Experte: Unsere Wälder entwickeln sich «Richtung Savanne»
Die anhaltende Trockenheit setzt den Schweizer Wäldern und Wildtieren zu. Experten beobachten bereits deutliche Folgen: geschädigte Bäume und kleinere Rehe.

Das Wichtigste in Kürze
- Flachwurzelnde Buchen erreichen bei Trockenheit kaum noch Wasser.
- Trockenheit verdrängt Würmer in tiefere Bodenschichten und erschwert Vögeln die Nahrungssuche.
- Rehkitze bleiben kleiner, während Wildschweine häufiger an Flüsse ausweichen.
Die anhaltende Trockenheit nach dem Hitzesommer 2026 setzt den hiesigen Wäldern zu. Die massive Änderung überrascht selbst den Waldexperten Ansgar Kahmen, Professor für Biologie an der Universität Basel. Auf einem Testgelände untersucht er, wie Bäume auf Hitze und Trockenheit reagieren.
«Die Geschwindigkeit, mit der diese Schäden dieses Jahr aufgetreten sind, hat uns doch überrascht», sagt er gegenüber der SRF-«Tagesschau».
Er habe zwar immer gewusst, dass der Klimawandel sich auf den Wald auswirken und es zu massiveren Veränderungen kommen werde.
Aber: «Wie schnell das vonstatten geht, hätten wir so nicht vorhersagen können.»
Ohne menschliches Eingreifen wird Baumdichte geringer
Besonders betroffen sind Baumarten wie Buchen mit flachen Wurzeln. Ist es trocken, kommen die Bäume nicht ans tiefer gelegene Wasser im Boden.
Die Anpassungsfähigkeit hält sich in Grenzen. «Man kann aus einer Buche keinen Kaktus machen», sagt er.
Kahmen warnt: «Wenn man das sehr pointiert ausdrücken möchte, dann kann man tatsächlich sagen, dass die Entwicklung in Richtung Savanne geht.»
Die Savanne ist eine tropische Landschaft mit viel Gras und einzelnen Bäumen, die vor allem in Afrika vorkommt.
Ohne menschliches Eingreifen gebe es offenere Bestände und weniger Bäume pro Fläche. Aufgehalten werden könne dieser Trend, indem Baumarten gepflanzt werden, die besser mit Trockenheit umgehen können.
Rehe sind wegen Trockenheit kleiner
Nicht nur Bäume, auch Tiere leiden unter den trockenen Bedingungen. Im Wald bei Aarau zeigt Erwin Osterwalder, kantonaler Fachbereichsleiter Jagd, der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» wie trocken der Boden wirklich ist.
Er gräbt mit den Händen in die Erde und stellt fest: «Es ist trocken. Und wenn man hinuntergräbt, ist es sehr trocken. Die Würmer haben sich in tiefere Schichten zurückgezogen.»
Vögel kommen nicht mehr an die Nahrung heran. Auch grössere Wildtiere sind betroffen.

Rehkitze – also junge Rehe – sind in diesem Jahr kleiner als üblich. Osterwalder beschreibt die Situation: «Sie sind kleiner und haben noch weisse Punkte. Vom Gewicht her sind sie zurückgeblieben.»
Viele Tiere weichen in Gebiete mit mehr Wasser aus. Wildschweine etwa seien vermehrt an grösseren Flüssen anzutreffen.
Trotz dieser Beobachtungen sieht Osterwalder den Tierbestand im Kanton Aargau nicht in akuter Gefahr. Er sagt: «Wir haben keine Anzeichen, dass mehr Tiere als sonst sterben.» Für einzelne Individuen könne es aber ein existenzielles Problem sein.
















