Der Fall «Carlos» beschäftigt die Schweiz schon seit Jahren. Nun soll der Straftäter nochmals vor Gericht und sprach davor über seine Zeit in der Einzelhaft.
Fall Carlos
«Carlos» steht heute Mittwoch wieder vor Gericht. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Schläger Carlos soll am 30. Oktober 2019 nochmals vor Gericht.
  • Angriffe auf Aufseher werden dem Straftäter zum Verhängnis.
  • Gegen über der «Rundschau» äusserte sich der Kickboxer nun.

Schon seit Jahren sorgt der berüchtigte Kickboxer Carlos (24) immer wieder für Schlagzeilen. Nun muss er wieder vor Gericht. Konkret geht es um wüste Beschimpfungen, Drohungen und Angriffe auf Personal und Behörden.

Denn Carlos gibt sich auch hinter Gittern nicht geschlagen.

Carlos Anklageschrift
Der damals 17-jährige «Carlos» beim Kampfsporttraining in der Kampfsportschule von Shemsi Beqiri in Reinach BL, Bild von 2013. - Keystone

Voraussichtlich sollen die Gerichtsverhandlungen am 30. Oktober starten und das Urteil am 9. November gefällt werden. Zuvor sprach Carlos erstmals über seine Zeit im Knast.

Wut und Hass stehen auf der Tagesordnung

Er ist Insasse der JVA Pöschwies, lebt in Einzelhaft und darf einmal am Tag an die frische Luft. Doch auch dies klappt nicht immer. Mal wegen fehlender Kooperation mit dem Personal, mal möchte Carlos nicht raus. Gegenüber der «Rundschau» erzählt der noch junge Schläger aus seinem Alltag.

JVA Pöschwies Brian Carlos
Brian alias «Carlos» sitzt in Einzelhaft in der JVA Pöschwies. - Keystone

«Hier drinnen ist Wut und Hass deine Nahrung, das ist kein menschlicher Zustand.» Um seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, greift er regelmässig Aufseher an, beschimpft und verflucht sie. In einem Gutachten wird die Situation als eine «unweigerlich abzeichnende Abwärtsspirale» bezeichnet.

Obwohl sich Carlos ungerecht behandelt fühlt, muss Forensiker Frank Urbaniok den Behörden Recht geben. «Wenn jemand in jedem Moment etwas Gewalttätiges machen kann, dann sind die Möglichkeiten nicht mehr gross. Dann ist es am Schluss eine Sicherheitszelle», so Urbaniok zur «Rundschau».

Kooperation des Insassen ist gefragt

Damit sich die Situation bessert, ist die Kooperation des Insassen gefordert. Dies betont Urbaniok. Doch Carlos denkt gar nicht daran, sich in seinen Augen geschlagen zu geben. «Ich bin ein Kämpfer, ich kämpfe für mein Recht bis in den Tod

Und für ihn ist klar: Die Verwahrung, die im droht, ist schlimmer als die Todesstrafe. «Dann sollen sie mich lieber erschiessen oder mich töten.» Doch die Behörden sehen keinen anderen Ausweg. Alle paar Minuten gibt es in Protokollen, die der «Rundschau» vorliegen, einen Eintrag zu Carlos.

Familie möchte Freiheit für Carlos

Der Vater von Carlos dokumentiert den Aufenthalt seines Sohnes mit Genauigkeit. Jeder verwehrte Ausgang, jeden Zwischenfall. Und er kommt zu dem Schluss, dass man Carlos entlassen soll. Die Behörden sollen zugeben, dass sie ihm das schuldig sind, so der Vater.

Fall "Carlos"
"Carlos" geht nächste Woche nochmals vor Gericht. - Keystone

Ob Carlos nicht auch ein wenig selber verschuldet sei, fragt die «Rundschau». «Nun ist er schon seit einem Jahr in einer Haft, in welcher jeder normale Mensch krepiert», so der Vater. Für ihn ist dieses Verhalten ein Hilfeschrei, der einzige Ausweg.

Doch auch der Vater wünscht sich, dass Carlos ruhig wäre. Er bittet seinen Sohn bei Besuchen und in Briefen mehrmals: «Kannst du nicht einfach ruhig sein?» Doch Carlos antwortet jedes Mal dasselbe: «Das kann ich nicht, das halte ich nicht aus.»

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