Fast-Food-Riese sponsert Schweizer Profi-Eishockeyliga – «heikel»
Die Swiss League hat mit Burger King einen neuen Sponsor gefunden. Verband und Liga jubeln, aus der Ernährungswissenschaft kommt Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Swiss League hat mit Burger King einen neuen Sponsor.
- Ernährungsberater David Fäh sieht problematische Signale, nennt das Sponsoring «heikel».
- Fastfood könne laut Fäh das Risiko für Krankheiten wie Diabetes oder Herzinfarkt erhöhen.
Geht es um das Schweizer Eishockey, dreht sich alles um die National League. Die höchste Schweizer Liga bietet Spektakel pur. Sie zieht die Fans in Scharen an, jedes Spiel wird live am TV übertragen.
Die zweite Profiliga, die Swiss League fristet dagegen ein Schattendasein. Die Liga ist sehr heterogen: Während einige Teams durchaus viele Fans anlocken, spielen andere praktisch immer vor leeren Rängen. Und: Viele Clubs kämpfen mit finanziellen Problemen.
Praktisch jedes Jahr zieht sich eine Mannschaft aus finanziellen Gründen aus der Liga zurück: Red Ice Martigny, SC Langenthal, ab nächster Saison EHC Winterthur: Die Liste der Clubs, die sich die Swiss League nicht leisten können, ist lang.
Nach langer Suche endlich einen Sponsoren gefunden
Der Grund: Aus der zentralen Vermarktung der Liga kommt (zu) wenig Geld rein. Für die zentrale Vermarktung – dazu zählen Namensrechte oder die Vermarktung des Topscorers – ist der Verband zuständig.
Eine Medienmitteilung Mitte Februar sorgte daher für Aufsehen: Die Swiss League hat endlich einen Sponsor gefunden: Burger King!
Durch die Zusammenarbeit wird der Topscorer in den aktuell laufenden Playoffs und der gesamten nächsten Saison in «Scorer King» umbenannt. Er wird durch einen Helm und ein Trikot in den Farben von Burger King repräsentiert.
Grosse Freude bei Verband und Sponsor
Die SIHF, der nationale Verband, frohlockt. CEO Martin Baumann liess sich in der Medienmitteilung wie folgt zitieren: «Die Partnerschaft mit Burger King ist eine hervorragende Gelegenheit für die Sky Swiss League.»
Die Positionierung der Marke und deren starke nationale Präsenz machten sie zum idealen Partner.
Auch bei Burger King freute man sich in der von der SIHF verschickten Medienmitteilung. Etienne Bismut vom Marketing von Burger King Schweiz: «Eishockey nimmt in der Schweiz einen besonderen Platz ein.»
Man sei stolz darauf, eine Liga zu unterstützen, die Leidenschaft, Talent und Engagement verkörpert. «Wir freuen uns, den Fans einzigartige Erlebnisse zu bieten – sowohl auf dem Eis als auch in unseren Restaurants.»
Friede, Freude, Eierkuchen also bei diesem neuen Sponsoring? Ja. Aber: Passen Fastfood und Spitzensport wirklich so gut zusammen?
Burger King verfolgt klare Imageziele
Ernährungsberater und Mediziner David Fäh von der Berner Fachhochschule findet das Sponsoring «heikel». Es suggeriere, dass es eine sinnvolle Verknüpfung gäbe zwischen Sport und Fastfood.
«Gerade junge Menschen werden dadurch angesprochen. Das finde ich generell schwierig», sagt Fäh im Gespräch mit Nau.ch.
Aus seiner Sicht verfolgt Burger King mit dem Engagement klare Imageziele. «Es geht darum, das eigene Image aufzupolieren – nach dem Motto: Schaut her, man kann Fast Food essen und aktiv sein und wir unterstützen das.»
Der Zusammenhang zwischen Fastfood und Übergewicht werde so verwässert. «Letztlich geht es auch darum, den Zusammenhang zwischen Fastfood und Übergewicht aufzuweichen», erklärt Fäh.
Fast Food sei oft besonders schmackhaft und sättige schlecht. «Man muss wenig kauen, isst schnell und häufig mit den Händen. Dadurch nimmt man leicht mehr Kalorien zu sich, als man eigentlich braucht.»
Fastfood sorgt für viele Erkrankungen
Diese Eigenschaften könnten das Risiko für verschiedene Krankheiten erhöhen. «Es gibt viele Hinweise, dass häufiger Fast-Food-Konsum das Risiko für Adipositas, Fettleber oder Diabetes steigert.»
Auch Folgeerkrankungen seien möglich. «Dazu gehören Herzinfarkt, Hirnschlag oder gewisse Krebsarten.»
Trotz dieser Risiken sieht Fäh ein generelles Werbeverbot für Fastfood kritisch. Lebensmittel seien – anders als Tabak oder Alkohol – grundsätzlich lebensnotwendig.

Handlungsbedarf sieht er dennoch. «Fastfood ist gemessen an seinen wahren Kosten viel zu billig», sagt Fäh. Denkbar wären etwa extra Steuern auf Süssgetränke oder Zucker.
Auch bei der Mehrwertsteuer sieht er Spielraum. «Man könnte unterschiedliche Sätze einführen. Etwa null Prozent für lokal und saisonal produziertes Obst und Gemüse und deutlich höhere Sätze für Süssgetränke. Sowie für andere Produkte, die stark verarbeitet sind und viel Fett, Zucker und Salz enthalten.»
So oder so: Zum Sport passt Fastfood definitiv nicht. Auch wenn die Swiss League froh ist um jeden Franken, der via Sponsoring reinkommt.











