nicht abschliessend geklärt ist etwa die Frage, was genau die Fruktifizierung, die Bildung des oberirdischen Fruchtkörpers, auslöst. Der eigentliche Pilz, das Myzelgeflecht, lebt im Verborgenen unter der Erde und tauscht dort über Symbiosen mit Baum- und Pflanzenwurzeln diverse Nährstoffe, Wasser und Informationen aus.
«Das Myzelgeflecht verträgt ziemlich viel Trockenheit und ist recht resistent», sagt Schlatter. Aber es sei unklar, ob die aktuelle Situation für die Bildung eines Fruchtkörpers reiche und wie sich der Zustand der Wälder mit ihren geschwächten Bäumen auf die Pilze auswirke.
Saison noch nicht abhaken
Was es nun sicher braucht, damit sich die Böden in der Schweiz erholen und Pilzler auch fündig werden, sind ausgiebige Regenfälle. Nicht einzelne Gewitter, sondern gleichmässiger Landregen. «Zur Fruktifizierung benötigen Pilze Feuchtigkeit und kühlere Nächte», erklärt Schlatter. Viele Pilze mögen Wärme, Tropennächte seien aber nichts für sie.
Auch wenn der Start harzt, ganz abhaken wollen die Fachleute das Pilzjahr 2026 noch nicht. Dies zeigt auch der Blick in vergangene Extremsommer: 2003 folgte auf Hitze und Trockenheit eine schlechte Saison und 2018 eine durchschnittliche mit grossen Unterschieden in den Regionen. Im Kanton Zürich regnete es vor acht Jahren Ende August teilweise heftig – und schon sprossen die Steinpilze.






