Festung Aarburg: Früher Gefängnis und Arsenal – heute Jugendheim
Die Festung Aarburg gehört zu den bedeutendsten historischen Anlagen der Schweiz. Von April bis Oktober gibt es öffentliche Führungen, die Einblick gewähren.

Die Aarburg war im Laufe der Jahrhunderte Burg, Schloss, Festung, Gefängnis, Arsenal, Erziehungsanstalt und Jugendheim. Der Nutzen passte sich stets den Bedürfnissen der Zeit an.
Entsprechend viel gibt es über die Geschichte des Bauwerks und dessen Innenleben zu erfahren. Gabriela Rüegger führt seit 25 Jahren durch die Festung und tut dies bis heute mit grosser Begeisterung.
Eine prächtige Lage, die Begehrlichkeiten weckt
Zu Beginn der Führungen legt Gabriela Rüegger grossen Wert darauf, dass die Festung nicht nur eine historische Anlage ist, sondern auch ein Jugendheim und somit das Zuhause von Jugendlichen, die in ihrer Entwicklung gefährdet sind.
«Es sind Menschen wie Sie und ich und verdienen es, mit Respekt behandelt zu werden.» Die Lage der Festung sei ideal: Wo sie früher militärischen Schutz bot, schützt sie die Jugendlichen heute vor negativen äusseren Einflüssen.

Zudem dient die Festung als Ausbildungsbetrieb, wo in den eigenen Werkstätten eine Lehre als Schreiner, Maler oder Metallbauer absolviert werden kann. Aber auch andere Berufe können erlernt werden.
Wenig Verständnis hat Rüegger dafür, dass jüngst (mittlerweile wieder verworfene) Pläne aufkamen, das Jugendheim aus der Festung zu zügeln. «Derlei Ideen kommen in regelmässigen Abständen auf», erklärt sie.
Die prächtige Aussicht wecke Begehrlichkeiten, etwa für eine stärkere touristische Nutzung oder gar für eine Umnutzung in Wohnungen.
Führungen jeden Samstag
Von April bis Oktober werden jeweils samstags öffentliche Führungen angeboten, rund zwei Stunden lang. Die Festungsführerinnen und -führer geben spannende Einblicke in die Anlage.

«Besonders beeindruckend ist es jeweils, wenn man sich vorstellt, wie die Leute hier anno dazumal gelebt haben», sagt Gabriela Rüegger, die gefühlt zu jedem Stein der Festung etwas Spannendes zu berichten weiss.
Parallelen zur Gegenwart
Wer sich die Geschichte der Festung ansieht, stösst laut Rüegger immer wieder auf Parallelen zu aktuellen Themen. Als im 17. Jahrhundert ein 45 Meter tiefer Schachtbrunnen gebaut werden sollte, erschienen die hiesigen Handwerker nicht mehr – die Arbeit war ihnen zu anstrengend.
Fremdarbeiter wurden geholt. Doch das Ergebnis enttäuschte: Statt Quellwasser fand man Sickerwasser, das durch Fäkalien verunreinigt war.

Heute sorgen derweil sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) in Gewässern für Schlagzeilen. Die Probleme wiederholen sich, einfach in anderen Dimensionen.
Vom Mittelalter bis heute
Die Aarburg wird 1123 erstmals indirekt erwähnt, weil Adelbero von Frohburg sich als «comes de Areburc» bezeichnet. Diese Titelführung zeigt, dass damals bereits eine Befestigung namens Aarburg existierte.
Der älteste Teil der Anlage besteht aus dem Hauptturm und Palas aus dem 13. Jahrhundert. 1299 verkauften die Frohburger die Burg an die Habsburger, die sie als Verwaltungszentrum nutzen wollten, um einen Territorialstaat in ihren Oberen Landen zu errichten.

1418 übernahmen die Berner die Aarburg und modernisierten sie über Jahrhunderte. Aufgrund schwelender Konflikte im 17. Jahrhundert, wie der Bauernkrieg und der 1. Villmergerkrieg, wurde die Anlage von den Bernern zu der imposanten Festung ausgebaut, wie wir sie heute kennen.
Festungsführungen
Wann: Jeden Samstag vom 4. April bis 31. Oktober 2026, um 14 Uhr.
Dauer: ca. 1,5 bis 2 Stunden.
Wo: Besammlung im Innenhof der Festung.
Anreise: Öffentliche Parkplätze im Städtli Aarburg benutzen oder mit ÖV anreisen.
Kosten: Erwachsene: CHF 10.-; schulpflichtige Kinder: kostenlos.
Gruppenführungen: Für grössere Gruppen (ab 10 Personen) ist eine Anmeldung beim Jugendheim erwünscht. Zusätzliche Rundgänge für Gruppen an einem anderen Tag können während der Büroöffnungszeiten angefragt werden. Kontakt: unter der Telefonnummer 062 787 01 01 oder E-Mail: [email protected].
Der Aufwand lohnte sich indes nicht: 1798 beim Einmarsch der Franzosen wurde die Festung kampflos übergeben.
Das erste Schweizer Alpenpanorama
1804 ging die Festung in den Besitz des Kantons Aargau über, diente zunächst als Zeughaus und später als Gefängnis. Während eines Gefängnisaufenthalts soll Micheli du Crest dort das erste Schweizer Alpenpanorama gezeichnet haben, das heute noch zu sehen ist.

1893 folgte die Umnutzung vom Gefängnis zur Zwangserziehungsanstalt für jugendliche «Taugenichtse». Mittlerweile wird die Festung, wie erwähnt, als Jugendheim genutzt.
Wer Geschichte nicht nur lesen, sondern erleben möchte, sollte die Festung Aarburg besuchen. Kaum ein anderer Ort verbindet historische Festungsarchitektur und moderne Nutzung so eindrucksvoll.
Die Führungen eröffnen einen seltenen Blick hinter Mauern, die sonst verschlossen bleiben. Sie lohnen sich auch an heissen Sommertagen, denn die unterirdischen Gewölbe, Tunnel und Kasematten bieten angenehm kühle Temperaturen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Neuen Oltner Zeitung» erschienen.












