Frührentner Josty: «Keine fünf Minuten überlegt»
Say cheese! Nachdem seine Stelle weggekürzt wird, entscheidet sich der Berner Kommunikationsfachmann Alex Josty (58) für den Käse.

Das Wichtigste in Kürze
- Alex Josty, Berner Kommunikationsfachmann, vollzieht gerade einen ungewöhnlichen Wechsel.
- Neu arbeitet der 58-Jährige in einem renommierten Käseladen.
- «Ein Herzensentscheid», sagt er – und bereut den Schritt bis heute nicht.
Schicksal als Chance! Diese Floskel aus der Trivial-Psychologie trifft ziemlich genau auf Alex Josty (58) zu. Der Berner steht heute glücklich am Tresen der «Chäshütte» und bedient mit Charme die vielen Kundinnen und Kunden.
Der Reihe nach. 30 Jahre lang ist Josty eine grosse Nummer in der Kommunikationsbranche. Er leitet die Kommunikationsabteilungen der Berner Kantonalbank und des Inselspitals, unterrichtet an Fachhochschulen und folgt schliesslich dem Ruf von Swissmedic. Das Heilmittel-Institut brauchte wegen der Covid-Pandemie einen zusätzlichen Sprecher. Die Anfragen aus Medien und Bevölkerung hatten sich mehr als verdoppelt.
Ende 2025 dann der Schock: Swissmedic muss infolge hoher Millionenschulden 45 Stellen abbauen. Alex Jostys Stelle ist ebenfalls betroffen. Es ist von frühzeitiger Pensionierung die Rede. Mit 58 Jahren!
Der Tag, an dem sich alles entscheidet
Am 27. Januar 2026 um 7.30 Uhr, Josty erinnert sich haargenau, kommt das Mail der Pensionskasse mit dem Rentenangebot. «Ich musste keine fünf Minuten überlegen, dann war klar, dass ich das annehme.»
Er habe schon immer ein Flair für mutige, unkonventionelle Entscheide gehabt. Er sei zum Beispiel Mitglied einer Männergruppe namens «Nesse Sträwkcür», die regelmässig im Restaurant rückwärts bestellt, vom Absacker bis zur Vorspeise.
Kurz nach dem Mail der Pensionskasse trifft sich Josty mit Patrick Bärfuss, dem Mitinhaber der «Chäshütte» in der Berner Altstadt. «Ich bin ein absoluter Käsefan, und für mich war es logisch, mich bei Bärfuss zu bewerben.»
Die beiden werden sich schnell einig. Seit Juni arbeitet Josty nun an anderthalb Tagen im Laden, verkauft Käse, berät Kunden und Kundinnen, putzt. «Es kam alles aus dem Nichts. Ich habe einfach auf mein Herz gehört.»
Auch nach drei Monaten ist die Begeisterung gross.
«Sehnsuchtstraum getroffen»
Die Reaktionen aus dem Umfeld sind ebenfalls gross. Jostys Linkedin-Post mit dem Käserei-Outing geht durch die Decke. «Ich habe irgendwie ein Sehnsuchtsgefühl getroffen. Es kommt mir vor, als würde ich das stellvertretend für andere machen, die auch über einen Perspektivenwechsel nachdenken.»

Wird sich Josty nun weiterbilden, zum Beispiel wie ex-Fussballer Alex Frei den Käse-Sommelier machen? «Das kann ich mir gut vorstellen», sagt er. Um sofort schmunzelnd hinzuzufügen: «Ich war schon Käse-Fan, als Frei noch nicht auf der Welt war.»










